Bucket List oder Mein Ochsenweg

Wissen Sie, was eine „Bucket List“ ist?

Eine „Bucket List“ ist eine To-Do-Liste, eine Liste mit allem, was man in seinem Leben (noch) einmal tun und erreichen möchte, bevor man seinen „Löffel“ abgibt. Das kann Verschiedenes sein, z.B.  auswandern, Schafe züchten, nackt im Regen tanzen, Ziegenhirt werden, eine Band gründen, Dudelsack spielen lernen, Bilder malen, ein neues Haus bauen, die Welt retten, eine Reise oder anderen Leuten helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Nun auf meiner „Bucket List“ stehen viele Vorhaben, aber eines ist mir besonders wichtig: Mit dem Rad durch vor allen in Deutschland wandern und zu versuchen, alle Orte  zu bereisen, die mir in meiner Lebensgeschichte etwas bedeuten. Das sind relativ viele Orte in Deutschland, z.B. Diekhof, Güstrow,  Rostock, Warnemünde, Berlin, Mehlingen, Kaiserslautern, Marl, Hannover, Starnberg, Sylt, München, Velbert, Essen, Dortmund, Holzwickede, Osnabrück, Münster, Düsseldorf, Hamburg, Kiel, Berlin, Regensburg, Rheine, Frankfurt. Peine und natürlich Edemissen. Ich glaube, die wichtigsten habe ich aufgezählt. Überall dort habe ich für längere Zeit gelebt, oder es waren wichtige örtliche Stationen mit besonders prägendem Aufenthalt, in meinem Leben. Wieso und weshalb ist eine andere Geschichte.

Nun, seit 2015 bin ich dabei, diesen Teil der „Bucket List“ intensiv mit dem Fahrrad zu realisieren.

Im Jahr 2015 führte mich mein Weg als Radler auf den so genannten Ochsenweg, gemeinsam mit meinem Freund Joerg aus Hamburg, von Flensburg über Itzehoe nach Edemissen (~440 km ),

(nachzulesen im “Ochsenweg 1.1 bis Ochsenweg 1.8 hier )

und allein weiter von Edemissen über Osnabrück nach Münster, und weiter über Bochum nach Düsseldorf (~445 km).

(nachzulesen im “Ochsenweg 2.1 bis Ochsenweg 2.4 hier)

Im Jahr 2016 radelte ich allein von Dortmund  den Fluss „Ruhr“ hinauf bis Winterberg und dann weiter über Marburg/Wetzlar nach Idstein (~315 km ).

(nachzulesen im “Ochsenweg 3.1 bis Ochsenweg 3.6 hier)

Im selben Jahr machte ich dann noch mit meinem Freund eine kleine Tour die Saale abwärts, und zwar von Jena bis Magdeburg (~230 km).

(nachzulesen im “Ochsenweg 4.1 bis Ochsenweg 4.3 hier )

Im Jahr 2017 radelten mein Freund Joerg und ich von Ahrensburg in Richtung Lübeck und weiter über Wismar und Rostock nach Diekhof (Geburtsort) und dann südwärts Richtung Tangermünde/Güsen, wo unsere Radtour wegen schlechten Wetters abgebrochen werden musste (~400 km ).

(nachzulesen im “Ochsenweg 5.1 bis Ochsenweg 5.7  hier )

Für 2018 hatten wir uns vorgenommen, von Basel aus den Rhein hinunter bis Düsseldorf (~695 km) zu radeln,

(nachzulesen im “Ochsenweg 6.1 ff. in Kürze hier)

im Anschluss radelte ich dann noch von Münster nach Edemissen (~255 km).

Bisher sind das rd. 3.000 km gewesen.

Weitere Touren sind in Planung!

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Mein Ochsenweg 6.1 (13.08.2018) Von Edemissen per Bahn nach Basel

Die Vorbereitungen hatten schon früh begonnen, indem mein Radlerfreund Joerg und ich den Startpunkt Basel und den Zielpunkt Düsseldorf festgelegt hatten und uns auf Tages-Etappen von 80 km bis 90 km verständigten.

Bei einer rechnerischen Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,5 km/h sind das ca. 7 Stunden Fahrt, zu der eine Mittagspause von gut einer Stunde hinzukommen sollte. Bei geplanten Aufbruchszeiten zwischen 08:00 Uhr und 09:00 Uhr morgens würden sich dann Ankunftszeiten von 16:00 Uhr bis 17:00 Uhr ergeben.

Faktisch fahren wir natürlich etwas schneller, etwa 15 km/h bis 20 km/h, je nach Gelände, Wetter, Windrichtung und Windstärke und Neigung des Geländes. Planmäßig fahren wir i.d.R. auch so, dass wir nach gut einer Stunde jeweils 10 Minuten Pause einlegen, in denen insbesondere etwas getrunken wird und die Muskulatur durch Lockerungsübungen entspannt wird.

Mit diesem System kommen wir eigentlich gut klar und sind bei guter Geschwindigkeit immer noch im Level „Genuss-Radeln“.

Selbstverständlich halten wir uns nicht sklavisch an diese Vorgaben, schöne Ausblicke oder Sehenswürdigkeiten wollen schließlich auch genossen werden.

Als Etappen hatten wir, ausgehend von Basel zunächst Markolsheim (Frankreich), dann Rheinau, dann Rülzheim, dann Worms, dann Ingelheim, dann Koblenz, dann Bonn und zuletzt Düsseldorf ausgewählt. Planerisch sollten damit 650 km in etwa 8 Tagen gemeistert werden, zuzüglich zwei Tagen Anreise per Zug nach Basel und Weiterreis ab Düsseldorf.

Tatsächlich sind es dann knapp 700 km geworden, diesen Unterschied von bis zu 10% haben wir regelmäßig bei all unseren Planungen festgestellt.

Durch eine Internet-Buchungsplattform waren die entsprechenden Unterkünfte frühzeitig gebucht und reserviert worden. Da wir nicht mehr in dem Alter sind, in dem Jugendherbergen eine spannende Angelegenheit sind, haben wir grundsätzlich schöne Unterkünfte in Hotels gebucht, in denen auch Frühstück geboten wird und Annehmlichkeiten, wie W-Lan, Dusche und Restaurant….

Die Anreise beginnt für mich in Edemissen dann am 13.08.2018 in aller Frühe, kurz nach 06:00 Uhr in Richtung Bahnhof Dollbergen.

Da ein Tornado Tage vorher durchs Peiner Land gefegt ist, sind Teilstrecken der Bahn (ENNO) aufgrund von massiven Beschädigungen in der Oberleitung durch herabgestürzte Bäume stillgelegt und es besteht keine Sicherheit, ob und wann ein Zug pünktlich ab Dollbergen abfahren würde. Auf telefonische Anfrage bei der entsprechenden Auskunft hat man mir mitgeteilt, möglichst eine Stunde vor der planmäßigen Abfahrtszeit am Bahnhof zu sein. Nun gut, ich muss, wie viele andere Reisende dann tatsächlich am Bahnhof Dollbergen lange warten und nervige 45 Minuten lang herrscht Ungewissheit, ob überhaupt ein Zug fährt. Letztendlich werden wir Reisenden dann doch erlöst und nach Hannover abtransportiert.

                                        

 

In Hannover geht es nach längerem Halt und Umstieg mit den ICE 973 nach Mannheim…

Auf dem Bahnsteig treffe ich etliche Radreisende, die in alle Richtungen unterwegs sind, man kommt untereinander schnell ins Gespräch und tauscht sich über Interessantes und Belangloses, Radreisen betreffend, aus. Planmäßig trudelt dann der Zug nach Basel ein…

Im ICE selbst habe es diesmal nicht besonders clever eingerichtet. Das Rad steht in Waggon 1, mein Sitzplatz in Wagen 11, Sitzplatz reserviert. 1 Klasse, war ja so günstig!!! Für Fahrräder sind im ICE traditionell wenig und dann auch nur schmale Einhäng-Plätze vorrätig, ich bekomme mein Rad nicht eingehängt und stelle es so ab.

Kaum habe ich mich die 11 Waggons mit meinem gesamten Gepäck (zwei kleine und zwei große Radtaschen) durchgequält, werde ich im gesamten Zug laut ausgerufen „Herr Gemba möchte bitte unverzüglich in den Waggon 1 kommen“…

Ach Du Sch…, also trabe ich mit dem wichtigsten Gepäck wieder zurück.

Im Waggon 1 angekommen herrscht mich der Schaffner an, ich soll mein Rad ordentlich aufstellen, sonst müsste ich den Zug verlassen. Ich würge mit dem Drahtesel rum, bis der Schaffner Ruhe gibt und trabe wieder zurück in Waggon 11.

In Mannheim habe ich länger Aufenthalt. Planmäßig trudelt dann der Zug in Mannheim Hbf. nach Basel ein.

Auch hier habe ich es diesmal nicht besonders clever eingerichtet. Das Rad steht in Waggon 253, mein Sitzplatz in Wagen 264, Sitzplatz reserviert. 1 Klasse, war ja so günstig!!!

Gegen halb vier trudeln wir in Basel ein, ich fahre mit einem Freund von mir zusammen eine Station weiter, denn die liegt näher am Hotel, ist aber ein Schweizer Bahnhof. Also bin ich drei Minuten „schwarz“ gefahren!

Das Hotel liegt nahe bei, mein Radler-NAVI (TEASI ONE) weist uns sicher den Weg.

Schnell eingecheckt, die Räder in der Tiefgarage eingestellt und dann geht’s zu Fuß hungrig in die Stadt. Am Barfüsserplatz lassen wir uns in einem Restaurant auf der Terrasse nieder und genießen bei Ohren betäubendem Straßenbahnlärm unser erstes Bier zu gesalzenem Preis.

Da die Speisekarte auf der rechten Seite unsere finanziellen Vorstellung bei weitem übersteigt, suchen wir ein Lokal mit akzeptablem kulinarischen und preislichen Niveau.

In Basel nicht so einfach. Wir laufen kreuz und quer durch die Innenstadt und überqueren die Mittlere Brücke, landen am Clara Platz, der als Knotenpunkt des ÖPNV zu dienen scheint.  Wir finden ein kleines schlichtes Restaurant, dass für „günstige“ 15 € pro Person ein „Schnitzelbrot“ und ein winziges Bier anbietet, dass wir mangels Alternativen und verzweifelt hungrig bestellen.

Auf dem Rückweg zum Hotel überqueren wir noch einmal die Mittler Brücke, von der aus wir auf der linken Rheinuferseite die rückwärtige Fassade des berühmten „Grand Hotel Les Trois Rois“ bestaunen, das mit einer vorgelagerten Terasse ein Sprungbrett in den Rhein für verzweifelnde hungrige Stadtgäste bietet.

   

Abgesehen davon waren in diesem 300 Jahre alten Luxushotel vormals Napoleon Bonaparte, Königin Elisabeth II., Pablo Pciasso, Kaiserin Michiko von Japan, James Joyce Thomas Mann u.a. zu Gast. Der Name soll an die Weisen aus dem Morgenland erinnern, warum auch immer. Erwähnenswert finde ich noch, dass hier der österreichische Schriftsteller Theodor Herzl vom 26. – 29. August 1897 Hotel «Drei Könige» gewohnt hat und während des 1. Internationalen Zionistenkongresses in Basel den Grundstein zur Schaffung des Staates Israel gelegt hat.

Ehrfürchtig und beeindruckt von soviel Durchlauchtigkeit schleichen wir mit dem „Schnitzelbrot“ im Bauch an der Luxusunterkunft vorbei zu unserem Hotel „Ibis Budget Basel City“, mit dem wir uns standesgemäß zufrieden geben.

An der Bar nehmen wir noch ein kühlendes Getränk zu uns und dann geht’s ab in die Koje!


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Mein Ochsenweg 5.7 (06.08.2017) ca. 40 km Radtour von Tangermünde nach Güsen und weiter mit der Bahn nach Hause

Der letzte Teil unserer Jahrestour verläuft dann aber ganz anders als geplant. Ursprünglich war geplant von Tangermünde bis Magdeburg zu radeln und eine schöne Fahrt entlang der Elbe zu genießen.

Aber nachdem wir bereits am Vortage völlig durchnässt und durch steten Gegenwind doch leicht entkräftet und demotiviert worden sind, entscheiden wir, die Tour final abzukürzen, um dem weiterhin drohenden Ungemach durch Wind und Wetter kurzerhand zu entgehen.

Das Studium von Kartenmaterial und Fahrplänen ( DB-Navigator ) führt zu der Entscheidung, von der linken Seite der Elbe auf die rechte zu wechseln und in dem kleinen Örtchen Güsen  den Nahverkehrszug nach Magdeburg zu wählen, um dann von dort aus nach Hause -für mich nach Edemissen- zu reisen.

Gesagt getan.

Aber zunächst werden wir in unserer Unterkunft mit einem herrlichen rustikalen Frühstück verwöhnt. Danach brechen wir gekräftigt auf und radeln bei bestem Wetter erst einmal durch das schöne Städtchen scheinbar zurück, um dann über eine große Brücke über die Elbe zu kommen.

                                            

Nach wenigen Kilometern stehen wir dann plötzlich vor dem Nichts, den die Deichverstärkung entlang der Elbe hat dazu geführt, dass unser Radweg im Nirwana endet:

Nun, da heißt es Kehrtwende!

Danach fahren wir bei bestem Wetter durch eine liebliche Landschaft.

Unterwegs grüßen uns vierbeinige Gesellen und zeigen uns, was es heißt, mit Genuss und Ruhe sein Dasein im Jetzt zu verbringen.

Insbesondere der Geißbock beeindruckt mich durch seine majestätische Form…

Schließlich landen wir in Güsen, wo wir auf den Nahverkehrszug warten.

                                              

Dann geht’s nach Hause, komplett im Nahverkehrszug, auch ab Magdeburg, weil wir für den IC nicht vorbestellt haben! Die Fahrt vergeht schnell und fröhlich, da viele Fahrradfahrer an Bord sind und lebhafter Austausch an Erfahrungen die Reisezeit verkürzt.

                                                           

Eine Reise voller schöner Erlebnisse!

 

 

 

 

 

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Mein Ochsenweg 5.6 (05.08.2017) ca. 85 km Radtour von Perleberg nach Tangermünde

Morgens erwachen im kaiserlichen Hotel und lassen uns es bei einem sehr gediegenem Frühstück in vorzüglichem Ambiente erst einmal richtig gut gehen.


        

        

Nun, da kann man nicht meckern, oder?

Derart froh gestimmt satteln und besteigen wir unsere Drahtesel und wollen losfahren…!!

Kaum haben wir die Räder gesattelt und gespornt stößt mein Kumpel Joerg einen verhaltenen Schreckensschrei aus: Sein Fahrrad hat (schon wieder!!!) einen Platten…, der zweit auf unserer Tour.

Nun ist guter Rat teuer. Ich zücke mein Smartphone und gebe auf meiner App “around me” das Suchwort “Fahrradladen” ein, eine Methode, die uns ja schon am Anfang unserer Tour (Ochsenweg 24) Erfolg gebracht hatte. Es werden tatsächlich zwei Läden in großer Nähe angezeigt.

Aber: es ist Samstag….!!! Wir laufen los, der erste Laden hat am Samstag geschlossen, na denn, es gibt ja noch einen… Nach kurzer Zeit erreichen wir diesen , und… der Laden hat am Samstag auch geschlossen…

Wir stehen dort und sind ein wenig ratlos, ich schlage vor, mein umfangreiches Reparaturset aus der Gepäcktasche zu holen und vor Ort zu versuchen, eine Reparatur selbst durchzuführen.

Da ruft uns eine Dame zu und fragt, ob wir einen Bäckerladen suchen, um Brötchen u kaufen. Wir antworten, dass das nicht der Fall sei und schildern unsere Malheur. Die gute Frau entpuppt sich als ehemalige Inhaberin eines Schreibwarenladens neben dem ersten Fahrradladen. Sie sei bekannt mit dem Inhaber, ein älterer, manchmal knurriger aber sehr hilfsbereiter Herr, der zur Zeit im Urlaub sei. Sie wolle ihn anrufen, ob er uns helfen könnte. Wir sind baff und sprachlos und bevor wir etwas sagen können spurtet sie los und verschwindet. Nach wenigen Minuten -sie wohnt in der Nähe – ist sie wieder da und teilt uns mit, dass sie den Inhaber erreicht habe, er wäre zu Hause und würde trotz Urlaub herkommen und sich unserer Lage erbarmen. Wir stottern immer noch unser Glück kaum fassend so etwas wie Dankeschön und weg ist sie.

Nun, erwartungsvoll kehren wir zum ersten Laden zurück und harren dort der Dinge, die kommen sollen.

      

Nach einer halben Stunde Wartens kommt ein älterer wortkarger und mürrisch dreinblickender Herr, schließt den Laden auf und fordert meinen Kumpel Joerg auf, mit einem Rad herein zu kommen, damit die Reparatur durchgeführt werden kann.

Die beiden verschwinden im Laden und ich begebe mich zu einem Blumenladen, um Blumen zu kaufen und die Adresse der freundlichen Dame zu eruieren, was mir auch gelingt. Wenige Minuten später kann ich mit einem Blumengebinde unseren Dank für die Rettung der Dame bezeugen.

Unterdessen sind im Fahrradladen die notwendigen Reparaturen und die Bezahlung nebst Draufgeld durchgeführt und wir verabschieden uns von dem äußerst gastlichen Perleberg und radeln trotz der Verspätung auf neuen Reifen  frohgemut gen Süden…

Nach gut 15 km erreichen wir die Elbebrücke von Wittenberg, ein beeindruckendes Bauwerk, dessen Bau im Juni 1847 von der Magdeburg-Wittenbergesche Eisenbahngesellschaft initiiert wurde. Ursprünglich bestand das Bauwerk aus einer Mauerwerks-Gewölbebrücke mit fünf Öffnungen über die Taube Elbe bzw. die Stepenitz, eine symmetrische eiserne Drehbrücke, einer Holz-Fachwerkkonstruktion auf gemauerten Pfeilern und einer Flutbrücke aus Mauerwerksgewölben. Alle Pfeiler hatten eine Gründung auf Holzpfählen. Die hölzernen Überbauten der Strombrücke wurden in Rautenfachwerk als Howe-Träger mit Fachwerkpfosten aus Rundeisenstangen ausgeführt. Am 28. Oktober 1851 wurde die Brücke in Betrieb genommen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 12. April 1945, sprengten deutsche Truppen die beiden östlichen Überbauten der Strombrücke mit dem dazwischen stehenden Strompfeilert, womit der Eisenbahn- und der Schiffsverkehr blockiert waren. Im April 1946 wurden nach Wiederherstellung des zerstörten Strompfeilers ersatzweise für das südliche Streckengleis zwei stählerne Behelfsüberbauten vom System „Roth-Waagner“ eingebaut.

Da die Strecke Magdeburg–Wittenberge zu den wichtigen Nord-Süd-Verbindungen in der DDR gehörte, wurden von 1955 bis 1957 die Behelfsüberbauten durch neue Regelüberbauten ersetzt.

Aufgrund der Elektrifizierung der Bahnstrecke wurde von 1982 bis 1987 der komplette Brückenzug durch einen 1030 Meter langen Neubau ersetzt. Es war der längste Brückenneubau der Deutschen Reichsbahn. Die 14-feldrige Brücke hat als Konstruktionssystem in Längsrichtung drei Durchlaufträger und ist in Stahl als pfostenloses Strebenfachwerk ausgeführt. Die Schwellen sind ohne Schotterbett direkt auf der Brückenunterkonstruktion befestigt. Auf der Oberstromseite ist ein Fußgängersteg vorhanden. Die Durchfahrtshöhe beträgt für Schiffe 6,10 Meter. Damit zählt das Bauwerk zu den niedrigen Brücken, die die Elbe überspannen.

Für mich als Bauingenieur ein besonderes Schmankerl!!

 

Die Brücke ist von weithin zu sehen.

Nun wir radeln munter weiter und fahren durch die wunderschöne weite Elbaue Weuster-Wahrenberg mit herrlichen Radweg weiter bis Arneburg, wo es eine besonders imposante Aussichtsplattform gibt, die uns vom Burgberg einen überwältigen Überblick über die Elblandschaft eröffnet.

Nicht verhehlen will ich, dass es unterdessen ohne Ende geregnet hat. Daher kehren wir zweimal in Gaststätten ein, wobei wir zweimal auf ein und dieselbe Hochzeitstruppe treffen. In einer der Gaststätten erscheinen wir allerdings derart tropfnass, dass die Wirtin sofort los trompetet: “So nass setzen Sie sich hier aber nicht hin”…

Nun am Ende haben wir uns stets mit einer heißen Suppe aufwärmen und trösten dürfen…

Gegen späten Abend trudeln wir verfroren und durchnässt in Tangermünde ein, einem netten kleinen Ort mit 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Altmark in Sachsen-Anhalt, der sich durch gut erhaltene Fachwerk- und Backsteinbauten auszeichnet.

Wir suchen das Quartier auf, dass sich als relativ ungewöhnliche und spezielle Unterkunft auszeichnet, deren Quartiersmutter uns durch ihr ungewöhnliches Aussehen nachhaltig beeindruckt, ebenso wie die Zimmer, die farblich besondere Akzente setzen:

Nun, umso mehr genießen wir geduscht, getrocknet und hungrig den Abend  bei köstlichem Gerstensaft und einem zünftigen Mahl in der Altstadt, direkt gegenüber dem Rathaus, auf dessen Dach ein Storch die Szene beherrscht und mit seinen Hinterlassenschaft auf dem Weg am Rathaus eine fußgängerfreie Zone geschaffen hat.

 

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Mein Ochsenweg 5.5 (04.08.2017) ca. 42 km RadTour von Krakow am See nach Meyenburg und weiter über Pritzwalk mit der Bahn nach Perleberg

Frühmorgens stehen wir schon mit mäßiger Kondition auf, der vorherige Tag mit Wind und Wetter steckt uns noch in den Knochen.

Der Blick aus dem Fenster des Frühstücksraumes verheißt absolut nichts Gutes: Regen, Regen, und reichlich Wind aus SSW!

Nun, unverdrossen besteigen wir unsere Drahtesel und fahren gen Süden.

Zum Glück klart es nach und nach auf und wir fahren durch eine schöne Landschaft gegen Perleberg….

Eine erste Rast nach 90 Minuten tut uns richtig gut….Wir verzehren auch hier unsere erste “Stulle” und laben uns am mitgeführten Wassertrunk!

Dann geht es weiter durch das schöne Mecklenburger Land…

Unser Weg wird gesäumt von Weiden und kleinen und großen Seen….

 

Nach gut drei Stunden verhaltener Strampelei kommen wir in Plau am See an, das eine sehr schöne Örtlichkeit mit herrlicher Anbindung an eine vielgestaltige und abwechslungsreiche Seenlandschaft ist.

 

Keine Frage: Hier machen wir ausgiebig Rast und genießen die Zeit…

Nach reichlicher Pause treten wir wieder in die Pedalen, aber die Kondition ist heute nicht die beste. Mein Kumpel Jörg und ich entscheiden nach langem Für und Wider nicht die restlichen 60 Kilometer noch zu radeln, zumal die nächsten Tage das Wetter nicht sicher besser wird, und -abgesehen von der schönen Landschaft, Wind und Wetter nicht nur an der Kondition sondern auch an Motivation nagen.

Wir entschließen uns die Strecke per Fahrrad abzukürzen und ab dem 45 Kilometer entfernten Meyenburg mit der Bahn weiter zu reisen, um halbwegs guten Mutes das noch weit enfernte Perleberg vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.

Gesagt, getan….

Umwege und Landstrassen ohne Radwege vermeidend kommen wir recht gut voran, aber irgendwann verlieren ein wenig den Überblick. Wir wenden uns an einen Bewohner der kleinen Ortschaft Ganzlin, in der wir uns gerade befinden. Wie alle Menschen, die wir unterwegs antreffen, erhalten wir auch hier freundlich Hilfe und den absoluten Geheimtipp, der uns auf einem schmalen Pfad abseits frequentierte Straßen ohne Radwege durch Feld, Wald und Flur an einem großen Bodenabbau vorbei rasch nach Meyenburg führen soll.

Das finden wir sehr spannend und lassen uns auf dieses kleine Abenteuer ein, wohl wissend, dass wir Pfade befahren, die auch von der Bevölkerung genutzt werden.

 

Und tatsächlich, relativ bald treffen wir in Meyenburg am Bahnhof ein, wo wir dann noch eine Weile auf den Zug warten müssen.

Leider bietet sich uns ein Bahnhof mit Akzenten der Trostlosigkeit an, wo wir spüren, dass sich hier Landflucht, Demografie und De-Industrialisierung breit gemacht haben…

Irgendwann zuckelt dann der “Zug” an, wir steigen ein und können sogar noch mit dem Zugführer ein nettes Schwätzchen halten…..,

der uns bis Fritzwalk bei Laune hält, wo wir dann in den “Zug” nach Perleberg einsteigen.

Ich wage in Fritzwalk einen Blick ins Innere des Bahnhofs-Hauptgebäudes, bis der Zug sich zurecht rangiert hat,  und bin angenehm überrascht über die Sorgfalt und Hingabe, mit der man hier Erinnerung an den Ort pflegt…

In brandenburgischen Perleberg schließlich angekommen steigen wir mehr als zufrieden im “Historischen Hotel Deutscher Kaiser” ab, wo weiland der Sage nach prominentester Logiergast der preußische Kronprinz Wilhelm gewesen sein soll. Belegt sei das jedoch nicht. Nun, wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

Den Abend beschließen wir traditionsgemäß mit einem zünftigen Gerstensaft, einem leckeren Mahl und einen weichen Whisky und sinken danach in unseren schön ausgestatteten Zimmern hochzufrieden in die Betten.

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Mein Ochsenweg 5.4 (03.08.2017) ca. 70 km Radtour von Rostock über Diekhof nach Krakow am See

Unser Start beginnt in Rostock, der alt ehrwürdigen Hansestadt an der Warnow.

Mit Rostock verbindet mich sehr viel.  Als Jugendlicher und Student verbrachte ich  hier oft zu Zeiten der zwei deutschen Staaten (BRD und DDR) meine Ferien bei meiner Oma (genannt Oma-Rostock) und bei meiner Tante mit ihrer Familie, bestehend aus ihr, meinem Onkel und zwei Cousinen. Ich der “Westler” genoss eitel die “Bewunderung” meiner Verwandten in der “SBZ”, nicht ahnend, dass mich meine Tante als Vollstreckerin der StaSi  gezielt ausspionierte und zu einem Spitzel der StaSi machen wollte. Davon habe ich erst viele Jahre später erfahren, und das ist eine andere Geschichte. Diese Geschichte steht in “meiner” StaSi-Akte, auf über 100 Seiten.

Ich habe gleichwohl sehr schöne Erinnerungen an die Zeit, als ich mit meinem Onkel, der ein schönes Segelschiff auf der Warnow führte, und meinen Cousinen auf der Warnow bis Warnemünde hin und wieder zurück schipperte.

In Rostock fühlte und fühle ich mich jederzeit irgendwie zu Hause, auch weil die Menschen dort die Art und Weise der Aussprache pflegen, die meine Mutter pflegt, die “breite und weiche”  Dialektform des meckenburgisch-vorpommerschen Dialektes.

Auch wenn die Modernität in Mobilität, Architektur und Konsumverhalten sichtbar Einzug in Rostock gehalten hat, gibt es doch vieles, was eigenständig und Stadtbild prägend erhalten geblieben ist.

(Bild: Quelle Wikipedia “Rostock”)

Seit 1990 trägt die Stadt den Namenszusatz Hansestadt.

Rostock ist d i e norddeutsche kreisfreie Groß-, Universitäts- und Hansestadt an der Ostsee.

Als Mitglied der Hanse blühte die Stadt durch den Freihandel auf. Viele Baudenkmale als wertvolle Werke der Backsteingotik in Rostock zeugen von der geschichtlichen Entwicklung der Stadt.

Die Hansestadt war stets das urbane Zentrum Mecklenburgs. Sie verfügt heute über rd. 206.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ist kulturell und wirtschaftlich sehr bedeutende Stadt des südlichen Ostseeraumes. Dies durch ihre Lage am Meer, den Hafen, und die Universität, die Hochschule für Musik und Theater, die private Fachhochschule des Mittelstands und viele moderne Forschungseinrichtungen .

Der für den Fährverkehr und Güterumschlag bedeutende Rostocker Hafen sowie der größte deutsche Kreuzfahrthafen in Warnemünde liegen im Stadtgebiet. Der südlich der Stadt gelegene Flughafen Rostock-Laage ist als Zubringer für Kreuzfahrten sowie für Urlaubs- und Geschäftsflüge von überregionaler Bedeutung. Bedeutend für das Rostocker Land ist die Kreuzfahrt geworden: Mit dem Anlauf des Kreuzfahrtschiffs „Balmoral“ am 12. Oktober 2017 an Liegeplatz P7 in Warnemünde endete die besucherstärkste Kreuzfahrtsaison in Rostocks Ostseebad. Insgesamt sind bei 190 Schiffsanläufen in im Jahr 2017 ca.  892.000 Seereisende an und von Bord der Urlauberschiffe gegangen. Die Rostocker Reederei AIDA Cruises schickte 2017 mit „AIDAdiva“ und „AIDAmar“ wieder zwei Schiffe vom Basishafen Warnemünde 40 Mal auf Ostseekreuzfahrt. in 2017 hatten 24 internationale Reedereien den Ostseehafen an der Warnow in ihre Reiseplanungen aufgenommen.

Im Rostocker Bereich herrschen Spitzentechnologien vor, wie z.B. Biotechnologie, Informationstechnologie und Luft- und Raumfahrttechnik, Schiffbau und Schifffahrt, Maschinenbau, der Tourismus, der Dienstleistungssektor, die Kultur- und Kreativwirtschaft und die Universität samt der Universitätsmedizin als größte Arbeitgeber der Stadt.

Während der Umbruchszeit vor der Wende waren die Rostocker Kirchen Anlaufstellen oppositioneller Kräfte, die sich in der Marienkirche zu Mahngottesdiensten unter der Leitung von Pastor Joachim Gauck versammelten, um aktiv den politischen Umbruch mitzugestalten.

Nun gut, das soll es sein…

Wir sind in einem modernen Hotel untergebracht, das wir am Vortage ( 02.08.2017) bei noch trockener Witterung erreicht haben. Nach dem üblichen Stärkungstrunk mit Rostocker Gerstensaft und Erfrischung im Zimmer haben wir nach unserer Ankunft zu Fuß auf in die Innenstadt aufgemacht, wo wir nach einem Restaurant gesucht haben. Das haben wir auch gefunden und uns bei Speis und Trank auf das köstlichste gestärkt. Müde und zufrieden ist es dann in die Koje gegangen!

Am nächsten Morgen verheißt uns der Blick aus dem Fenster nichts Gutes: es regnet…

Nach einem herzhaften Frühstück packen wir die Räder und starten, zunächst geht es in Rostock an diverse Teilziele, die Besuchsorten in meiner Jugend entsprechen, u.a. an den Ulmenmarkt. Meine Mutter hatte mir vorgeschlagen noch nach Dierkow zu fahren, wo sie ihre Kindheit verlebt hatte, aber das realisieren wir nicht, denn der Regen setzt uns bereits jetzt schon ordentlich zu.

Unser Fernziel und Tagesziel heißt Krakow am See, und das will geschafft werden. Vorher fahren wir auf meinen Wunsch noch nach Diekhof, dem Dorf, in dem ich vor 64 Jahren geboren wurde. Angeblich lag zwei Meter Schnee und mein Vater ging durch den Schnee zur Hebamme, die mich dann als Hausgeburt zur Welt holte. Als Unterlage soll meiner Mutter bei der Geburt ein mit einer Decke umhüllte Tür gedient haben.

Wir radeln auf guten Radwegen durch Rostock Richtung Süden, vor uns liegt in 35 km Entfernung Diekhof.  Wir fahren gemächlich bei unterschiedlicher Witterung durch den Rostocker Landkreis, der sich uns mit seiner besonderen Landschaft vor allem mit gelegentlichem Gegenwind und reichlich Regengüssen  nachhaltig mitteilt und einprägt.

Gegen Mittag kommen wir auf Schleichwegen am “Wiesengrund” in Alt-Diekhof an, ich sehe ein Haus, dass meinem Geburtshaus ähnelt und will mich dem Haus nähern. Jedoch ist niemand anzutreffen und ein wütender Bello hat erheblich etwas gegen meine Gegenwart.

 

Nun, wir steigen wieder auf unsere Drahtesel und radeln weiter durch Wind und Wetter Richtung Süden. Weder der Regen noch der Wind lassen davon ab, uns nachdrücklich zu begleiten, was nicht nur an unseren Kräften sondern auch an unserer Motivation arbeitet.

Am Ende kommen wir nach insgesamt gut 70 km am Nachmittag gegen 16:30 Uhr in Krakow am See an, erschöpft aber zufrieden, denn uns erwartet unser Hotel, und zusätzlich ein aufgeklarter Himmel, so dass wir abends noch draußen ein  Mahl (russische Küche!!) einnehmen können, bevor wir uns müde in unsere Zimmer begeben.

Ich will noch verraten, dass ich mich an einer leckren Soljanka gelabt und gestärkt habe.

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Mein Ochsenweg 5.3 (02.08.2017) ca. 80 km Radtour von Wismar nach Rostock

In aller Frühe geht es bei gutem Wetter nach einem herrlichen Frühstück los.

Letzte  Blicke auf die Hafensituation ….

und wir sind wieder “on the road”…

Wir entschließen uns nach Studium der Topografie, dass wir Höhen umgehen wollen und ein Stück möglichst entlang der Ostseeküste radeln wollen, was zur Folge hat, dass wir einen kleinen Umweg fahren.

Das nächste Ziel ist nach gut 30 Kilometern Rerik ein entzückender Badeort.

Zunächst stärken wir uns mit zwei Haferflocken-Schokokeksen die die Frau von Joerg für die Reise zur Kräftigung mitgegeben hat…

Nach das hilft aber nach vorn!!!

 

Im Cafe (Hintergrund) lassen wir uns nieder und dort gibt es Tee (für Joerg) und ein Kakogetränk (für Wolfgang) und wir haben die schöne Idee, Postkarten an die Familie zu schreiben, quasi als entschleunigte “WhatsApp-old-School”!

Das Ostseebad Rerik hat etwas mehr als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner ist sehr auf Tourismus eingestellt. Jährlich kommen neben den Tagesbesuchern ca. 50.000 Feriengäste,  jährlich werden an die 400.000 Gästeübernachtungen in Rerik gezählt.

Nun, lange bleiben wir nicht, denn es ist auch ordentlich Rummel und wir haben ja noch weitere schöne Ziele! Weiter geht es an der Küste entlang und wir landen eine Stunde später darauf in Kühlungsborn.

Dort hält es meinen Kumpel Joerg nicht mehr auf dem Sattel seines Drahtesels und er geht kurz in der Ostsee ein erfrischendes Bad zu nehmen.

Währenddessen mache ich bei blauem Himmel Rast an der Promenade und genehmige mir eine kleine Wegzehrung und schaue mir in Ruhe den Trubel der Touristenarena an.

 

Nach dieser angenehmen Einlage geht es weiter in Richtung Bad Doberan, das wir auch ohne Komplikationen auf guten Radwegen erreichen. Wir sind gerade nach Doberan eingefahren und machen an einer Kreuzung nahe bei einem kleinen Gewerbegebiet halt, da ertönt ein Schreckensschrei meines Kumpels: Sein Hinterrad hat einen Platten!

Das ist das, womit man leider rechnen muss, was man aber auf keinen Fall möchte. Nun gut. Wir fahren auf ein Tankstellengelände im Gewerbegebiet, und mache mich daran, mein Reparaturset aus den Packtaschen zu holen. Mein Kumpel schlägt stattdessen vor, eine Reparaturwerkstatt aufzusuchen. Ich ziehe mein Smartphone und schlage eine App “around me” auf, gebe “Fahrradwerkstatt” ein und erhalte etliche Ergebnisse, von denen uns eines geradezu umhaut: Laut Suchergebnis befindet sich in 38,40 m Entfernung eine Reparaturwerkstatt: Zweirad Harder . Wir , nichts wie hin, und ein überaus freundlicher schlanker großer junger Mann ist nach kurzer Anfrage bereit, unverzüglich die Reparatur, bzw. einen Austausch des kaputten Schlauches durchzuführen. Wir dürfen uns unterdessen in ein Cafe im Gewerbegebiet verfügen und uns dort an Tee und Kaffee laben.

Nach einer halben Stunden sitzen wir wieder im Sattel, erleichtert, dankbar und glücklich.

Also Leute, in Bad Doberan gibt es einen tollen Fahrradladen, den ihr unbedingt frequentieren solltet!

In der Mitte des Nachmittags landen wir dann in der Hansestadt Rostock und suchen unser Hotel auf, das zentral liegt, wo wir unsere übliche Ankunftsroutine zelebrieren.

Wir sind nach kurzem erfrischenden Schläfchen ziemlich hungrig und machen uns gegen frühen Abend durch die Innenstadt auf und finden nach einiger Suche das passende Restaurant, wo wir diesmal mal (Vegetarierer nicht weiterlesen) spar-ribs und Straussenfleisch  zu reichlich Getränken auftischen lassen, da wir einen Mords-Energiehunger haben.

 

Das Kröpeliner Tor, das in der Nähe unserer Unterkunft liegt, weist uns müden Kriegern anschließend den Weg.  Es ist als das westlichste der vier großen Tore der Rostocker Stadtbefestigung und wurde im 1.300 Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Es war und ist eines der gewaltigsten der zeitweise bis zu 22 Stadttore in Rostock.

An ihm empor schauend sehen wir, was der Wettergott für den nächsten Tag vorbereitet!

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Mein Ochsenweg 5.2 (01.08.2017) ca. 65 km Radtour von Lübeck nach Wismar

Im Laufe der zurückliegenden Touren hat sich in unserem kleinen Zweier-Radlerteam so etwas wie eine Routine herausgebildet.

Abends, nach Ankunft in der regelmäßig lange im voraus gebuchten Herberge, bringen wir rasch unsere Klamotten ins Zimmer, dann wird reichlich köstlicher Gerstensaft genossen, dann geduscht und dann eine Siesta gemacht. Anschließend wird die Gegend erkundet, nicht ohne eine grandiosen Tagesabschluß bei einem zünftigen Essen. Des Morgens wird früh aufgestanden, ausgiebig gefrühstückt und ein leckres Brötchen, Obst und ein gekochtes Ei als Wegzehrung zubereitet, und gegen 08:00 Uhr aufgebrochen.

So haben wir das natürlich auch in Lübeck zelebriert, dieser Stadt, zu der man viel sagen kann, und die man unbedingt besuchen sollte.

Die Hansestadt Lübeck ist eine kreisfreie Universitätstadt, hat rd. 220.000 Einwohnern, und ist flächenmäßig die größte Stadt in Schleswig-Holstein. Die wunderschöne  mittelalterliche Lübecker Altstadt ist Teil des UNESCO-Welterbes. Die Hansestadt gilt als Ausgangsort der Hanse, einer Handelsvereinigung, die seit dem 12. Jahrhundert bis in die Neuzeit für großen Wohlstand in Lübeck sorgte.

Ihr Name Lübeck ist quasi Programm und rührt aus dem slawischen Wort Liubice („lieblich“) her. Das Stadtgebiet Lübecks wird von Wasser, Grünflächen und ausgedehnten Wälder geprägt. Das Traveflußgebiet mit seinen Naturschutzgebieten wurde als FFH-Gebiet an die Europäische Union gemeldet.

Der Lübecker Hafen ist der größte deutsche Ostseehafen der Lübeck mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum verbindet. Der früher bedeutende Schiffbau (z.B. Orenstein & Koppel) spielt keine Rolle mehr. Dafür haben andere Branchen Bedeutung, z.B. das  Drägerwerk mit mehr als 11.000 Beschäftigten. Nicht unbekannt sein dürfte vor allem Niederegger, der bekannteste Hersteller des köstlichen Lübecker Marzipans.

Hhmmm lecker!!!

Zu den bekanntesten Lübeckern gehören die beiden Nobelpreisträger Willy Brandt und Thomas Mann, einer meiner Lieblingsautoren (Buddenbrocks, Joseph und seine Brüder…).

Nun, schweren Herzens verlassen wir das “liebliche” Lübeck, mit dem mich besondere Erinnerungen verbinden.

Vor vielen Jahren hatte ich mich hier als Stadtbaurat beworben und gegen den amtierenden Amtsinhaber kandidiert. Leider hat es nicht geklappt, es wäre mein Herzenswunsch gewesen.

Als Knabe und Jugendliche habe ich des Weiteren oft am Lübecker Bahnhof den Eisenbahnzug gewechselt, um dann durch die damalige DDR zu meiner Oma, meiner Tante und meinen Cousinen nach Rostock  zu reisen. Unvergesslich der Geruch in den nach Wofasept riechenden Waggons des von einer stampfenden Dampflok gezogenen Zuges, der mich in unvergessliche  Sommerferien brachte.

Mein Freund hatte zudem in seiner Berufspraxis als Architekt hier an bedeutenden Bauwerken verantwortlich mitgewirkt.

Vor uns liegen angenehm zu bewältigende 65 Kilometer nach Wismar, die wir durch das leicht wellige und mit Feldern und Wäldchen gegliederte Land genussvoll meistern.

Unsere Reise führt uns auf wenig befahrenen Radwegen durch verschlafene Ortschaften. Sonne und Rückenwind meinen es zudem gut mit uns.

In Schönberg, wo Ernst Barlach und Werner Siemens dereinst zur Schule gegangen waren,  machen wir kurz Rast und fahren dann weiter bis nach Grevesmühlen. Schönberg war auch eine Zeitlang namensgebend für eine Deponie für u.a. gefährliche Abfälle, Umwelttechnikern als sehr problematisch bekannt. Beide Ortschaften liegen bereits in Mecklenburg-Vorpommern, wie auch der Name des zugehörigen Landkreises Nordwestmecklenburg nahelegt. In Grevesmühlen findet alljährlich ein “Piraten-Open-Air” statt, zu dem auch schon mal bis 60.000 Besucherinnen und Besucher strömen, was ja schon fast an das Wacken-Open-Air heranreicht.  Mir waren die Plakate unterwegs schon aufgefallen.

Nun, uns interessiert das nicht weiter, sondern wir sind hungrig. Und wie bestellt, taucht in Grevesmühlen die Malzfabrik Grevesmühlen auf, ein imposantes nachgenutztes Industrieareal mit denkmalgeschützten Gebäuden.  Für uns wesentlich ist die dortige Betriebs-Kantine, in der wir uns mit köstlichen kühlen Wasser erfrischen und einer großen Portion Sauerfleisch und Bratkartoffeln kräftigen.

Die Malzfabrik Grevesmühlen wurde 1873 errichtet und beherbergt heute einen Teil der Verwaltung des Landkreises Nordwestmecklenburg. Ursprünglich für die Produktion von Malz (für Bier!) genutzt, ist das Gebäude später auf verschiedenste Weise genutzt worden, z.B. für die Lagerung von Eis und die Züchtung von Pilzen. Zu DDR-Zeiten machte man aus der Malz-Fabrik einen VEB. Nach der Wende war dort zwischenzeitlich ein Einkaufs- und Gewerbezentrum, dem aber kein Erfolg beschieden war, nach der Jahrtausendwende zog dann die Kreis-Verwaltung dort ein.

Ein beeindruckendes Gebäude!

Gekräftigt und erfrischt geht es eineinhalb Stunden bei bestem Wetter weiter.

Zwischendurch halten wir immer mal wieder an, um einen Schluck Wasser zu trinken, die (Rücken-)Muskeln zu entspannen und die schöne Landschaft zu genießen.

An dieser Stelle klettere ich auf den kleinen Damm an der Straßenseite und erspähe am Horizont die Ostsee….

Zufrieden landen wir am frühen Nachmittag in Wismar.

In Wismar liegt unsere Herberge direkt am Hafen, wo sich u.a. reichlich Touristen und etliche Bratfischstände gegenseitig zufrieden machen wollen. Wir suchen uns ein zünftiges Restaurant (Brauhaus am Lohberg) mit Aussenbereich aus. Leider hat es angefangen zu regnen. Zunehmend werden wir dort zögerlich und mürrisch bedient, denn die Bedienung fürchtet, auf dem Weg unter den Schirmen hindurch zu uns von Regentropfen vernässt zu werden. Einer der männlichen Bedienungen wirft uns jammernd vor, provozieren zu wollen, dass er ins Krankenhaus müsse, wenn wir weiter bedient von ihm werden wollten. Nach dieser interessanten Einlage verlassen wir die ungastliche Stätte und kehren anderswo, im Il Casale, ein, wo es trotz Regens noch ein hochmotiviertes und freundliches Bedienungsteam gibt und wir perfekt bedient werden.

Musste ich einfach schreiben!!!

Schließlich wollen wir ja nicht, das jemand wegen unseres Hungers und Durstes krank wird.

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Der Baum Nr. 1 in Berlin

Irgendwann, irgendwo in Berlin, ich gehe in einer Tagungspause  am Lützowufer entlang.

Lützow war ein im Jahr 1239 erstmals erwähntes Dorf, das im 16. Jahrhundert zum Amt Spandau kam. Damals waren hier sechs Bauern- und Kossätenstellen erfaßt. Im 17. Jahrhundert wurde der Ort Kurfürstin Sophie Charlotte, der zweiten Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III. – des späteren Königs in Preußen Friedrich I. -, übereignet und für sie das Schloß Lützenburg errichtet. Neben dem Schloß entstand eine Siedlung, die nach dem Tod der Königin im Jahre 1705 durch königliche Order den Namen Charlottenburg verliehen bekam.

Das Lützowufer ist bei der Anlage des Landwehrkanals neu entstanden. 1965 wurde der Abschnitt des Gartenufers von Budapester Straße bis in Höhe Lichtensteinallee nach der Anschlußstraße in Lützowufer benannt, es liegt im Stadtteil Tiergarten.

Neben dem Kanal sind beidseitig Fußwege angelegt, zwischen Fußweg und Kanalufer sind Bäume gepflanzt, ich vermute mal Linden.

Vor einer Linde bleibe ich stehen: es ist  der Baum  Nr. 1. Erstmal denke ich, aha, typisch deutsch, alles wird gezählt, warum nicht auch die Bäume hier.

Schön, dass sie da ist, die Nr. 1, wie alt, weiß ich nicht, aber vielleicht bin ich vor 62 Jahren als Baby schon einmal vorbeigetragen worden, als meine Eltern mit mir auf der Flucht aus der damaligen SBZ über Berlin nach Westdeutschland waren.

Diese Linde spricht jedenfalls zu mir, sie entschleunigt mich und wirkt auf mich und ich bleibe längere Zeit in stummer Zwiesprache  stehen…

Schön entspannt und froh gehe ich den Rest den Weges, gelange schließlich zum Tagungshotel, wo sich einige Tagungs-Kolleginnen und -Kollegen draußen rauchend angeregt über Klimaschutz unterhalten.

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Mein Ochsenweg 5.1 (31.07.2017) ca. 55 km Radtour von Ahrensburg nach Lübeck

Endlich ist es wieder soweit: Die nächste Radtour steht an!

Dieses Mal soll es aus dem Großraum Hamburg nach Rostock und weiter nach Magdeburg gehen.

Diese Fahrt hat eine besondere Bedeutung für mich, zumal meine Eltern und deren Vorfahren aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg herstammen, insbesondere die mütterliche Linie, die aus der Gegend aus Rostock stammt.

Doch dazu später mehr…

Früh morgen um 05:00 klingelt zu Hause der Wecker…finales packen, Frühstück, etc. und dann geht es los…

Zunächst führt der Weg die ersten acht Kilometer durch die schöne Landschaft meines Heimatlandkreises zum nächstgelegenen Bahnhof…

Vom heimatlichen Bahnhof geht es per Umstieg (mit dem bepackten Fahrrad immer wieder ein schönes Erlebnis!) in Hannover Hbf nach Hamburg Hbf und von dort weiter nach Ahrensburg Bahnhof, eine Reise, die die ersten vier Stunden des Vormittags kostet.

           

Unterwegs bin ich mit anderen Radwanderern ins Gespräch gekommen, die auch mit dem Zug zu ihrem Bestimmungsort, bzw. Ausgangspunkt ihrer Tour reisen. So vergeht die Zeit schnell. In Hamburg winkt jemand an einem Bahnsteig meinem Zug zu, ich bin sicher, ich bin gemeint und winke zurück!

Als ich so wohlbehalten in Ahrensburg lande, begrüßt mich vor dem Bahnhof mein Freund und Fahrradkumpel Joerg mit einer Tasse Kaffee im bahnhofsnahen Cafe!

Der Tag fängt also richtig gut an!

Mit Ahrensburg verbindet mich, dass ich für das Tiefbauamt dort als Jungingenieur für Wasserwirtschaft einmal die komplette Kanalisation hydraulisch berechnet habe und bei Teiloptimierungen für die kommunale Kläranlage Beiträge geliefert habe. Aber das ist urlange her.

Ahrensburg ist eine hübsche Stadt in Schleswig-Holstein und mit rd. 33.000 Einwohnern die größte Stadt des Kreises Stormarn. Im so genannten Ahrensburger Tunneltal konnten Funde spätpaläolithischer Rentierjäger nachgewiesen werden, heute  folgt ihm die Bahnstrecke Lübeck–Hamburg. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Hamburg nach Lübeck im Jahre 1865 wurde Ahrensburg zu einem beliebten Ausflugsziel im Hamburger Umland und die Einwohnerzahl stieg an, besonders nach dem 2. Weltkrieg durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten.

Ahrensburg ist einbekannter Wirtschaftsstandort in Schleswig-Holstein, z. B. ist dort die Axel Springer SE mit Produktion und Druckerei ansässig. Ebenfalls ist die Acer Group, zweitgrößter PC-Hersteller der Welt  – nach HP und vor Dell, als ein taiwanisches Computerunternehmen dort ansässig, das PCs, Notebooks, Smartphones, Tablets, Desktops, Server und Monitore, LCD-Fernseher, Media-Center, Projektoren und Wearables herstellt.

Nun, wir treten munter in die Pedalen und verlassen Ahrensburg.

Unser Weg führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft, an Feldern vorbei, die noch Zeugnis der letzten Regentage ablegen, und nur teilweise abgeerntet sind.

Da wir ausgeruht sind und bei guter Kondition sind, erreichen wir bei bestem Wetter und ein wenig Rückenwind schon nach knapp 3 Stunden Fahrzeit unser Tagesziel Lübeck.

Schön, das Holstentor!

Wir runden den schönen Tag mit einem Besuch im absolut sehenswerten “Europäischen Hansemuseum”  ab, auf dem wir uns hervorragend über die Geschichte der Hanse informieren.

Den gelungenen Abschluss bilden ein Spaziergang entlang der Trave und ein schönes Essen!

 

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