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Der Gretachismus!

Mit 14 Jahren wurde ich evangelisch konfirmiert.

So sollte der Eingang ins evangelisch-kirchliche Erwachsenenalter glücken.

Mein Konfirmationsspruch, der Psalm 23, wurzelt in altorientalischer Viehzüchtertradition und handelt vom Vertrauen in den guten Hirten, der noch im Angesicht der Feinde den Tisch deckt.  

Vor allem der protestantische Aspekt dieser „Bekräftigung“ blieb bis heute erhalten, war ich doch in der „Protestantischen Landeskirche“ der Pfalz getauft worden.

Unvergesslich die vielen Unterrichtsstunden im lutherischen Katechismus, im Original „Deudsch Catechismus für Kinder und Einfältige“ benannt.

Aus der Amtskirche bin ich lange raus, verfolge aber Entwicklungen der Kirche mit großem Interesse.

Deutsche Bischöfe loben heuer die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg, die nun auch eine Audienz beim Papst erhält. Fehlt nur noch die Heiligsprechung.

Der Berliner Bischof Koch rückt Gretas Auftreten in die Nähe von Christus Einzug nach Jerusalem und befördert sie zur Prophetin, wie es bereits auch von Frau Göring-Eckardt geschah. Letztere hat immerhin Abitur und einige Semester erfolglos Theologie studiert, sie macht sich nicht nur auf Kirchentagen Gedanken um die Zukunft  der ‘Kinderinnen‘ .

Da weitere seligmachende Aktivitäten unserer Eliten zu erwarten sind, möchte ich als Religions-Banause von der Basis  die Einführung des „Universellen Gretachismus für Kinderinnen und Einfältige“ vorschlagen:

  1. Freitags geh ich nicht in die Schule, sondern hüpfe gegen Kohle oder gegen den Klimawandel.
  2. Auf das Smartphone und Smart-TV verzichte ich, denn die Rohstoffe dafür werden umweltschädlich in China und Afrika abgebaut.
  3. „Markenklamotten“ sind Teufelszeug, ich trage fair gehandelte Kleidung aus nachhaltiger Produktion.
  4. Auf Urlaubsreisen mit dem Auto oder Flugzeug verzichte ich, u.a. auf Billigflüge nach Mallorca und den Skiurlaub.
  5. Klimaschädliche Hobbies meide ich, mein Sport absolviere ich zu Fuß oder per Fahrrad.
  6. Ich will keinen Führerschein, denn Autofahren ist klimaschädlich.
  7. Ich nutze keine stromfressenden Haushaltsgeräte, helfe meinen Eltern beim Geschirrspülen von Hand.
  8. Ich boykottiere Fast-Food und Lieferando, ernähre mich mit regional und saisonal verfügbaren Lebensmitteln.
  9. In meinem Zimmer zu Hause ist die Raumtemperatur auf 18 Grad gedrosselt.
  10. Ich verzichte komplett auf Kunststoff, auch auf Cola-Flaschen aus PET und Fress-Schalen von Chinesen.
  11. Ich dusche kalt, nur 2-mal pro Woche, und das ganz kurz.
  12. Ich gründe keine Familie und will keine Kinder.

Bischöflicher Segen und ein Platz im Klimahimmel wären damit fast sicher.

Der Lenz ist da!

Mit dem Äquinoktium (Tag-und-Nacht-Gleiche) setzt am 19., 20. oder 21. März jeden Jahres der astronomische Frühling ein, meteorologisch bereits am 1. März, weil Statistiker das so wollten.

Mit dem Frühling werden hübsche Blumen, verführende Düfte, himmlische Stunden zu zweit assoziiert. Erwacht diese Jahreszeit, wehen laue Lüfte. Die einen überfällt Frühjahrsmüdigkeit, andere werden unruhig, von Frühlingsgefühlen befallen.  Manche erleben einen zweiten Frühling und Verliebte spielen “Hasch mich, ich bin der Frühling“. Männerchöre schmettern „Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen trallala …“

Nicht nur frühblühenden Pflanzen nutzen die ersten Sonnenstrahlen, auch die sorgsam im Winter gewarteten Grillanlagen dürfen im Peiner Land nach draußen.  Mit den Temperaturen steigt zeitgleich auch der Hunger auf Grillfleisch im Peiner Land. Die Luft, erfüllt vom Duft der Blüten wird -gemäß dem Motto „Grill Dich glücklich“- durchdrungen von vielerlei Duftnoten gegrillten Fleisches, vom kross gegrillten Fisch bis hin zur fast verkohlten Bratwurst. Wie gut, dass die niedlichen Osterküken und Osterlämmer nicht wissen, was der Frühlingsanfang in Bälde für sie mit sich bringt.

Faszinierend auch der  jährliche Peiner-Autofrühling (Frei nach Goethes Osterspaziergang):

Vom Eise befreit sind Fuhse und Eixersee . . .Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

In Peine grünet Autoglück . . . Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in den Harz zurück.   . . .  Von dorther sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises. . . . in Streifen über des Marktplatzes Flur;

Aber die Kaufmannschaft duldet kein Weißes, . . .Überall regt sich Handel und Streben,

Um alles mit Aktion zu beleben; . . . Wohl an Traumautos fehlt’s im Revier

Wer begeistert die Peiner dafür? . . . Volk, kehr um, um‘ s einzusehen,

Nach der Stadt zurückzugehen!  . . . Aus des Stadtparks grünem Tor

Dringt hungriges Gewimmel hervor.  . . . .Jedermann chillt heut‘ so gern.

Stadteinwärts rauscht Shopping-Verkehr. . . . Denn dafür sind sie angestanden,

Aus allen Häusern dumpfen Gemächern, . . .Aus  Besucher- und Familienbanden,

Aus dem Dunst von Zimmern und Dächern, . . . Aus der Straßen staub‘ger Enge,

Aus den Vororten ehrwürdiger Pracht,  . . . hat es alle zur Innenstadt gebracht.

Sieh nur, sieh! Wie behänd sich die Menge . . .  Durch Hüpfburg und Fressbude schlägt,

Selbst von Braunschweigs fernen Pfaden . . . Reisen Wohnmobil-Fans an.

Ich höre schon des Stadtrates Gegrümmel, . . .Hier ist des Paaners wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet groß und klein: . . . . Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Pontifex maximus Peinensis!

Während meines Studiums des Bauingenieurwesens an der TU München und danach faszinierten mich stets Holzbau und Stahlbau und deren Anwendung im Brückenbau.

Besonders interessierten mich altertümliche Bogenbrücken, die als reine Druckbögen gebaut sind. Deren Bogenkurve gleicht einer Kettenkurve, entsprechend dem Durchhang einer an ihren Enden aufgehängten Kette. Mathematisch ist das der Cosinus Hyperbolicus (cosh). Dies Prinzip setzte z.B. Antoni Gaudí  bei der “Sagrada Família“ in Barcelona ein.

Unsere Vorfahren  konnten Brücken auch ohne den “cosh“ bauen.

Brücken verbinden Menschen, Siedlungen, Regionen, Länder. Sie sind aufgeständert, abgehängt oder freischwebend konstruiert. Es gibt Verbindungen über die Brücke und unter der Brücke durch.

Man kennt Balkenbrücken, Fachwerkbrücken, Bogenbrücken, Hängebrücken, Klappbrücken, Drehbrücken und Schrägseilbrücken usw. .

Gerade schauen meine Frau und ich „Die Brücke – Transit in den Tod“, eine mehrteilige dänisch-schwedisch-deutsche Krimireihe, sie handelt von Verbrechen.

Zahnärzte stellen Implantate und Kronen her, und auch Brücken, die fehlende Zähne ersetzen. Zahnärzte sind also Bauingenieur-Kollegen.

Meine Zahnbrücke gab vor einiger Zeit den Geist auf, das Schicksal mancher Brücke, moderner Ersatz muss in solchen Fällen her.

Als Lateinschüler lernte ich den Begriff „Pontifex“ kennen, was Brückenbauer heißt. Der „Pontifex Maximus“ war der Häuptling der römischen Priesterkaste, er wohnte in der “Regio“ auf dem “Forum Romanum“. Papst „Leo der Große“ (440 bis 461 n.Chr.) nahm den Titel für sich in Anspruch, nachdem er davor sehr lange nicht mehr gebräuchlich war. Alle folgenden Päpste nutzten diesen Titel auch.

Im „Regio“ des „Forum Peinensis“ obwaltet wohl auch ein Pontifex Maximus. Die in die Jahre gekommene Hertha-Peters-Bongossi-Holzbrücke hat es ihm angetan. Ersatz oder Reparatur muss her.

Glücklicherweise hat diese Schrägseilbrücke nichts mit Verbrechen zu tun.

Gemäß einem alten Hit muss man „Über sieben Brücken gehen“, um Asche oder heller Schein zu werden. 1978 von der DDR-Rockband Karat kreiert, handelt der Hit vom Scheitern einer Liebesgeschichte.

Die Zahl „Sieben“ spielt bei der Peiner Hertha-Peters-Brücke auch eine Rolle.

Der Pontifex Maximus Peinensis  hat den Zustand der desolaten Bongossiholz-Brücke siebenmal genau und teuer angeschaut, einmal hätte gereicht.

Die Bürger Peines fragen sich, ob hierbei Asche oder heller Schein vorherrscht und ob es noch eine Liebesgeschichte werden kann.

Mit oder ohne „“cosh“, eine neue Brücke soll her, vielleicht im Stahlstandort mal aus Stahl?

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