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Kuss mit Genuß!

Am 06. Juli dieses Jahrs war Tag des Kusses.

Küssen ist weit verbreitet. Bei den Eskimos werden Nasen als Kuss aneinander gerieben, angeblich wegen der Sorge, beim Lippenkuss mit dem Kusspartner zusammenzufrieren.

Manche Wissenschaftler behaupten, dass die Herkunft der Küsserei damit zusammenhängt, dass sich vierbeinige Tiere am Hinterteil beschnüffeln. Bei uns aufrecht gehenden Primaten habe sich diese Verhaltensweise nach oben zu den Lippen verlagert. Widerlegt ist wohl, der Kuss-Ursprung habe sich wie bei den Piepmätzen aus der Nahrungsmittelweitergabe entwickelt. Freud fokussierte sich bei der Kussanalyse auf das wonnevolle Saugen an der Mutterbrust.

Angeblich verbringt ein Mensch bis ins Alter insgesamt 2 ½ Monate seines Lebens küssend. Das haben Philematologen -so nennt man Kussforscher- rausgefunden, nicht zu verwechseln mit Philatelisten.

Meine früheste Erinnerung an Küsse ist der Empfang von Küssen meiner Mutter, zu allen Gelegenheiten, manchmal kombiniert mit der Säuberung meines Gesichtes mit einem Taschentuch, dass sie vorher mit Spucke befeuchtet hat.

Es gibt u.a. den sozialistischen Bruderkuss, den christlichen Friedenskuss, den Judas-Kuss, den Handkuss, den Spitzkuss und den finalen Hochzeitskuss. Beim ersten Partner-Kuss soll ein gegenseitiger Bio-Scan erfolgen und die Zukunft des Paares biochemisch klären.

Luftküsse in dreifacher Abfolge sind in den Niederlanden und der Schweiz beobachtbar, in Frankreich zweifach bis vierfach (quatre bises) moduliert, hierzulande begnügt man sich mit dem doppelten rechts-links Luftschmatzer. Wer sich abwendet, läuft Gefahr, einen Kuss auf die Lippen zu bekommen.

Beim Freischießen zu Peine wird auch ordentlich gebusselt, bei den Umzügen stürzen sich Frauen aus der Menge auf marschierende Männer und überreichen Rosen und Küsse. Ob sie wissen, dass das eigentlich Abschiedsküsse für die Soldtaten waren, die in eine Schlacht ziehen?

Bei den alten Römern gab es das „ius osculi“, wonach das Eheweib rechtlich verpflichtet war, den Ehemann einmal täglich auf den Mund zu küssen, zusätzlich auch alle Verwandten bis hin zum Vetter zweiten Grades, wenn sie diese am Tag erstmals sahen. Erfreulicherweise ist das von den Römern nicht übernommen worden.

Küssen kann Krankheiten übertragen, soll aber überwiegend gut für die Gesundheit sein.

Kaum hatte ich die Info über den Tag des Kusses an meine Frau abgegeben, wurde ich zusätzlich zum Morgenküsschen und Abendküsschen herzlich geküsst. Ich habe den Tag im Übrigen insgesamt schadlos überstanden.

Gärten des Grauens

Möchten Sie einen Natternkopf oder eine Teufelskralle, Nesseln oder Disteln im Garten?

Vielleicht mal was Giftiges, z.B. Schöllkraut? Oder darf es auch riechen, z.B. nach stinkendem Nieswurz oder Knoblauchsrauke? Was halten Sie von Echsen? Wie wäre es mit Hornissen oder  Raupen?

Ja, da schütteln Sie sich!

Trendig ist Schluss mit der Insekten-Viecherei und Unkraut im  Garten. Der gleicht zunehmend einem nach draußen geklappten Wohnzimmer, aufgeräumt und getrimmt, um ordentlich am Feierabend Ruhe und Muße zu genießen.

Wackeldackel und die behäkelte Toilettenpapierrolle im Autoheck gibt es schon. Jetzt sorgt ein zunehmender Teil emsiger Gärtner dafür, dass auch im Garten Ruhe im Karton herrscht. Lustig treibt der Mähroboter  auf dem Golfrasen den Igel vor sich her. Lästig sind Blätter von Sträuchern und Bäumen, also auf-asten, abholzen und weg damit zum Osterfeuer.

Her mit der Folie, die den Boden vor der Invasion unerwünschter Pflanzen und Tierchen sichert. Pech für Würmer und Bodenlebewesen, die man sowieso nicht sieht. Darauf liegen Schotter, Kies, Geröll oder Steinformationen, gern in Farbnuancen und Korngrößen liebevoll dekoriert. Geschützt wird das Werk mit Steingabionen, Kübeln der Metallgitterzaun.

Es soll ordentlich aussehen und wenig Arbeit machen, schließlich hat Vati schon viel Freizeit im Eigenbau aufgewandt. Die Suche nach preiswertem Material im Baumarkt, der Transport nach Hause noch gar nicht eingerechnet. Und schließlich hat es auch etliche Euronen gekostet! Abgerundet ggfls. durch einen Holz-Adler, mit Kettensäge aus einem Baumabschnitt geschnitzt, oder eine trendige rostige Metallskulptur, die als Storch oder irgendein anderer Vogel in den steinernen Garten verdammt wird.

Hoffentlich kommen vom unordentlichen Nachbarsgarten nicht Samen, Laubblätter oder Insekten.

Wer allerdings ein Faible für z.B. Bienen hat  -ich meine nicht die zweibeinigen- sondern Wildbienen, und Insekten, wird sich über Vielfalt und buntes Leben im naturnahen Garten freuen. Dort ist z.B. der blau blühende Natternkopf (Echium vulgare) mit seinen Blüten ein begehrtes Ziel für Insekten aller Art. Da huscht mit Glück eine Zauneidechse herum, da dürfen Raupen auf passenden Futterpflanzen ihr kurzes Leben als Schmetterling vorbereiten. Und die Vogelwelt ist auch begeistert. Nichts spricht gegen einen kleinen Steinhaufen im Garten oder ein Haufen Totholz, eine „wilde“ Ecke.

Es gibt rund 17 Millionen Gärten in Deutschland, rd. 45 Millionen Bundesbürger betreuen ein Stück Grün, das etwa 2 % der Fläche in Deutschland bedeckt.

Was für ein Natur-Potenzial!

Natternkopf (Echium vulgare)
Natternkopf (Echium vulgare)

Wollt ihr ewig leben?

Friedrich der Große soll 1757 bei der Niederlage in der Schlacht  zwischen Österreich und Preußen im böhmischen Kolín (heute Tschechien) seinen fliehenden Soldaten voller Zorn nachgerufen haben „ Ihr verfluchten Racker, wollt ihr denn ewig leben?“  Verständlich, dass Soldaten flohen, zumal bei dieser Schlacht 22.000 der fast 90.000 beteiligten Soldaten ihr Leben ließen oder verwundet wurden.

Nun, lange leben und älter werden wollen wohl nahezu alle Menschen, nur mit dem alt sein, ist das so eine Sache.

Meine 87-jährige Mutter zitiert gerne den Titel eines Buches von Joachim Fuchsberger, „ Altwerden ist nichts für Feiglinge“, wenn es ihr mal nicht so gut geht.  Sie wohnt leider weit vom Peiner Land entfernt.

Durch meine Pensionierung bin ich auch im Club der Senioren angekommen und kann momentan  nicht klagen, eher im Gegenteil. Aber das wird nicht so bleiben.

Kennen Sie Ogimi? Dieser Ort in Japan mit rd. 3.100 Einwohnern hält einen Weltrekord, dort leben mit 14,2% der gesamten Einwohnerschaft prozentual die meisten alten gesunden Menschen, die über 80 Jahre alt sind. Japan hat weltweit mit 28% den höchsten Anteil an Menschen über 64 Jahren und weltweit die höchste Lebenserwartung. In Ogimi ist die Quote am höchsten.

Im Peiner Land sind von den rd. 133.368 Einwohnern (Stand 01.07.2017; LNS) nur 22,5 % über 64 Jahre alt und 6,3 % über 80 Jahre alt.

Mein erster Gedanke war, auf nach Ogimi, aber ich kann kein japanisch.

Ogimi liegt in Japans südlichster Präfektur Okinawa.  Ich wohne im Nordkreis, also auf in den Südkreis? Bringt auch nichts!

Angeblich sind nur 25% der Gene für ein langes Leben maßgeblich. Die Zauberformel für den Rest lautet: Gemeinschaft, Bewegung, Stressabbau und maßvolle Ernährung.  Sozial und gesellschaftlich engagieren, ein guter Familienverband, Freunde und Bekannte, mäßige, aber regelmäßige körperliche Aktivitäten, eine gute Ernährung, fettarm, kalorienarm, pflanzenbasiert, viel Ballaststoffe, mäßig Alkohol. Die gute Essensregel lautet in Japan „Hara hachi bu“, d.h. den Magen nur 80% füllen, aufhören zu essen, bevor man sich satt fühlt.

In Japan ist es nicht unschicklich, „die Jahre des Sonnenunterganges“ nutzbringend für die Gesellschaft zu gestalten. Gerne genießt man dort auch gemeinsam ein Bad, die Ruhe oder „Waldbaden“.

Den Moment würdigen, Achtsamkeit pflegen, eigenes Verhalten steuern,  ohne andere zu beeinträchtigen, diese japanische Tugenden zu erlernen lohnt sich, ist sozial verträglich, lebensverlängernd und wahrscheinlich auch klimaschonend.

Bis auf „Hara hachi bu“ und Rotweingenuß bin ich gefühlt nah dran, aber was mach‘ ich während des Freischießens?

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