Meine Aura! Deine Aura!

Zu meinen Ritualen gehört es, morgens die Tageszeitung (Peiner Nachrichten) aus der silberglänzenden „Mailbox“ zu entnehmen und genüsslich durchzulesen.

Da lese und lerne ich eine Menge. 

So las ich kürzlich von der Aura eines alten Wolfenbütteler Schüler-Holzstuhls. Die Täfelung eines Rittersaal in einem Lutzumer Herrenhaus von 1740 soll eine würdige Aura versprühen. Der Schauspielerin Catherine Deneuve wurde letztes Jahr anlässlich ihres 75. Geburtstag wegen ihrer Eleganz eine geheimnisvolle Aura der Unnahbarkeit zugeschrieben. 

Aura ist nicht gleich Aura! Aura ist der Name der griechischen Göttin der Morgenbrise. Der Heiligenschein oder die Ausstrahlung einer Person wird unter Aura verstanden.

In der Esoterik gilt Aura als wahrnehmbare Ausstrahlung eines noch näher zu definierenden Energiekörpers. 

Es gibt angeblich sogar einen finnischen Blauschimmelkäse, der so benannt wird.   Die Aura kann die Ausstrahlung eines Ortes sein. 

Am Burgberg zu Peine z.B., auf dem eigentlich ein schöner Kreishausanbau einen werthaltigen architektonischen Akzent im Dialog mit der Innenstadt Peine setzen sollte, war die Aura seiner künstlich aufgeschütteten Böschung so wirkmächtig, dass der Bannstrahl aus dem Rathaus den Kreishaus-Neubau  aus der Innenstadt an den Stadtrand fegen konnte.

Nicht zuletzt gibt es Migräne mit Aura, je nach Anlass intensiv. 

Also Aura, wohin man blickt…

Am frühen Nachmittag mache ich den gleichen Gang zur „Mailbox“, um die Tagespost zu entnehmen.  Kürzlich lag ein Katalog im Briefkasten, der sich mit der Optimierung der persönlichen Aura und des uns innewohnenden Energiekörpers befasst. Er gibt reichlich Vorschläge in Form von Stimulanzen, Essenzen, Schriften und Hilfsmittel. 

Ich war begeistert, denn von Aura kann man ja nicht genug bekommen:  116 Equilibrium-Essenzen, farblich gegliedert („Du bist die Farbe, die Du wählst“), darunter der „Erzengel Ambriel“, die „Schock-Flasche“, oder die „Vision der Pracht“ bringen meine Aura zum Leuchten.

Heilsteine helfen mir endlich zum Magier meines Lebens zu werden. Heilerkarten vermitteln mir universelle Wahrheiten, mich mit meinem Selbst zu verbinden. Duftöl-“Wonnestunden“ heben mich aus meinem Alltag. Für unterwegs gibt es Edelsteinwasser. Dauert es zu lange mit der Aura, gibt es „Heilen im Schnelltempo“.

Ich bin noch unschlüssig, in welche Richtung sich meine Aura weiterentwickeln soll.

Ach ja, für den Burgberg wären vielleicht „Lebensbaum“-Beetplatten, „handgetöpferte Käferzipfel als Herberge für Krabbeltiere“ und „Baumelfen“ als zukünftig positiver wirkende Kräfte überlegenswert!

Das bisschen Haushalt!

Wer kennt noch den Schlager „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann…“, den Johanna von Koczian 1977 erfolgreich in den Charts platzierte. Fraglich, ob sie heutzutage damit auch so erfolgreich wäre.

Im Haushalt gibt es eine große Menge wichtiger, nützlicher aber gleichwohl zeitraubender Aktivitäten zu erledigen.

Meinungsforschungsinstitute weisen aktuell im deutschen Haushalt noch immer traditionelle Rollen nach: die Frau ist für den Haushalt zuständig, der Mann unterstützt sie.

Frauen in Deutschland sind heute häufiger berufstätig als früher und müssen zusätzlich noch Hausarbeit erledigen. In Schweden und Dänemark sieht es gerechter aus, in Österreich, Italien, Griechenland und Ungarn herrscht noch der von Männern bevorzugte „Urzustand.

Eine ungerechte Verteilung der Hausarbeit kann zur Belastung für die Partnerschaft werden, wenn sich z.B. das Gefühl der Frauen durch andauernde Benachteiligung verfestigt.

Grund genug, selbst nachzuprüfen, wie es aktuell mit der Verteilung der Hausarbeit bei meiner Frau und mir aussieht.

Was macht ein pensionierter Ingenieur zuerst? Richtig: er legt eine EXCEL-Tabelle an. In ihr sind anfallende Hausarbeitsaufgaben, ihr Zeitanteil und der jeweilige prozentuale Anteil gelistet, der dem weiblichen „Hausvorstand“ oder dem männlichen „Helfer“ zuzuordnen ist.

Zur Hausarbeit zählen u.a. die Familienbetreuung, Arbeiten zur Ordnung und zur Erhaltung des Haushalts, des zur Lebensführung benötigten Inventars, der Gerätschaften, der Kleidung, und die Vorbereitung, Zubereitung und Nachbereitung von Mahlzeiten. Des Weiteren gehören die Alltagsbürokratie, wie z.B. Haushaltsplanung, Haushaltsbuchführung, Angelegenheiten der Heilfürsorge, Finanzen, Steuer, Versicherungen  dazu, nicht zuletzt auch Renovierungen, Reparaturen, Instandhaltung, Wartung von Gegenständen, Geräten, Fahrrädern, Auto, Maschinen, usw. .

Meine Frau und ich kommen gemeinsam auf ca. unglaubliche 3.000 Jahresstunden Hausarbeit, 55 % werden von meiner Frau erledigt, die restlichen 45% durch mich. Immerhin!

Die Differenz gilt es auch noch wett zu machen. Aber: es gibt noch dunkle Wissenskammern für mich:

Jüngst suchte ich nach Reinigungs-Tabs für die Geschirrspülmaschine, der Vorratsbehälter für die Tabs war leer. Die Suche nach Ersatz im Hause brach ich irgendwann ab, radelte zum Discounter, kaufte Ersatz. Später erkundigte ich mich bei der Gattin, wo denn „üblicherweise“ die Vorratsbehälter für Tabs aufbewahrt werden. Ich erhielt die Antwort: „Die liegen doch immer neben dem Knäckebrot im Vorratsraum!“

Woher soll Mann das wissen!

Der Phrasomat!

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“.  Wie bei diesem berühmten Ausdruck von Sepp Herberger (v. 1950 bis 1964 DFB-Bundestrainer) befinden sich die deutschen Parteien nach der Europawahl im Mai diesen Jahres erneut in fiebriger Erwartung der Landtagswahlen in Brandenburg (01.09.2019), Sachsen (01.09.2019)  und Thüringen (27.10.2019):„Nach der Wahl ist vor der Wahl!“

Wahlen sind spannend, die Parteienforscher und Umfageinstitute haben Hochkonjunktur. Nicht so spannend sind die ewig-gleichen Phrasen, die die Bewerber an das Wahlvolk richten. So eine Rede mit Bausteinen vom Phrasomat ist schnell gemacht:

„Unsere Partei ist in diesen herausfordernden Zeiten, in denen große Aufgaben anstehen, ein unverzichtbarer Stabilitätsanker. Kontinuität und Stärke durch Kompetenz, dafür stehen wir, in Verantwortung fürs Land. Wir nehmen ihre Sorgen ernst und machen Politik für den kleinen Mann! Es  geht um das Ganze! Wir wollen die Zukunft für ein modernes Deutschland und eine Strategie für nachhaltigen Fortschritt mit substanziellen Ergebnissen gestalten!

  1. Es geht um Gerechtigkeit und Solidarität!
  2. Wir leben bei allen wirtschaftlichen Erfolgen aber schon lange von der Substanz. Hier wollen wir gegensteuern: Investitionen in Bildung und Digitalisierung sind Investitionen in die Zukunft.
  3. In aller Deutlichkeit: Es ist nun aber auch an der Zeit, den Bürgern ihr Geld zurückzugeben. Das ist richtig und wichtig.
  4. Vielfalt ist Stärke. Jeder verdient Respekt. Wir sind nah bei den Menschen
  5. Wir brauchen den Umstieg auf erneuerbare Energien mit Augenmaß. Wir schaffen daher die neue sozialverträglichen Steuer.

Das alles ist eine riesige Aufgabe, aber wer A sagt, muss auch B sagen. Wir wissen, all das hat seinen Preis, aber wir sind bereit, ihn zu zahlen, weil wir überzeugt sind, es ist der richtige Weg. Wir reden nicht nur, wir handeln und arbeiten rund um die Uhr, dass es den Menschen gut geht. Wir haben unser Profil geschärft und unsere Hausaufgaben gemacht. Der Weg ist steinig, er ist schwierig, aber wir schaffen das.

Wir wollen alle mitnehmen, und alle ins Boot holen,. Wir haben dazu einen Dialogprozess angestoßen. Freuen wir uns auf fruchtbare Debatten und wichtige Entscheidungen.

Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben. Unsere Botschaft sendet ein Signal für die Zukunft, weil nur wir es ernst damit meinen, dass es den Menschen in unserem Land gut gehen soll. Das ist alternativlos.

Bullshit-deluxe!! Man könnte glatt meinen, die Parteien und politischen Bewerber halten unsereins für doof!

Bitte mehr Mut zu mehr Präzision, mehr Profil und „klare Kante“!