Schiefer gehen kann es immer!

Der besagte Teppich

Kennen Sie das Gesetz von Murphy, „Alles was schief gehen kann, wird auch schief gehen“.

Wenn nicht, macht das nichts. Ich bin aber sicher, dass ihnen schon entsprechendes passiert ist.

Da gibt es Tage, an denen vermeintlich alles schief geht, was schief gehen kann, gemäß der Devise  „Erst hat man kein Glück und dann kommt noch Pech dazu“.

Nervig ist es im Laden gegen Einkaufsende zu entscheiden, bei welcher Warteschlange vor den Kassen man sich anstellt. Wie oft wähnt man sich in der Warteschlange, bei der es am längsten zu dauern scheint. Soll man noch wechseln? Und das, wo man es doch gerade eilig hat!

Oder der hier: Stets beim Essen kleckern, auch wenn man sich noch so Mühe gibt, es zu vermeiden. Passiert mir nicht, aber ich kenne jemanden, bei dem ich darauf wetten könnte.

Großartig auch: Das Werkzeug fällt einem runter, wenn man gerade oben auf der Leiter angekommen ist.

Mein Lieblingsfall: Brille suchen. Eben habe ich sie noch aufgehabt und nun ist sie weg. Die Suche ist unvermeidlich, weil ich lesen will und die Ersatzbrille auch WerWeißWo liegt. Ich war nur kurz aufgestanden, um mir zu trinken zu holen. Und wo lag sie? Auf dem Teppich, wo ein schwarzer Vogel als Muster eingewebt ist.

Dort lag auch einmal unauffindbar mein Smartphone, das ich auch noch lautlos gestellt hatte. Erst mal habe ich eine Viertelstunde gesucht, systematisch natürlich, aber ohne Ergebnis. Dann die Rettung: Auf meinem PC startete ich die Diebstahlschutz-Software, um das Smartphone zu orten. Klicke ich dort einen bestimmten Bereich an, macht das Smartphone Krach. Passe ich nicht auf, lösch ich alles, was auf dem Smartphone drauf ist. Also Obacht!

Oft wird behauptet, dass die mit Nutella oder sonst etwas beschmierte Stulle beim Herunterfallen angeblich immer auf der beschmierten Seite landet. Stimmt fast! Im Prinzip hängt das aber nur von der Tischhöhe ab, nicht von der Gravitationskraft der Erde. Ja, da staunen Sie!

Die Stulle dreht sich zwar beim Fallen, aber die Fallhöhe ist zu kurz, so schafft sie keine 360-Grad Drehung. Es sei denn, man sitzt an einem Tisch, dessen Fläche über 240 cm hoch liegt. Das hat der englische Forscher Matthews rausgefunden, er wurde dafür mit dem satirischen lg-Nobelpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung für scheinbar abstruse und überflüssige Forschungsarbeiten wird jährlich an der amerikanischen Elite-Universität Harvard verliehen.

Was lerne ich daraus: Bei Missgeschicken Ruhe bewahren, wenn es geht, lachen, dann nachdenken, dann handeln!

Dabei aber ein anderes Murphy-Gesetz bedenken: „ Alles dauert länger, als man schätzt!“

Man glaubt es nicht!

Harpe Kerkeling kennen Sie doch, oder? In  „Café Korten“ spielt er jemand, der im gleichnamigen Café am Kuchenbuffet in einer Warteschlange steht. Er telefoniert fiktiv mit einem liierten Freund und spricht andere (fiktive) Personen an. Ständig wiederholt er dabei näselnd und geziert, „Ich glaube es nicht, ich glaube es gerade nicht“. Das Publikum reagiert mit reichlich Gelächter. Auf YouTube  können Sie sich selbst davon überzeugen, einfach genial.

Nicht immer gibt es etwas zu lachen, wenn von Glauben oder glauben die Rede ist.

Kürzlich sagte mir jemand, “…ich glaube, morgen regnet es…“, und bezog sich auf den Wetterbericht, dem er Glauben geschenkt hatte. Wie so oft regnete es am nächsten Tag nicht. 

Wetterberichte stützen sich als Prognosen für zukünftige Wetter-Ereignisse auf Beobachtungen der Vergangenheit, auf bestimmte Verfahren, z.B. mathematischer Natur, nutzen Erfahrungen oder das so genannte Fingerspitzengefühl. Letzteres kommt „glauben“ nahe. Die prognostizierten Ereignisse oder Werte sind aber nicht von denen gestaltbar, die die Prognose abgeben. Glaubt man also dem Wetterfrosch oder der Wetterfee, glaubt man jemanden, der oder die glaubt, etwas Zutreffendes zu melden. Kaum zu glauben, nicht wahr?

Wer glaubt noch Versprechungen von Parteien und Politikern? In unzähligen Beiträgen und Studien ist nachzulesen, dass beim Wahlvolk angesichts vieler nicht eingehaltener politischer Versprechungen („Mit mir keine Maut“; „Wir schaffen das“; „Die Rente ist sicher“; „Blühende Landschaften“ ) Unmut und Misstrauen groß sind. Parteien und Politik stehen schon lange an letzter Stelle der vertrauenswürdigen Gruppen. Glauben Sie stattdessen Wikipedia, oder den öffentlich-rechtlichen Medien und Journalisten (Stichwort „Relotius“)?

Helmut Schmidt soll gesagt haben, die Leute glauben, was geschrieben steht, weil sie es selbst gelesen haben! Guter Spruch!

Bei Schauspielern weiß man, dass sie sich im Spiel verstellen. Wir lieben die Show und wollen gern das glauben, was dabei vorgespielt wird und wollen verführt werden, wie bei Horoskopen.

Woran kann man denn noch glauben und wem?

Ob man jemand etwas glaubt, hängt wohl davon ab, ob man Gemeinsamkeiten teilt oder nicht und ob Erwartungen enttäuscht worden sind oder nicht.

Hilfreich ist, neugierig und skeptisch zu sein, wenig zu glauben, alles zu hinterfragen und selbst zu denken.

Kürzlich besuchte ich jemand, es gewitterte draußen. Meine Regen-App teilte mit, Regen, Blitz und Donner wären gleich vorbei. Ich glaubte es, radelte los und kam nass zu Hause an!

Ahnen und Forschen!

Ahnenforschung fasziniert mich. Den Einstieg begründeten Erzählungen meiner verstorbenen Rostocker Oma mütterlicherseits, von Beruf Logopädin. Sie wusste viel über ihre Vorfahren und zeichnete mit ihrer Altershandschrift ihren Stammbaum auf Millimeterpapier. Diesen Schatz bewahre ich sorgsam.

Mittels des Internets betreibe ich nun Ahnenforschung. Mein digitaler Stammbaum umfasst aktuell 1250 Personen.

Meine ethnische Herkunft ließ ich jüngst mit DNA-Nachweis einschätzen. In mir schlummern demnach 61 % Nord- und Westeuropäer, 15% Skandinavier, 14% Engländer, 6% Finnen und 3% Osteuropäer. Wie viele hier bin ich also kein „Biodeutscher“, und das finde ich spannend. 

Die mütterliche Linie  kann ich weit zurückverfolgen. Von dort kommen auch die skandinavischen und englischen Vorfahren. 10 Generationen in  einer dieser Linien zurück gab es jemand, der für 44 Jahre als Küster an der Rostocker St. Petri Kirche seit 1659 tätig war. Von der Petrikirche als ältester Stadtkirche von Rostock ging angeblich 1523 die Reformation in Mecklenburg aus. Mit den nächsten seiner Nachfahren waren dort160 Jahre lang bis 1819 alle Männer ebenfalls Küster!

Ein Ururgroßvater derselben Linie lebte in Rostock, wo er als „Lichthaak“  tätig war.  Ein Haak war Kleinhändler für bestimmte Waren. Als Lichthaak handelte er mit Lichten, vermutlich Kerzen, Tran, Öl, etc. Sein Sohn war wieder Küster an der Petrikirche. Dessen Sohn war mein Großvater, ein Mathematiklehrer in Rostock. Meine Oma und er bekamen Nachwuchs in Person meiner Mutter, als er 23 Jahre alt war. Er wurde nur 34 Jahre alt und fiel 1943 in Polen als Posten bei der Artillerie im 2. Weltkrieg.

Meinen Nachnamen habe ich vom Opa väterlicherseits. Er war gelernter Müller und Bahnwärter in Schleswig-Holstein. Sein Vater war in Polen Landwirt. In der väterlichen polnischen Linie kommen überhaupt viele Handwerker, wie Maurer und Böttcher vor. In der mütterlichen Linie kommen Lokomotivführer, Maurer, Hufschmiede, ¼ Hufner, Gastwirte, Kätner, Schlachter, Schuster, Berufsmusiker und Geometer vor.

Diese berufliche Vielfalt beeindruckt mich, manches davon schlummert in  mir.

Über die Frauen geben die Urkunden wenig bekannt, ich bin sicher, sie waren stark und lebenstüchtig.

Beide Opas und die Oma väterlicherseits konnte ich nie kennenlernen, nur meine Oma in Rostock.

Nun bin ich selbst Opa. Die Ahnenforschung vermittelt mir, dass ich nur ein kleines Glied in einer Generationenkette bin. Die Existenz und der Lebenskampf meiner Vorfahren begründeten mein Leben, sowie ich das meiner Kinder und Kindeskinder begründe.

Das erfüllt mich mit Ehrfurcht, Demut und Dankbarkeit.