Johannes sein Tag

Mit Macht ist es auf die Mitte des Jahres zugegangen. Am 20. oder 21.oder 22. Juni findet jährlich die so genannte Sonnenwende statt. Dann steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis.

Wie schön, dass es dann tagsüber lange hell und warm ist und die Nacht kurz. Wenig bekannt ist allerdings, dass die Sonne dann 5 Millionen Kilometer weiter von der Erde weg ist als im Winter. Der Nordpol neigt sich zum astronomischen Sommerbeginn zur Sonne hin und so kann sie die Nordhalbkugel prächtig bescheinen. Die Hamburger haben an diesem Tag  übrigens eine Stunde mehr Helligkeit als die Menschen am Bodensee, und auch eine kürzere Nacht.

Die Sommersonnenwende ist seit Menschengedenken ein besonderer Tag. Nahe an diesem Tag ist der so genannte Johannistag, der Johannes dem Täufer gewidmet ist. Dies soll im hellen Sommer auf den dunklen Winter  verweisen.

Die Aura des Heiligen hat zur weiten Verbreitung seines Namens auch in der Form „Johannes“, „Hannes“, „Hans“ oder „Hänschen“ geführt, wie auch Hanswurst, Prahlhans, Schmalhans und Hans-Guck-in-die-Luft. „Gehänselt“ werden möchte keiner.

Für die Bauern ist der Johannistag als so genannter Lostag bedeutsam, der sich am Heiligenkalender des Kirchenjahres orientiert und für den viele Bauernregeln gelten. Das mittelhochdeutsche Wort Los bedeutet so viel wie Orakel oder Schicksal.

Im Peiner Land passt die Bauernregel „Kirschen rot, Spargel tot!“ gut, denn die Spargelsaison endet.

Zu Johannis wird gern gefeiert und Feuerchen gemacht, wie in vorchristlicher Zeit. Dieses Brauchtum wurde als christlicher Festanlass übernommen. Der Tag wurde zur „Sommerweihnacht“ oder zum „Spargelsilvester. Beim Johannis springt man segenbringend über das Feuer, je mehr und öfter desto besser. Die Asche wurde Segen bringend auf die Felder gebracht.

Gehölze und Bäume bilden mit dem Johannistrieb eine terminale Endknospe an den Zweigspitzen. Daraus schieben sie im nächsten Frühling neue Jahrestriebe. Eine gute Gelegenheit, im Garten die Hecken zu schneiden, soweit die Piepmätze ihr Brutgeschäft beendet haben.

Johannis gibt dem Johanniskraut, Johannisbrot, der Johannisbeere und dem Johanniswürmchen (Glühwürmchen) seinen Namen.

Früher band man Johanniskränze als Schutz vor Geistern aus siebenerlei oder neunerlei Kräutern und Pflanzen, so aus Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblume, Lilie, Rittersporn, Ringelblume und Rose.

Ein Johanniskranz unter dem Kopfkissen bringt Glück in der Liebe, wie ein Blütenteppich unter dem Esstisch, das so genannte „Johannisstreu“.

Mach ich zu Hause auch mal, nicht weitersagen!

Bier und Maß!

Ordensgemeinschaften hierzulande, wie zum Beispiel Franziskanern, Zisterziensern, Benediktinern und Paulanern ist gemeinsam, dass sie geistliche Gemeinschaften von Ordensleuten sind. Deren Mönche und Nonnen haben sich durch Gelübde für ein Leben zumeist im Kloster  verpflichtet, in Askese, Gottverbundenheit und Spiritualität. Sie widmen sich der Erfüllung des Evangeliums durch geistliche Bräuche, Gebete und Arbeit ( Ora et labora). Ehelosigkeit, Gehorsam und Besitzlosigkeit prägen ihr religiöses Leben.

Wie viele andere respektiere ich diese Hingabe und Entsagung, lebe aber nicht so.

Es gibt aber eine Schnittmenge mit dieser Welt. Glauben Sie nicht? Gehen Sie zum Getränkemarkt: Unzählige Mönche auf Flaschen und Kästen, wohin das Auge blickt.  Mönche und Klöster warten scheinbar darauf, dass sich unsereins z.B. mit  „Kloster-Urstoff“, dem „Schwarzen Abt“, „Augustiner-Klosterbräu“, Bieren der Klöster Weihenstephan und Andechs, dem „Mönchs-Trunk“ oder dem „Mönchshof-Kellerbier“ befasst.

Mönche haben das Bier nicht erfunden, und in der Bibel ist von Bier keine Rede. Germanen brauten bereits Bier und die Kelten mochten es auch schon.

Die Braukunst haben Mönche hierzulande aber maßgeblich vorangebracht. Im Jahr 1516 wurde das bayerische Reinheitsgebot erlassen. Bruder Kellermeister widmete sich hingebungsvoll der Bierbereitung, fügte Hopfen zum Bier. Das gab dem Bier den angenehm bitteren Geschmack und machte den Sud haltbar. Klosterbier diente anfangs den Klosterinsassen zur Labung und galt im Mittelalter wegen langer Kochzeit als sicheres Getränk. Für die Fastenzeit erfanden sie das Starkbier: „Flüssig Brot bricht Fasten nicht“.

Die Mönche nutzten Bier als lohnende Einnahmequelle für die Klöster. „Gott ist auch im Keller“, wussten sie und bewachten eifersüchtig ihr Biermonopol. Im Hochmittelalter gab es 500 Klosterbrauereien. 1803 endete das klösterliche Brauwesen. Heute brauen nur noch neun Ordensgemeinschaften in Deutschland Bier.

Am sinkenden Absatz von Bier in Deutschland soll die älter werdenden Gesellschaft schuld sein. An mir liegt es nicht.

Es soll fast 7.000 Sorten Bier geben. Großen Brauereien verdrängen zwar kleinere,  trotzdem  gibt es mittlerweile wegen kreativer „Mikro-Brauereien“ rund 1550 Brauereien. 

Wieviel Bier Mönche und Nonnen trinken dürfen, wurde im Jahr 817 beim Konzil zu Aachen festgelegt: „Wo gar keine Weinberge sind, bekommt der Chorherr fünf Pfund Bier und nur ein Pfund Wein, die Nonne aber nur drei Pfund Bier.“ Aus der „Zumessung“ entstand später die „Maß“; fünf Maß täglich waren Klosterbrauch.

Im Peiner Land gibt es keine Weinberge aber eine Brauerei, alles klar!