Mein Ochsenweg 2.1 (22.10.2015) 120 Km Radtour von zu Hause nach Minden

Vor der Radtour ist nach der Radtour….

Siebenundsiebzig Tage ist es her, dass ich nach meiner schönen Radtour durch Schleswig-Holstein von meinem Drahtesel abgestiegen bin…und endlich ist es wieder soweit, der zweite Teil meiner diesjährigen Löffellisten-Radtour steht an.

Natürlich habe ich unterdessen jede Gelegenheit genutzt, zu biken, und wenn es nur die 16 km bis 18 km je Arbeitstag gewesen sind, an denen mich mein treuer Drahtesel zu Job und zurück gebracht hat.

Vor mir liegt das Ziel Düsseldorf, das in vier Etappen erreicht werden will…  Zunächst geht es  am ersten Tag nach Minden, über Hannover, bei nicht ganz so tollem Wetter, und leider sind die Tage auch schon merklich kürzer.

Dieses Mal habe ich mich intensiver vorbereitet, zum einen den (vergeblichen) Versuch gestartet, mit weniger Gepäck auszukommen, zum zweiten, mir mit dem “Radroutenplaner Niedersachsen” und dem “Radroutenplaner NRW” einen möglichst guten Überblick über die Strecke und ….vor allem über die zu meisternden Höhenmeter zu machen.

Nun, laut Routenplaner liegen 113 km vor mir und 150 Höhenmeter, geschätzte Fahrzeit bei 12 km/h rund 9,5 Stunden.

So heißt es denn, gegen 8 Uhr in der Frühe zu starten und spätestens gegen 18 Uhr am Ziel zu sein, in der Theorie….

Gesagt getan…am 22. Oktober geht es morgen kurz nach 8 Uhr in der Früh bei bedecktem Himmel gen Westen los.

Nach kurzer Strecke merke ich, dass der Reifendruck nicht hoch genug ist…also heisst der Plan, bei der nächsten Tankstelle wird angehalten und Luft bis 4bar getankt.

Luft holenBeim “Luftholen” hält ein gleichaltriger Mann mit einem Brotwagen an der Lufttankstelle und wir kommen kurz in ein nettes Gespräch über unser Alter, das Leben, usw.   …, wie das halt auf so einer Radtour ist…

Dann geht’s richtig los… u.a. durch Immensen, wo einst unser Kanzler Schröder mit seiner Hillu gewohnt hat, ja, der Hillu, die ihm seine Currywurst nie richtig gegönnt hat. Doris macht es sicher besser, oder?

Dann durch Lehrte, das namensgebend für einen Bahnhof in Berlin ist. Dieser Bahnhof  war von 1868 bis 1951 einer von elf Kopfbahnhöfen in Berlin. Die Berlin-Lehrter Eisenbahn fuhr damals bis ins hannoversche Lehrte und zurück. Von 1868 bis 1871 hatte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft dieserund 240 Kilometer lange Strecke gebaut.

Nach einer Stunde wird eine kleine Pause eingelegt…

weil es regnet, praktischerweise in einer Bushaltestelle…

Kurz danach passiere ich die Schleuse des Mittellandkanals in Anderten. Da muss ich einfach anhalten, denn schließlich habe ich mal Wasserwirtschaft und Wasserbau studiert und zwei Jahre bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Hannover gelernt. Anderten3Und irgendwie hab ich eine dunkle Erinnerung daran, dass ich als Baureferendar bei der WSV auch auf dem Boden einer der Schleusenkammer, die gerade in Überholung war herumgekrochen bin…

Und weiter geht es in Richtung Hannover. Mein Navi führt mich geschickt durch den Hannoveraner Bereich, ohne viel Stress und Verkehr auf Radrouten und zwar schön durch den grünen Teil….

Grüne EilenriedeNach gut zweieinviertel Stunden reiner Fahrzeit erreiche ich demgemäß die Landeshauptstadt Hannover und habe -am Maschsee angekommen- 42 km zurückgelegt, Grund genug ein Päuschen einzulegen.

In Hannover war ich zwei lange Jahre als Funker beim Militär in Bothfeld stationiert. Eine für mich harte, aber sehr lehrreiche Zeit. Ich war Tastfunker und Sprechfunker bei einer “tactical air controll” Einheit in einem Fm-Batallion, das es heute nicht mehr gibt. Die Ausbildung als Panzergrenadier war heftig. Naja, die 1 in Musik war wohl das Auswahlkritierium für diese Verwendung!

Dida didit, diadidit!

Nach einer kleinen Mahlzeit trete ich auf den Steg, von dem die Möwen erst im letzten Moment kreischend aufsteigen, und schaue in das klare Wasser. Von unten schaut mich vorwurfsvoll ein Riesen-Maschsee-Karpfen an…

OK, ich verschwinde ja schon…

Bei km 60 bin ich nach gut vier Stunden “Brutto”-Reisezeit und  wirklich reif für eine Pause und lasse mich für gut eine halbe Stunde bei leichtem Nieselregen auf einem verlassenen Spielplatz nieder…

ooh, was tut das gut!!

Pause 2210 12301Nun geht es mit munterem Antritt weiter, die Laune ist bestens, zumal leicht mehr als die Hälfte der Strecke geschafft ist. Ein wenig trübt jedoch meine Laune, dass aus den urprünglich prognostizierten 150 Höhenmeter laut meinem Navi inzwischen 300 Höhenmeter geworden sein sollen, was solls! Zumal sich das Wetter augenscheinlich bessert.

Unterwegs, schöne Landschaft, kommode Radwege, ..

Landschaft H-BadNenndorfein Genuß!

H-BadNenndorf4

Beobachtet wird man unterdessen schon!!

MuhKuh BadNenndorf

Dann geht es weiter nach Stadthagen, Kreisstadt des Landkreises Schaumburg (ehemalige Landkreise Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg), die in stolzen Zeiten  Residenz und für kurze Zeit Universitätsstadt war.

Unterwegs will der böse Gott aller Biker mich ärgern, die “diretissima” nach Stadthagen ist gesperrt, was einen Umweg von einigen Kilometern bedeutet, wogegen Autos durchfahren dürfen:

böserbikergottUnverdrossen strampele ich weiter und mache staunend an einer ehemaligen Treffpunkt-Perle in Echtorf kurz halt:

Treffpnkt

Immerhin ist der Radweg neu…

neuer Radweg

Schlussendlich erreiche ich Stadthagen und kann mir bei km-Stand 90 und einem Rest von 30 km bis zum Ziel eine kleine Pause gönnen. In der Innenstadt finde ich einen Bäcker, bei dem ich genüsslich einen Kaffee und einen Apfelplunder verzehre und in der ausliegenden Zeitung die neuesten Neuigkeiten aus Stadthagen lese.

Auf Nachfrage der Bedienung erläutere ich, dass ich gerade aus der Braunschweiger Gegend komme und genieße die erstaunten Mienen und bewundernden Blicke…

Von Stadthagen aus geht es erst einmal schön bergab, bis ich in der Innenstadt von Minden ankomme.

Minden liegt in NRW und an der Weser,  ist ca. 1200 alt und wurde kam 1648 im Zuge des Westfälischen Friedens unter preußische Verwaltung gestellt, es  wurde dann auch zur Festungsstadt ausgebaut. Minden verfügt über ein Wasserstraßenkreuz, an dem sich Mittellandkanal und Weser in einem Bauwerk kreuzen. In der Stadt leben heute ca. 80.000 Einwohner und man findet etliche Bauten der Weserrenaissance und den Mindener Dom, der als Wahrzeichen gilt. Minden lag ursprünglich nur am linken, hohen Weserufer, erst  im Jahre 1024 begann die Besiedlung auf dem rechten Weserufer.

Ja, und wo sollte ich übernachten?  Ja klar auf der linken hohen Seite…

Ich hatte mir über “Bett & Bike” eine Unterkunft vorbestellt, und die lag dummerweise am Berg, ganz oben und zwar im letzten Haus am Wald.

Bei km 120 komme ich dann endlich nach 9 Stunden Reisezeit ( 6 Stunden reine Strampelzeit) erschöpft und durchgeregnet an meiner Unterkunft an, denn es musste in Minden nochmal anfangen zu regnen.

Die letzten Kilometer schnaufe ich mehr schlecht als recht den Berg hoch.

Die Unterkunft hat den Charme der frühen 60er Jahre: Mobiliar: alt, Geruch: dumpf,…

Ich (192 cm lang) sollte in einem winzigen alten Bett schlafen, …

Zu essen hatte ich auch nichts dabei, da ich dummerweise beim Bäcker keinen Proviant erstanden hatte. Auf Anfrage bei der jungen Gastwirtin erhielt ich den Hinweis , es sei alles fürs Frühstück abgezählt und leider könne sie mir nicht einmal zwei Schnitten mit Käse zur Verfügung stellen.

Na toll!!!

In der sehr übersichtlichen “Minibar” stehen gottseidank einige Flaschen köstlichen Gerstensaftes und Erdnüsse gibt es auch….

Es ist, bei aller Bescheidenheit, schön warm und nach einer heissen Dusche schlafe ich getröstet und zufrieden den gerechten Schlaf meines ersten Reisetages….

About Wolfgang Gemba

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