Wolf: Lern vom Wolf

Dieser Tage zog meine Jüngste (w., 19 J.) aus dem Elternhaus aus. Wie vorher bei ihren drei Geschwistern (m. 21 J.,m. 26 J., w 28 J.), war es mir eine Ehre und Verpflichtung beim Umzug meiner Jüngsten tatkräftig mitzuhelfen.

Nicht nur die Anmietung und Steuerung eines Mini-LkW’s,  vollgepackt mit einer unglaublichen Anzahl von Gegenständen ( 12 cbm Nutzvolumen), sondern auch das Einräumen dieser in Umzugkartons, das Hinschleppen von Trilliarden von Kartons und Teilen zum Mini-LkW, das Verstauen, der Transport dieser Volumina über viele 100  km, das Entladen und Transportieren ( natürlich in ein 2. OG ( jeweils 50 Stufen hoch und runter)  und das Einsortieren, der Aufbau des (zu Teilen  gerade bei einer schwedischen Möbelfirma erstandenen) Mobiliars und das Anschließen von Lampen, Waschmaschine, etc., etc. haben mir durch die Intensität und Dauer der physischen Anstrengung und den dabei vergossenen Schweiss den Prozess des Abschiednehmens von meinem jüngsten Kind -wie auch bei den drei vorherigen Umzügen- nachhaltig vermittelt und bewusst gemacht.

Es ist nicht nur die physisch-territoriale Distanz, die sich zwischen Kind und Eltern dabei neu einstellt, vor allem gilt es dabei und danach wohl, die Kinder auch und insbesondere im Kopf -weniger im Herzen- loszulassen.


Vorher: Vater Wolf mit letzter Welpe

Nachher: Vater Wolf ohne Welpe

Oft, wenn ich beim Radeln in die Landschaft schaue, oder zu Hause aus dem Fenster in unseren (Öko-) Garten, sehe ich meist sehr angerührt, wie sich die Tiere, vor allem die Vögel zur Brut- und Setzzeit unablässig um ihre Schreihals-Brut kümmern, ob im selbstgebauten Nest oder im Nistkasten; Einsatz -oft beider Elternteile- bis hin zur Aufopferung.

Wie anrührend sind die Bilder der Ricke, die sich um ihr Kitz kümmert, wie stimmungsvoll das Bild der Bache mit ihren nachlaufenden Frischlingen, das Bild der Fähe mit ihren verspielten Fuchswelpen.  Leben mit Kindern… wunderbar, anstrengend, sinnstiftend!

Und dann, plötzlich ist der Nachwuchs “adult” und will raus aus dem Nest…und tut dies….

Also, eigentlich doch alles Natur pur!

Nicht anders bei den Wölfen, meinen Lieblingstieren: Wölfe leben im Verband, auch Rudel genannt. Das Wolfsrudel besteht in der Regel aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie, wie bei uns Menschen. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe zumeist aus dem elterlichen Territorium (Revier)  ab und suchen sich ein eigenes Revier.

Na, genauso ist es doch in meiner Familie.

Werden Wolfseltern depressiv, wenn ihr Nachwuchs abwandert??

Nein, vermutlich eher nicht!

Sie haben schlicht und ergreifend ihre biologische “Aufgabe” erfüllt und suchen sich sofort einen neuen, vor allem wohl eigenen Lebenssinn.

Das ist die gute Nachricht, so werd’ ich es auch machen…..

Es wird sicher eine ungewohnte, aber wunderbare Freiheit, wenn der innere Kompass nach einigen kinderlosen Wochen und Monaten nicht mehr Orientierung suchend hin und her zittert (Empty-Nest-Syndrom), wenn man nicht mehr zuviel einkauft und wenn die Elternseele  immer ein bischen weniger wartet.

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