Mord mit Aussicht!

„Ein guter Mord will geplant sein“, für diesen Tipp hätte ich kürzlich nicht weit radeln müssen, denn in der Edemisser Kreisbücherei gab es hierzu eine Lesung. Auch die Stadtbücherei Peine lud im November letzten Jahres zum Thema „Gibt es den perfekten Mord“. Unsere Landfrauen begeisterten sich kürzlich bei den Moor-Ridern für  „Männer morden, Frauen lesen darüber“.

Das Interesse an Mord und Totschlag im Peiner Land ist gegeben, natürlich nur literarisch!

Ist die Welt ein Ort von Mord und Terror?

Mord und Totschlag begleiten die Menschheit seit Anbeginn. In der biblischen ‚Genesis“ ist vom ersten Brudermord zu lesen, kaum hatte Eva den Adam verführt. Der Hirte Abel wurde von seinem Bruder Kain, dem Ackerbauern, aus Neid erschlagen. Die Folge war angeblich, dass sich deshalb das ‘Böse‘ in den Nachfahren Kains verbreitete und Generationen später als göttliches Urteil eine Sintflut die Menschheit  vernichten sollte. Das hat Noah mit der Arche rechtzeitig verhindert.

Im Nordkreis, wo überwiegend Ackerbauern wirtschaften,  brauchte es zu Olims Zeiten bei Mord keine Sintflut, sintemal reichten dann Geldbeträge und Sühnekreuze.

Folgt man diversen Berichterstattungen, drohen laufend Messerstiche und Terror. Menschen im Peiner Land sind durchaus betroffen: Es gab u.a. 2017 den Messerangriff auf eine 19-jährige Peinerin und den Doppelmord an zwei Frauen aus dem Peiner Land im ägyptischen Badeort Hurghada.

Und dennoch: Um von einem Terroristen abgemurkst zu werden, bedarf es einer Ereignis-Wahrscheinlichkeit von weniger als 1:1.000.000.

In Deutschland sterben jährlich rd. 8.000 Menschen durch Haushaltsunfälle, rd. 3.500 durch Verkehr, rd. 1.200 durch Mord und Totschlag, häufig infolge einer Beziehungstat. Der Verkehr  führt zu fast 400.000 Verletzten jedes Jahr, Haushaltsunfälle führen zu rd. 2.800.000 Verletzten.

Panikmache, z.B. kombiniert mit der Flüchtlingsthematik, hilft nicht weiter. Die Wahrscheinlichkeit, unfreiwillig aus dem Leben zu scheiden, ist zu Hause, im Verkehr und durch eine Beziehungsproblematik maximal höher als durch den dunklen Barträger, der da eben um die Ecke kommt.

Das limbische System unseres Gehirns lässt sich jedoch leider von medialen Berichten schnell in eine Grusel-Kammer jagen. Anstatt vereinfachte Stereotypen zu wiederholen, wären durch die Medien fachlich fundierte Erklärungen über die komplexen Hintergründe von Gewaltakten hilfreich.

Unsereins hat es verdient, darüber fundiert informiert zu werden, was glaubwürdig ist und was nicht. Oder?

Unterdessen kann Unsereins sich ja genüsslich den nächsten „Mord mit Aussicht“ reinziehen.