Schuh des Manitu!

Auf meinen Radtouren durchs Peiner Land und Umgebung genieße ich Land und Leute, natürlich auch die den Radweg begleitende Struktur.

Straßenbäume und das restliche Straßenbegleitgrün der Seitengräben säumen den Weg, Refugium für die Insekten, die auf den Äckern keine Heimat mehr finden.

Meist sind die Gräben kurzgeschoren. Eine multifunktionale Senke, die behält, was Reisende so verlieren oder unterwegs nicht mehr für nötig halten.

Neben Fastfood-Resten und Plastikmüll lagern Müllsäcke, Plastik, zerflederte Taschen, und diverse Bekleidungsstücke. Sogar einen einzelnen rosa BH sichtete ich neulich.

Kürzlich fielen mir beim Radeln in den Südkreis etliche Einzelschuhe im Seitengraben auf.

Ich dachte an Aschenputtel, die ihren Schuh verlor und trotzdem Königin wurde, weil sie den passenden Fuß zum Schuh hatte? War eine potenzielle Königin am Werk gewesen?

Oder zornige Reisende aus dem Nordkreis? In der arabischen Welt kann man mit einem Schuhwurf Missbilligung ausdrücken. 2008 traf es US-Präsident George W. Bush, der in Bagdad vor einem Paar heranfliegender Herrenschuhe  Deckung suchen musste. „Das ist ein Abschiedskuss, du Hund“, rief man ihm zu.

Die Wohnung eines Gastgebers mit Schuhen zu betreten, ist unhöflich. Auch ein Grund Schuhe loszuwerden.

Ich dachte an Siebenmeilenstiefel, die ich gern hätte, wenn es mal bergauf geht, die waren aber nicht dabei.

Vielleicht handelte es sich um Fragmente des so genannten „Shoe tossing“, bei dem Schuhe an ihren Schnürsenkeln aneinander gebunden und hoch geworfen werden, um sichtbar an einem Seil oder Baum hängen zu bleiben.

Schuhe gibt es seit über 10.000 Jahren, so die Aussage von Ethno-Archäologen.  Die Schuhe, die ich unterwegs sah, sahen auch schon ziemlich alt aus. Vor 40.000 Jahren behalf man sich mit Fellen und Blättern, um die Füße gewickelt.

Das gewöhnliche Volk ging lange Zeiten barfuß, deswegen hat die Fußwaschung eine Bedeutung. Diejenigen, die die Schuhe im Graben verloren hatten, bedurften sicher auch einer Fußwaschung.

Vielleicht waren es  auch nur Rest-Schuhe eines Streiches Till Eulenspiegels, der unweit aus der Gegend kommt. Er legte die Menge herein, in dem er ihre Schuhe erbat, an ein Seil knüpfte und dies losschnitt; bald prügelte man sich um die Schuhe, es blieben schmerzende Glieder und einsame Schuhe übrig.

Oder waren es ‚Schuhe des Manitu‘? Hatten hier Nordkreis-Nachfahren von ‘Abahachi‘ und ‘Ranger‘ auf ihrem dem Weg vom ‘Listigen Lurch‘ zum „Schuh des Manitu“ (Höhle im Seilbahnberg mit Schatz) auf ihrem Weg eine Fehlfährte gelegt?

Um reichlich Fantasien bereichert, radelte ich weiter nach Süden.