Am 12. Mai diesen Jahres war wieder Muttertag! Es gibt ihn bei uns seit knapp 100 Jahren.

Meine Mutter war lange Alleinerziehende. Ich war der älteste von vier Kindern, die meine Mutter durchbringen wollte. Sie hat es mit großem Erfolg geschafft. Mein Vater hatte das Weite gesucht, als ich 14 Jahre alt war. Besonders ab dann realisierte ich, welches Überlebensprogramm meiner Mutter abverlangt wurde.

Sie war für uns da, immer! Sie arbeitete als Lehrerin. Noch heute ist sie von einer unglaublichen Stärke und Disziplin, wie viele Frauen, die den 2. Weltkrieg erlebten.

Angeblich gab es bei den alten Griechen und den Römern auch schon Vergleichbares wie den Muttertag, nur waren die damaligen Kaufleute und Floristen nicht so pfiffig, wie heutzutage.

Kaum einer weiß hierzulande, dass der Muttertag von der englischen und amerikanischen Frauenbewegung herrührt. Im 19. Jahrhundert startete in Amerika eine Mütter-Friedenstag-Initiative, um zu erreichen, dass ihre Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.

Hochaktuell finde ich.

Amerikanische Methodistinnen erreichten, dass der US-Kongress 1914 beschloss, dass der 2. Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert werden sollte.

Der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber führte 1922 dann hierzulande den Muttertag als Blumenwunschtag ein.

Die Nazis okkupierten den Muttertag für ihre absurden völkisch-germanischen Vorstellungen, darunter leidet dieser Tag noch heute.

In Deutschland startete der Muttertag 1950 neu.

Alle Blumenläden dürfen seitdem an diesem Tag geöffnet bleiben, das ist für viele ein hervorstechendes Merkmal dieses Nicht-Feiertages.

Mütter müssen hart im Nehmen sein. Im Job fragt der Chef scheinheilig: „Haben Sie sich das auch gut überlegt?“, in Bus und Bahn stöhnen Mitreisende, wenn Muttern mit ihrem Balg und dem Kinderwagen anrollt. Mütter müssen Rentenabschläge hinnehmen, nicht selten ist mit der Mutterschaft auch die Karriere im Eimer, dafür plagt sie sich jahrelang mit den Schreihälsen rum. 

Die meisten verschenken Blumen zum Muttertag, greifen ordentlich in den Geldbeutel. Das hat natürlich nichts mit schlechtem Gewissen zu tun, dass Mama das ganze Jahr unter ferner lief.

Ich schenkte meiner Mutter damals reihenweise Sammeltassen, sie hat mich nie spüren lassen, dass es eigentlich zu viele waren.

In Peine haben der Härke-Ausschank als auch andere Gaststätten und Bäckereien ihr Muttertag-Spezial-Angebot, gemäß der Devise „Futtern für Muttern“, Spielmannszüge spielen traditionell an diesem Tag im Stadtpark.

Manche finden den Muttertag doof, ich nicht. Sammeltassen verschenk ich aber nicht mehr!