Gärten des Grauens

Möchten Sie einen Natternkopf oder eine Teufelskralle, Nesseln oder Disteln im Garten?

Vielleicht mal was Giftiges, z.B. Schöllkraut? Oder darf es auch riechen, z.B. nach stinkendem Nieswurz oder Knoblauchsrauke? Was halten Sie von Echsen? Wie wäre es mit Hornissen oder  Raupen?

Ja, da schütteln Sie sich!

Trendig ist Schluss mit der Insekten-Viecherei und Unkraut im  Garten. Der gleicht zunehmend einem nach draußen geklappten Wohnzimmer, aufgeräumt und getrimmt, um ordentlich am Feierabend Ruhe und Muße zu genießen.

Wackeldackel und die behäkelte Toilettenpapierrolle im Autoheck gibt es schon. Jetzt sorgt ein zunehmender Teil emsiger Gärtner dafür, dass auch im Garten Ruhe im Karton herrscht. Lustig treibt der Mähroboter  auf dem Golfrasen den Igel vor sich her. Lästig sind Blätter von Sträuchern und Bäumen, also auf-asten, abholzen und weg damit zum Osterfeuer.

Her mit der Folie, die den Boden vor der Invasion unerwünschter Pflanzen und Tierchen sichert. Pech für Würmer und Bodenlebewesen, die man sowieso nicht sieht. Darauf liegen Schotter, Kies, Geröll oder Steinformationen, gern in Farbnuancen und Korngrößen liebevoll dekoriert. Geschützt wird das Werk mit Steingabionen, Kübeln der Metallgitterzaun.

Es soll ordentlich aussehen und wenig Arbeit machen, schließlich hat Vati schon viel Freizeit im Eigenbau aufgewandt. Die Suche nach preiswertem Material im Baumarkt, der Transport nach Hause noch gar nicht eingerechnet. Und schließlich hat es auch etliche Euronen gekostet! Abgerundet ggfls. durch einen Holz-Adler, mit Kettensäge aus einem Baumabschnitt geschnitzt, oder eine trendige rostige Metallskulptur, die als Storch oder irgendein anderer Vogel in den steinernen Garten verdammt wird.

Hoffentlich kommen vom unordentlichen Nachbarsgarten nicht Samen, Laubblätter oder Insekten.

Wer allerdings ein Faible für z.B. Bienen hat  -ich meine nicht die zweibeinigen- sondern Wildbienen, und Insekten, wird sich über Vielfalt und buntes Leben im naturnahen Garten freuen. Dort ist z.B. der blau blühende Natternkopf (Echium vulgare) mit seinen Blüten ein begehrtes Ziel für Insekten aller Art. Da huscht mit Glück eine Zauneidechse herum, da dürfen Raupen auf passenden Futterpflanzen ihr kurzes Leben als Schmetterling vorbereiten. Und die Vogelwelt ist auch begeistert. Nichts spricht gegen einen kleinen Steinhaufen im Garten oder ein Haufen Totholz, eine „wilde“ Ecke.

Es gibt rund 17 Millionen Gärten in Deutschland, rd. 45 Millionen Bundesbürger betreuen ein Stück Grün, das etwa 2 % der Fläche in Deutschland bedeckt.

Was für ein Natur-Potenzial!

Natternkopf (Echium vulgare)
Natternkopf (Echium vulgare)