Mein Ochsenweg 23 (01.08.2017) ca. 65 km Radtour von Lübeck nach Wismar

Im Laufe der zurückliegenden Touren hat sich in unserem kleinen Zweier-Radlerteam so etwas wie eine Routine herausgebildet.

Abends, nach Ankunft in der regelmäßig lange im voraus gebuchten Herberge, bringen wir rasch unsere Klamotten ins Zimmer, dann wird reichlich köstlicher Gerstensaft genossen, dann geduscht und dann eine Siesta gemacht. Anschließend wird die Gegend erkundet, nicht ohne eine grandiosen Tagesabschluß bei einem zünftigen Essen. Des Morgens wird früh aufgestanden, ausgiebig gefrühstückt und ein leckres Brötchen, Obst und ein gekochtes Ei als Wegzehrung zubereitet, und gegen 08:00 Uhr aufgebrochen.

So haben wir das natürlich auch in Lübeck zelebriert, dieser Stadt, zu der man viel sagen kann, und die man unbedingt besuchen sollte.

Die Hansestadt Lübeck ist eine kreisfreie Universitätstadt, hat rd. 220.000 Einwohnern, und ist flächenmäßig die größte Stadt in Schleswig-Holstein. Die wunderschöne  mittelalterliche Lübecker Altstadt ist Teil des UNESCO-Welterbes. Die Hansestadt gilt als Ausgangsort der Hanse, einer Handelsvereinigung, die seit dem 12. Jahrhundert bis in die Neuzeit für großen Wohlstand in Lübeck sorgte.

Ihr Name Lübeck ist quasi Programm und rührt aus dem slawischen Wort Liubice („lieblich“) her. Das Stadtgebiet Lübecks wird von Wasser, Grünflächen und ausgedehnten Wälder geprägt. Das Traveflußgebiet mit seinen Naturschutzgebieten wurde als FFH-Gebiet an die Europäische Union gemeldet.

Der Lübecker Hafen ist der größte deutsche Ostseehafen der Lübeck mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum verbindet. Der früher bedeutende Schiffbau (z.B. Orenstein & Koppel) spielt keine Rolle mehr. Dafür haben andere Branchen Bedeutung, z.B. das  Drägerwerk mit mehr als 11.000 Beschäftigten. Nicht unbekannt sein dürfte vor allem Niederegger, der bekannteste Hersteller des köstlichen Lübecker Marzipans.

Hhmmm lecker!!!

Zu den bekanntesten Lübeckern gehören die beiden Nobelpreisträger Willy Brandt und Thomas Mann, einer meiner Lieblingsautoren (Buddenbrocks, Joseph und seine Brüder…).

Nun, schweren Herzens verlassen wir das “liebliche” Lübeck, mit dem mich besondere Erinnerungen verbinden.

Vor vielen Jahren hatte ich mich hier als Stadtbaurat beworben und gegen den amtierenden Amtsinhaber kandidiert. Leider hat es nicht geklappt, es wäre mein Herzenswunsch gewesen.

Als Knabe und Jugendliche habe ich des Weiteren oft am Lübecker Bahnhof den Eisenbahnzug gewechselt, um dann durch die damalige DDR zu meiner Oma, meiner Tante und meinen Cousinen nach Rostock  zu reisen. Unvergesslich der Geruch in den nach Wofasept riechenden Waggons des von einer stampfenden Dampflok gezogenen Zuges, der mich in unvergessliche  Sommerferien brachte.

Mein Freund hatte zudem in seiner Berufspraxis als Architekt hier an bedeutenden Bauwerken verantwortlich mitgewirkt.

Vor uns liegen angenehm zu bewältigende 65 Kilometer nach Wismar, die wir durch das leicht wellige und mit Feldern und Wäldchen gegliederte Land genussvoll meistern.

Unsere Reise führt uns auf wenig befahrenen Radwegen durch verschlafene Ortschaften. Sonne und Rückenwind meinen es zudem gut mit uns.

In Schönberg, wo Ernst Barlach und Werner Siemens dereinst zur Schule gegangen waren,  machen wir kurz Rast und fahren dann weiter bis nach Grevesmühlen. Schönberg war auch eine Zeitlang namensgebend für eine Deponie für u.a. gefährliche Abfälle, Umwelttechnikern als sehr problematisch bekannt. Beide Ortschaften liegen bereits in Mecklenburg-Vorpommern, wie auch der Name des zugehörigen Landkreises Nordwestmecklenburg nahelegt. In Grevesmühlen findet alljährlich ein “Piraten-Open-Air” statt, zu dem auch schon mal bis 60.000 Besucherinnen und Besucher strömen, was ja schon fast an das Wacken-Open-Air heranreicht.  Mir waren die Plakate unterwegs schon aufgefallen.

Nun, uns interessiert das nicht weiter, sondern wir sind hungrig. Und wie bestellt, taucht in Grevesmühlen die Malzfabrik Grevesmühlen auf, ein imposantes nachgenutztes Industrieareal mit denkmalgeschützten Gebäuden.  Für uns wesentlich ist die dortige Betriebs-Kantine, in der wir uns mit köstlichen kühlen Wasser erfrischen und einer großen Portion Sauerfleisch und Bratkartoffeln kräftigen.

Die Malzfabrik Grevesmühlen wurde 1873 errichtet und beherbergt heute einen Teil der Verwaltung des Landkreises Nordwestmecklenburg. Ursprünglich für die Produktion von Malz (für Bier!) genutzt, ist das Gebäude später auf verschiedenste Weise genutzt worden, z.B. für die Lagerung von Eis und die Züchtung von Pilzen. Zu DDR-Zeiten machte man aus der Malz-Fabrik einen VEB. Nach der Wende war dort zwischenzeitlich ein Einkaufs- und Gewerbezentrum, dem aber kein Erfolg beschieden war, nach der Jahrtausendwende zog dann die Kreis-Verwaltung dort ein.

Ein beeindruckendes Gebäude!

Gekräftigt und erfrischt geht es eineinhalb Stunden bei bestem Wetter weiter.

Zwischendurch halten wir immer mal wieder an, um einen Schluck Wasser zu trinken, die (Rücken-)Muskeln zu entspannen und die schöne Landschaft zu genießen.

An dieser Stelle klettere ich auf den kleinen Damm an der Straßenseite und erspähe am Horizont die Ostsee….

Zufrieden landen wir am frühen Nachmittag in Wismar.

In Wismar liegt unsere Herberge direkt am Hafen, wo sich u.a. reichlich Touristen und etliche Bratfischstände gegenseitig zufrieden machen wollen. Wir suchen uns ein zünftiges Restaurant (Brauhaus am Lohberg) mit Aussenbereich aus. Leider hat es angefangen zu regnen. Zunehmend werden wir dort zögerlich und mürrisch bedient, denn die Bedienung fürchtet, auf dem Weg unter den Schirmen hindurch zu uns von Regentropfen vernässt zu werden. Einer der männlichen Bedienungen wirft uns jammernd vor, provozieren zu wollen, dass er ins Krankenhaus müsse, wenn wir weiter bedient von ihm werden wollten. Nach dieser interessanten Einlage verlassen wir die ungastliche Stätte und kehren anderswo, im Il Casale, ein, wo es trotz Regens noch ein hochmotiviertes und freundliches Bedienungsteam gibt und wir perfekt bedient werden.

Musste ich einfach schreiben!!!

Schließlich wollen wir ja nicht, das jemand wegen unseres Hungers und Durstes krank wird.

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