Mein Ochsenweg 5.6 (05.08.2017) ca. 85 km Radtour von Perleberg nach Tangermünde

Morgens erwachen im kaiserlichen Hotel und lassen uns es bei einem sehr gediegenem Frühstück in vorzüglichem Ambiente erst einmal richtig gut gehen.


        

        

Nun, da kann man nicht meckern, oder?

Derart froh gestimmt satteln und besteigen wir unsere Drahtesel und wollen losfahren…!!

Kaum haben wir die Räder gesattelt und gespornt stößt mein Kumpel Joerg einen verhaltenen Schreckensschrei aus: Sein Fahrrad hat (schon wieder!!!) einen Platten…, der zweit auf unserer Tour.

Nun ist guter Rat teuer. Ich zücke mein Smartphone und gebe auf meiner App “around me” das Suchwort “Fahrradladen” ein, eine Methode, die uns ja schon am Anfang unserer Tour (Ochsenweg 24) Erfolg gebracht hatte. Es werden tatsächlich zwei Läden in großer Nähe angezeigt.

Aber: es ist Samstag….!!! Wir laufen los, der erste Laden hat am Samstag geschlossen, na denn, es gibt ja noch einen… Nach kurzer Zeit erreichen wir diesen , und… der Laden hat am Samstag auch geschlossen…

Wir stehen dort und sind ein wenig ratlos, ich schlage vor, mein umfangreiches Reparaturset aus der Gepäcktasche zu holen und vor Ort zu versuchen, eine Reparatur selbst durchzuführen.

Da ruft uns eine Dame zu und fragt, ob wir einen Bäckerladen suchen, um Brötchen u kaufen. Wir antworten, dass das nicht der Fall sei und schildern unsere Malheur. Die gute Frau entpuppt sich als ehemalige Inhaberin eines Schreibwarenladens neben dem ersten Fahrradladen. Sie sei bekannt mit dem Inhaber, ein älterer, manchmal knurriger aber sehr hilfsbereiter Herr, der zur Zeit im Urlaub sei. Sie wolle ihn anrufen, ob er uns helfen könnte. Wir sind baff und sprachlos und bevor wir etwas sagen können spurtet sie los und verschwindet. Nach wenigen Minuten -sie wohnt in der Nähe – ist sie wieder da und teilt uns mit, dass sie den Inhaber erreicht habe, er wäre zu Hause und würde trotz Urlaub herkommen und sich unserer Lage erbarmen. Wir stottern immer noch unser Glück kaum fassend so etwas wie Dankeschön und weg ist sie.

Nun, erwartungsvoll kehren wir zum ersten Laden zurück und harren dort der Dinge, die kommen sollen.

      

Nach einer halben Stunde Wartens kommt ein älterer wortkarger und mürrisch dreinblickender Herr, schließt den Laden auf und fordert meinen Kumpel Joerg auf, mit einem Rad herein zu kommen, damit die Reparatur durchgeführt werden kann.

Die beiden verschwinden im Laden und ich begebe mich zu einem Blumenladen, um Blumen zu kaufen und die Adresse der freundlichen Dame zu eruieren, was mir auch gelingt. Wenige Minuten später kann ich mit einem Blumengebinde unseren Dank für die Rettung der Dame bezeugen.

Unterdessen sind im Fahrradladen die notwendigen Reparaturen und die Bezahlung nebst Draufgeld durchgeführt und wir verabschieden uns von dem äußerst gastlichen Perleberg und radeln trotz der Verspätung auf neuen Reifen  frohgemut gen Süden…

Nach gut 15 km erreichen wir die Elbebrücke von Wittenberg, ein beeindruckendes Bauwerk, dessen Bau im Juni 1847 von der Magdeburg-Wittenbergesche Eisenbahngesellschaft initiiert wurde. Ursprünglich bestand das Bauwerk aus einer Mauerwerks-Gewölbebrücke mit fünf Öffnungen über die Taube Elbe bzw. die Stepenitz, eine symmetrische eiserne Drehbrücke, einer Holz-Fachwerkkonstruktion auf gemauerten Pfeilern und einer Flutbrücke aus Mauerwerksgewölben. Alle Pfeiler hatten eine Gründung auf Holzpfählen. Die hölzernen Überbauten der Strombrücke wurden in Rautenfachwerk als Howe-Träger mit Fachwerkpfosten aus Rundeisenstangen ausgeführt. Am 28. Oktober 1851 wurde die Brücke in Betrieb genommen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 12. April 1945, sprengten deutsche Truppen die beiden östlichen Überbauten der Strombrücke mit dem dazwischen stehenden Strompfeilert, womit der Eisenbahn- und der Schiffsverkehr blockiert waren. Im April 1946 wurden nach Wiederherstellung des zerstörten Strompfeilers ersatzweise für das südliche Streckengleis zwei stählerne Behelfsüberbauten vom System „Roth-Waagner“ eingebaut.

Da die Strecke Magdeburg–Wittenberge zu den wichtigen Nord-Süd-Verbindungen in der DDR gehörte, wurden von 1955 bis 1957 die Behelfsüberbauten durch neue Regelüberbauten ersetzt.

Aufgrund der Elektrifizierung der Bahnstrecke wurde von 1982 bis 1987 der komplette Brückenzug durch einen 1030 Meter langen Neubau ersetzt. Es war der längste Brückenneubau der Deutschen Reichsbahn. Die 14-feldrige Brücke hat als Konstruktionssystem in Längsrichtung drei Durchlaufträger und ist in Stahl als pfostenloses Strebenfachwerk ausgeführt. Die Schwellen sind ohne Schotterbett direkt auf der Brückenunterkonstruktion befestigt. Auf der Oberstromseite ist ein Fußgängersteg vorhanden. Die Durchfahrtshöhe beträgt für Schiffe 6,10 Meter. Damit zählt das Bauwerk zu den niedrigen Brücken, die die Elbe überspannen.

Für mich als Bauingenieur ein besonderes Schmankerl!!

 

Die Brücke ist von weithin zu sehen.

Nun wir radeln munter weiter und fahren durch die wunderschöne weite Elbaue Weuster-Wahrenberg mit herrlichen Radweg weiter bis Arneburg, wo es eine besonders imposante Aussichtsplattform gibt, die uns vom Burgberg einen überwältigen Überblick über die Elblandschaft eröffnet.

Nicht verhehlen will ich, dass es unterdessen ohne Ende geregnet hat. Daher kehren wir zweimal in Gaststätten ein, wobei wir zweimal auf ein und dieselbe Hochzeitstruppe treffen. In einer der Gaststätten erscheinen wir allerdings derart tropfnass, dass die Wirtin sofort los trompetet: “So nass setzen Sie sich hier aber nicht hin”…

Nun am Ende haben wir uns stets mit einer heißen Suppe aufwärmen und trösten dürfen…

Gegen späten Abend trudeln wir verfroren und durchnässt in Tangermünde ein, einem netten kleinen Ort mit 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Altmark in Sachsen-Anhalt, der sich durch gut erhaltene Fachwerk- und Backsteinbauten auszeichnet.

Wir suchen das Quartier auf, dass sich als relativ ungewöhnliche und spezielle Unterkunft auszeichnet, deren Quartiersmutter uns durch ihr ungewöhnliches Aussehen nachhaltig beeindruckt, ebenso wie die Zimmer, die farblich besondere Akzente setzen:

Nun, umso mehr genießen wir geduscht, getrocknet und hungrig den Abend  bei köstlichem Gerstensaft und einem zünftigen Mahl in der Altstadt, direkt gegenüber dem Rathaus, auf dessen Dach ein Storch die Szene beherrscht und mit seinen Hinterlassenschaft auf dem Weg am Rathaus eine fußgängerfreie Zone geschaffen hat.

 

About Wolfgang Gemba

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