Wer ist hier der Vandale?

Wiederholt las ich in den Peiner Nachrichten über „Vandalismus“, Personen hätten „wie die Vandalen gehaust“.

„Gehaust“ bedeutet eigentlich, dass jemand unter schlechten Bedingungen wohnt.  Das ist hier nicht gemeint, vielmehr dass sich jemand „wüst aufgeführt“ hat.

 „Vandalismus“ wird als „vorsätzliche sinnlose Zerstörungswut“ angesehen.  

Wenn „Vandalen hausen“ soll es wohl anschließend besonders schlimm aussehen.

Die negative Zuschreibung an die Vandalen ist weder sachlich noch historisch begründbar.

Das germanische Vandalenvolk siedelte in den ersten Jahrhunderten n.Chr. in „Germania magna“, östlich der Oder und im Burgund. Dies Gebiet konnten sich die Römer auf ihren Eroberungszügen -auch als Folge der verlorenen Varusschlacht- nie einverleiben.

406 n.Chr. flüchteten die Vandalen vor den Hunnen in die römische Provinz Gallien und weiter nach Spanien. Beim Einzug nach Gallien waren die Vandalen als Eroberer gefürchtet.

Den Römern gefiel das gar nicht, sie setzten den Vandalen deswegen sehr zu.

Unter dem Anführer Geiserich setzen die restlichen Vandalen 429 n.Chr. nach Nordafrika über, wo die Reichtümer der römischen Provinz „Africa“ lockten. Sie eroberten die Küstenstadt Hippo und später Karthago, nach Rom damals die zweitgrößte Stadt im römischen Reich. Die Vandalen eroberten u.a. auch Sardinien, Korsika, die Balearen und für kurze Zeit auch Sizilien.

Im Jahr 455 griffen die Vandalen Rom an und plünderten es. Die vandalischen Plünderungen Roms bestanden vornehmlich im systematischen Raub von Wertgegenständen und nicht in großen Massakern oder „fanatischem Zerstören Roms um seiner selbst willen.“ Kirchen und Menschen wurden geschont. Dies Ereignis führte im 18. Jahrhundert gleichwohl bei europäischen Intellektuellen zum für sie nützlichen Begriff des „Vandalismus“.

Ständig versuchten die Römer die Vandalen zu besiegen. Ein Feldzug mit einer Invasionsflotte unter Kaiser Majorian 460 n.Chr. endete mit einer Niederlage bei der Schlacht bei „Cartagena“. Erst im Jahre 534 besiegten die Römer unter Kaiser Justinian die Vandalen vernichtend. Die Vandalen verschwanden komplett von der Bildfläche.

Wer ist also hier der „Vandale“?

„Vandalismus“ wird dem gemäß zu Unrecht einem Volksstamm zugeschrieben. 

Nach heutiger Lesart könnte man sogar bei den Vandalen von Migranten reden, die durch kriegerische Stämme aus ihrem Lebensraum vertrieben wurden. Sie schlugen sich im Überlebenskampf gegen imperialistische Römer durch, bis sie am Ende völlig von den Römern vernichtet wurden.  

Damals gab es kein LAB oder kein BAMF, wo sie hätten anklopfen können.