Mein Ochsenweg 6.1 (13.08.2018) Von Edemissen per Bahn nach Basel

Die Vorbereitungen hatten schon früh begonnen, indem mein Radlerfreund Joerg und ich den Startpunkt Basel und den Zielpunkt Düsseldorf festgelegt hatten und uns auf Tages-Etappen von 80 km bis 90 km verständigten.

Bei einer rechnerischen Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,5 km/h sind das ca. 7 Stunden Fahrt, zu der eine Mittagspause von gut einer Stunde hinzukommen sollte. Bei geplanten Aufbruchszeiten zwischen 08:00 Uhr und 09:00 Uhr morgens würden sich dann Ankunftszeiten von 16:00 Uhr bis 17:00 Uhr ergeben.

Faktisch fahren wir natürlich etwas schneller, etwa 15 km/h bis 20 km/h, je nach Gelände, Wetter, Windrichtung und Windstärke und Neigung des Geländes. Planmäßig fahren wir i.d.R. auch so, dass wir nach gut einer Stunde jeweils 10 Minuten Pause einlegen, in denen insbesondere etwas getrunken wird und die Muskulatur durch Lockerungsübungen entspannt wird.

Mit diesem System kommen wir eigentlich gut klar und sind bei guter Geschwindigkeit immer noch im Level „Genuss-Radeln“.

Selbstverständlich halten wir uns nicht sklavisch an diese Vorgaben, schöne Ausblicke oder Sehenswürdigkeiten wollen schließlich auch genossen werden.

Als Etappen hatten wir, ausgehend von Basel zunächst Markolsheim (Frankreich), dann Rheinau, dann Rülzheim, dann Worms, dann Ingelheim, dann Koblenz, dann Bonn und zuletzt Düsseldorf ausgewählt. Planerisch sollten damit 650 km in etwa 8 Tagen gemeistert werden, zuzüglich zwei Tagen Anreise per Zug nach Basel und Weiterreis ab Düsseldorf.

Tatsächlich sind es dann knapp 700 km geworden, diesen Unterschied von bis zu 10% haben wir regelmäßig bei all unseren Planungen festgestellt.

Durch eine Internet-Buchungsplattform waren die entsprechenden Unterkünfte frühzeitig gebucht und reserviert worden. Da wir nicht mehr in dem Alter sind, in dem Jugendherbergen eine spannende Angelegenheit sind, haben wir grundsätzlich schöne Unterkünfte in Hotels gebucht, in denen auch Frühstück geboten wird und Annehmlichkeiten, wie W-Lan, Dusche und Restaurant….

Die Anreise beginnt für mich in Edemissen dann am 13.08.2018 in aller Frühe, kurz nach 06:00 Uhr in Richtung Bahnhof Dollbergen.

Da ein Tornado Tage vorher durchs Peiner Land gefegt ist, sind Teilstrecken der Bahn (ENNO) aufgrund von massiven Beschädigungen in der Oberleitung durch herabgestürzte Bäume stillgelegt und es besteht keine Sicherheit, ob und wann ein Zug pünktlich ab Dollbergen abfahren würde. Auf telefonische Anfrage bei der entsprechenden Auskunft hat man mir mitgeteilt, möglichst eine Stunde vor der planmäßigen Abfahrtszeit am Bahnhof zu sein. Nun gut, ich muss, wie viele andere Reisende dann tatsächlich am Bahnhof Dollbergen lange warten und nervige 45 Minuten lang herrscht Ungewissheit, ob überhaupt ein Zug fährt. Letztendlich werden wir Reisenden dann doch erlöst und nach Hannover abtransportiert.

                                        

 

In Hannover geht es nach längerem Halt und Umstieg mit den ICE 973 nach Mannheim…

Auf dem Bahnsteig treffe ich etliche Radreisende, die in alle Richtungen unterwegs sind, man kommt untereinander schnell ins Gespräch und tauscht sich über Interessantes und Belangloses, Radreisen betreffend, aus. Planmäßig trudelt dann der Zug nach Basel ein…

Im ICE selbst habe es diesmal nicht besonders clever eingerichtet. Das Rad steht in Waggon 1, mein Sitzplatz in Wagen 11, Sitzplatz reserviert. 1 Klasse, war ja so günstig!!! Für Fahrräder sind im ICE traditionell wenig und dann auch nur schmale Einhäng-Plätze vorrätig, ich bekomme mein Rad nicht eingehängt und stelle es so ab.

Kaum habe ich mich die 11 Waggons mit meinem gesamten Gepäck (zwei kleine und zwei große Radtaschen) durchgequält, werde ich im gesamten Zug laut ausgerufen „Herr Gemba möchte bitte unverzüglich in den Waggon 1 kommen“…

Ach Du Sch…, also trabe ich mit dem wichtigsten Gepäck wieder zurück.

Im Waggon 1 angekommen herrscht mich der Schaffner an, ich soll mein Rad ordentlich aufstellen, sonst müsste ich den Zug verlassen. Ich würge mit dem Drahtesel rum, bis der Schaffner Ruhe gibt und trabe wieder zurück in Waggon 11.

In Mannheim habe ich länger Aufenthalt. Planmäßig trudelt dann der Zug in Mannheim Hbf. nach Basel ein.

Auch hier habe ich es diesmal nicht besonders clever eingerichtet. Das Rad steht in Waggon 253, mein Sitzplatz in Wagen 264, Sitzplatz reserviert. 1 Klasse, war ja so günstig!!!

Gegen halb vier trudeln wir in Basel ein, ich fahre mit einem Freund von mir zusammen eine Station weiter, denn die liegt näher am Hotel, ist aber ein Schweizer Bahnhof. Also bin ich drei Minuten „schwarz“ gefahren!

Das Hotel liegt nahe bei, mein Radler-NAVI (TEASI ONE) weist uns sicher den Weg.

Schnell eingecheckt, die Räder in der Tiefgarage eingestellt und dann geht’s zu Fuß hungrig in die Stadt. Am Barfüsserplatz lassen wir uns in einem Restaurant auf der Terrasse nieder und genießen bei Ohren betäubendem Straßenbahnlärm unser erstes Bier zu gesalzenem Preis.

Da die Speisekarte auf der rechten Seite unsere finanziellen Vorstellung bei weitem übersteigt, suchen wir ein Lokal mit akzeptablem kulinarischen und preislichen Niveau.

In Basel nicht so einfach. Wir laufen kreuz und quer durch die Innenstadt und überqueren die Mittlere Brücke, landen am Clara Platz, der als Knotenpunkt des ÖPNV zu dienen scheint.  Wir finden ein kleines schlichtes Restaurant, dass für „günstige“ 15 € pro Person ein „Schnitzelbrot“ und ein winziges Bier anbietet, dass wir mangels Alternativen und verzweifelt hungrig bestellen.

Auf dem Rückweg zum Hotel überqueren wir noch einmal die Mittler Brücke, von der aus wir auf der linken Rheinuferseite die rückwärtige Fassade des berühmten „Grand Hotel Les Trois Rois“ bestaunen, das mit einer vorgelagerten Terasse ein Sprungbrett in den Rhein für verzweifelnde hungrige Stadtgäste bietet.

   

Abgesehen davon waren in diesem 300 Jahre alten Luxushotel vormals Napoleon Bonaparte, Königin Elisabeth II., Pablo Pciasso, Kaiserin Michiko von Japan, James Joyce Thomas Mann u.a. zu Gast. Der Name soll an die Weisen aus dem Morgenland erinnern, warum auch immer. Erwähnenswert finde ich noch, dass hier der österreichische Schriftsteller Theodor Herzl vom 26. – 29. August 1897 Hotel «Drei Könige» gewohnt hat und während des 1. Internationalen Zionistenkongresses in Basel den Grundstein zur Schaffung des Staates Israel gelegt hat.

Ehrfürchtig und beeindruckt von soviel Durchlauchtigkeit schleichen wir mit dem „Schnitzelbrot“ im Bauch an der Luxusunterkunft vorbei zu unserem Hotel „Ibis Budget Basel City“, mit dem wir uns standesgemäß zufrieden geben.

An der Bar nehmen wir noch ein kühlendes Getränk zu uns und dann geht’s ab in die Koje!


About Wolfgang Gemba

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