Ja, Spinnen die jetzt?!

Ein gastfreundliches Haus, ist jenes, in dem ich wohne.

Nicht nur ich wohne gerne hier, nein, die wohlig-natürliche Atmosphäre hat sich in der Umgebung herumgesprochen.

Ein naturnahes Haus, das u.a. aus Holz, Zelluloseflocken, Kalksand-Steinen, vulkanischen RhyolithePerlen und Gipskartonplatten, sowie aus Kokoswolle und Holzfaserplatten kunstvoll gefügt worden ist.

Alles pur Natur!

Da gibt es dann auch viele Ritzen und Löcher, durch das Gäste ein und ausgehen.

Manchmal kommen auch geheimnisvolle Gäste.

Leise und unbemerkt treten sie ins Haus ein, un-heimlich nehmen sie ihren Platz ein und verharren dort.

Kürzlich abends fiel mein Blick auf sie.

Ich habe mich gleich verliebt: schön sieht sie aus, sie hat lange Beine, grau-braun bestrumpft, einen schlanken Vorderkörper, ihr anmutiger Körper ist hellbraun, etwas gewöhnungsbedürftig: ihr weich anmutender Körper ist behaart, eine große Winkelspinne!

Fast zufällig fiel mein Blick auf sie, sie verharrte oben an der Wand im Flur.

Ich trat näher, stieg ihr auf einer Leiter entgegen.

Mir ist bekannt: meist liegt eine irrationale Abneigung gegen Spinnen vor.

Die Angst ist objektiv nicht begründet: Sind doch von rund 40.000 Arten nur weniger als ein Dutzend Arten für den Menschen gefährlich.

Spinnen stehen symbolisch für Schöpfungskräfte und Magie. Die kunstvollen Netze lassen eine geheimnisvolle instinktive Intelligenz vermuten und suggerieren so etwas wie hochentwickelte Kompetenzen, die sowohl zur Achtung als auch zur Magie dieser Lebewesen beitragen. Bei Naturvölkern werden Spinnen als Gottheiten verehrt, als Hort von Wissen und Klugheit. In Indien und Afrika wird die Spinne auch verehrt, in China wird sie als Glückssymbol gesehen.

Die Webkunst der Spinnen kann man als Symbol interpretieren, dass wir unermüdlich unser fragiles Leben in die Hand nehmen sollten, es kunstvoll gestalten, aus eigener Kraft und jederzeit auf unser Schicksal Einfluss nehmen können.

Ihr Netz ist zwar todbringendes Fanginstrument aber auch kunstvolles Symbol des Webens und der netzförmigen Verbundenheit allen Wesens und Wirkens in der Natur.

Ich habe meinen besonderen Gast ausgiebig bewundert, ihn, bzw. sie vorsichtig mit einem Blatt Papier und einem Glas eingefangen, und nachts nach draußen, wohlbehalten in den Garten zurück in die Natur gebracht.

Ach, und noch eins: der weiblichen Spinne nähert sich der männliche Partner am besten nur mit heftigen Taster- und Körperbewegungen, um nicht selbst zur Beute zu werden.

In den Sex-Pausen sitzt sie dann -Gottseidank- mit ihrem Partner friedlich nebeneinander.

Ah ja, beruhigend!