Advent, Advent….

Völlig überraschend  ist auch dieses Jahr der Advent gekommen. Aufmerksamen Kunden ist allerdings schon Wochen vorher aufgefallen, dass sich die Regale in den Discountern mit adventlichen,  weihnachtlichen Spezereien gefüllt hatten: Lebkuchen, die beliebten Dominosteine, Christstollen und vieles mehr.

Lebkuchenfabriken produzieren unterdessen keinen Lebkuchen, keine Dominosteine und Spekulatius mehr, sondern Gebäck für Ostern!

Musikanten können mehr als ein Lied von und in dieser Zeit singen: eine Weihnachtsfeier mit musikalischer Untermalung reiht sich an die nächste. Wer von den Konzerten nichts wissen will, muss trotzdem die Beschallung in den Läden ertragen. Diese ist allerdings für die musikalische Bildung des Volkes nicht gerade förderlich.

Unzählige Weihnachtsmärkte wetteifern mit ihren Buden um Gunst und Hunger der Kundschaft.  Hätte Jesus ein Patent auf Glühwein eingereicht, er wäre jetzt Multimilliadär.

Für den Handel ist diese Zeit extrem wichtig: rd. 20,5 Milliarden Euro geben die rd. 83 Mio. Menschen in Deutschland in diesem Jahr laut  Umfrage des Handelsverbandes HDE für Weihnachtsgeschenke aus. Das sind rd. 250 € pro Kopf, vom Baby bis zur Greisin. Kaufen ist Freizeitbeschäftigung geworden, die Werbung zieht medial alle Register.

Wer jetzt mit Nachhaltigkeit oder Klimaschutz kommt, riskiert vom Nikolaus, vom Knecht Ruprecht oder final vom Weihnachtsmann die Rute gezeigt zu bekommen.

Häuser und Wohnungen zieren Lichterketten, gemäß der Devise „Nicht kleckern, sondern klotzen“.

Wenn das Christkind das wüsste! 

In Familien, Partnerschaften oder Freundschaften kann leicht Stress ausbrechen. Weil man „wahrscheinlich“ etwas geschenkt bekommt, entsteht gefühlt die Verpflichtung,  etwas „zurück zu schenken“. Wem die präzise Geschenkzuordnung schwerfällt, für den gibt es Geschenk-Gutscheine, oder man hebt den Kaufbon zum späteren Umtausch auf. Die Größe des Geschenks kann ein Zeichen der Wertschätzung sein, aber auch signalisieren „Ich kann schenken, weil ich kein Looser bin“.

Beim Count-Down bis Weihnachten hilft der Adventskalender, den es übrigens erst seit ca. 100 Jahren gibt.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, …schnell auch mehr, in dieser Zeit wird es manchmal brandheiß. Dann kommen weder das Christkind oder der rotberockte Weihnachtsmann, sondern die rote Feuerwehr und Schluss ist mit der Besinnlichkeit.

Wohl dem, der in dieser Zeit auf den Rummel verzichtet. Wer weiß schon, dass vor über 1.600 Jahren hierzulande in dieser Zeit vom 11.11. bis zum 06.01. eine 40-tägige Fastenzeit angesagt war.

Soweit wird es wohl nicht mehr kommen!