Auch das Alter hat seine Reize!

Dieser Tage jährte sich mein Geburtstag zum 67. Mal. Mein Vater stapfte zu meiner Geburt in Mecklenburg durch meterhohen Schnee in einem Sonntagvormittag Kilometer zum nächsten Dorf, um die Hebamme zu holen. Vorbei an steif gefrorenen Weiden, an zugewehten Gräben und steinhart gefrorenen Äckern, wo vermutlich dick aufgeplusterte hungrige Rabenvögel hockten.  

Zu Hause lag meine Mutter mit mir in den Wehen, im Wohnzimmer eines kleinen Landhauses, das gleichzeitig als die Schule für Dorfkinder jeglichen Alters diente. Mangels modernen Bettdesigns war für die Geburt eine Tür ausgehängt worden und notdürftig mit Stoffunterlage versehen worden.

Meine Eltern waren beide an selbiger Stelle in einem winzigen Dorf mit 300 sozialistischen Seelen als Lehrer eingesetzt, um der mecklenburgischen Landjugend Bildung beizubringen. Neben der Unterrichtung der Dorfjugend hatten sich die beiden  in ihrer Freizeit auf dem Lande offensichtlich nicht nur mit Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden befasst: Herausgekommen dabei war ihre Hochzeit und ich.

Als Baby war ich recht kräftig und oft außer Rand und Band; deswegen hat man mich gelegentlich mit einem Strick an einem Tischbein festgebunden. Den Tisch soll ich dann weggezogen haben.

Ab und zu hatte ich zeitlebens das Gefühl, man will mich wieder festbinden. Dann nahm‘ ich eben den Tisch gleich mit!

Gelegentlich höre ich „Auch das Alter hat seine Reize“. Nun mit 67 Jahre gilt wesentlich erstmal „Hauptsache gesund“.

Ich las, dass es nicht nur einen Lebensabschnitt gibt, in denen Menschen eher zu revolutionären Handlungen neigen. Das gilt oft für junge Menschen, die über reichlich Idealismus, Kreativität und den Willen verfügen, die Welt, die sie vorfinden, nicht so hinzunehmen, sondern verändern zu wollen.

Das soll auch für einige ältere  Menschen gelten, die die Middle-Age-Alterskohorte verlassen haben, die vielleicht Kinder in die Welt gesetzt haben, und oftmals hart für sich, für die Familie oder für sonst wenn arbeiten mussten.

„Alt werden ist kein reines Vergnügen.  Aber denken wir an die einzige Alternative“, sagte mal Robert Lembke.

Nun, ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie sich nicht nur mit Vor- und Nachbereitung von Unterrichtsstunden für die Mecklenburger Jugend befasst haben!

„Auch über sechzig kann man noch vierzig sein – aber nur noch eine halbe Stunde am Tag“ (Anthony Quin). Nun denn,  genieße ich die Reize des Alters, … es kribbelt mir in den Pfoten und ich lass mich auf das ein, was mir so begegnet. Da steht auch kein Tisch mehr im Wege!