Landluft macht frei!

In die Sommerfrische aufs Land zu fahren, ist manches Städter Lust. Hier glauben sie Ruhe, Erbaulichkeit und Abstand von Lärm, Hetze, Stress und der Menschenmengen zu finden.

Die Entfremdung der Menschen von der Natur lässt eben die Sehnsucht nach ihr wachsen.

Urban sozialisierte Hipster tragen auf dem Weg zum Bio-Discounter modernste vegane Outdoor-Klamotten und drücken damit Sehnsucht und individuelles Bekenntnis zur Natur unmissverständlich aus.

Ganz Sportliche flitzen auf teuren Mountainbikes und mit schweren Rucksäcken durch Parks, aufgelassene Kiesabbaue oder auch gern quer durch Feld und Flur.

Abends schaut man sich auf dem Sofa zu Hause bei You-Tube an, wie Bushcraft-Profis das Überleben in der Natur erklären. Man lernt, wie man im Wald aus Pfützen Wasser trinkt, Käferlarven als rettendes Eiweiß verzehrt , oder mit dem Zunderpilz Feuerchen machen kann.

Dem einen reicht zum Auftanken ein einziger Tag auf dem Land, andere buchen ein Wochenend-Kurzurlaub auf dem Land.

Manche ziehen sogar aufs Land, nicht nur wegen der günstigeren Baulandpreise. Aber Naturverbrauch, Versiegelung des Bodens, Flächenfraß und spezielle deutsche Baukultur sind die Folge dieses Siedlungsdruckes.

Auf meinen langen Radtouren durch Deutschland habe ich festgestellt, dass sich Neubaugebiete im ländlichen Raum allesamt ähneln.

Egal, ob ich in Nord-, West-, Ost- oder Süddeutschland unterwegs gewesen bin.

Die an die Dorfkerne geklatschten Siedlungen zeichnen sich durch architektonische Beliebigkeit und städtebauliche Langeweile aus.

Bei Wind und Wetter wird der Rasen gemäht, die Schotterbeete im Garten gepflegt und gerne rustikal gerillt, dass die Rauchschwaden nur so dampfen. Hier ist man Mensch…

Herausfordernd wird es für Zugezogene, wenn am Morgen ein Hahn laut kräht, auf der Wiese Schafe blöken oder beim Spaziergang Insekten stechen. Gelegentlich düngt der Bauer aus dem Dorf auch noch seine Felder, das riecht unangenehm und geht doch gar nicht!

Ärgerlich auch, wenn beim Autofahren ein Trecker mit Anhängern vor einem zuckelt und der eigene SUV unterfordert ist.

Der Unmut über diese „Belästigungen“ sorgt für genügend Arbeit der Schiedsleute.

Fast könnte man meinen, der Suchende zerstört das, was er sucht, indem er es findet.

Der ländliche Raum stellt u.a. mit der Lebensmittelproduktion, seiner Infrastruktur und seinen naturräumlichen Gegebenheiten Grundlagen für das, was in Stadt und Land gebraucht wird.

Hier gibt es ein reiches Vereinsleben, man kennt sich, grüßt sich und hilft sich gegenseitig, ich finde, mehr als in der Stadt.

Es schadet nicht, wenn man sich auf Land und Leute einlässt und seine urbanen Gewohnheiten nicht alle beibehält, im Gegenteil!

Ich lebe gerne auf dem Land.