Herrscher des Weges!

Entlang der Pfade, Wege und Straßen durch das Land gibt es reichlich zu entdecken.

Meist erkennt man nur das, was man sowieso schon kennt, daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Bei Radeln durch Peiner Land fällt mein Blick häufig auf die Pflanzen an den Wegesrändern.

Hier stehen Überlebenskünstler und Schönheiten, deren Anmut und Wirkkraft faszinierend sind.

Schön, wenn sie lange stehen bleiben können und nicht zu früh vom „Straßenpflegeteam“ abrasiert werden.

Hierzu gehören u.a. die „Wilde Karde“, die „Lichtnelke“, der „schwarze Mauerpfeffer“, der „Wiesensalbei“, die „Wegwarte“ und „Wegrauke“, und der „Spitz- und Breitwegerich“. Natürlich auch der „Löwenzahn“, das „Gänseblümchen“, der „Giersch“, die „Schafgarbe“ und die vielgeschmähte, aber doch so wichtige „Brennnessel“.

Zu meinen Favoriten gehören Spitz- und Breitwegerich.

Die Namens-Endung leitet sich vom Indogermanischen „-rich“ ab, was Fürst oder Herrscher bedeutet. Sein lateinischer Name „Plantago“ leitet sich von „planta“, die Fußsohle, ab

Der Wegerich ist der Herrscher des Weges. Und noch viel mehr.

Der Spitzwegerich wird seit der Antike als Heilkraut eingesetzt. Als Hustensaft ist er wirkungsvoll, hilft als Tee und zur Behandlung schlecht heilender Wunden, indem einfach frisch gepflückte zerquetschte Blätter aufgelegt werden. Bei Insektenstichen kann er so ebenfalls zur Linderung genutzt werden. In Mangelzeiten war ein Salat mit Spitzwegerich eine nützliche Zukost. Von Anfang April bis Ende August kann man ihn ernten, allerdings nicht an belasteten Straßen.

Der Breitwegerich wird auch seit je her in der Heilkunde eingesetzt, sein Saft wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung. Seine jungen Blätter sind als Salat essbar. Ältere zähe und faserige Blätter können gekocht in Eintöpfen gegessen werden. Die Blätter enthalten Calcium und viele Mineralien, 100 g von ihm enthalten etwa so viel Vitamin A wie eine große Karotte.

Insgesamt sind beide Arten gut zu vertragen, sie wirken wundheilend, pilzhemmend, entzündungshemmend, schmerzstillend und entkrampfend.

Der Sage nach führten die römischen Soldaten auf ihren langen Märschen stets Wegerich-Samen bei sich, den sie ab und zu am Wegesrand ausstreuten und sich so eine kleine Apotheke entlang ihrer Wege sicherten.

Mir hat der Wegerich bei Wanderungen oft geholfen, wenn sich Blasen am Fuß gebildet hatten: ein oder zwei Blätter auf die Blase und es konnte weitergehen.

Naturkundlich bewanderte Heiler kennen die Wegeriche auch als “Hasenapotheke”. Unsereins sollte doch mindestens so schlau sein wie die Hasen.