Ahnen und Forschen!

Ahnenforschung fasziniert mich. Den Einstieg begründeten Erzählungen meiner verstorbenen Rostocker Oma mütterlicherseits, von Beruf Logopädin. Sie wusste viel über ihre Vorfahren und zeichnete mit ihrer Altershandschrift ihren Stammbaum auf Millimeterpapier. Diesen Schatz bewahre ich sorgsam.

Mittels des Internets betreibe ich nun Ahnenforschung. Mein digitaler Stammbaum umfasst aktuell 1250 Personen.

Meine ethnische Herkunft ließ ich jüngst mit DNA-Nachweis einschätzen. In mir schlummern demnach 61 % Nord- und Westeuropäer, 15% Skandinavier, 14% Engländer, 6% Finnen und 3% Osteuropäer. Wie viele hier bin ich also kein „Biodeutscher“, und das finde ich spannend. 

Die mütterliche Linie  kann ich weit zurückverfolgen. Von dort kommen auch die skandinavischen und englischen Vorfahren. 10 Generationen in  einer dieser Linien zurück gab es jemand, der für 44 Jahre als Küster an der Rostocker St. Petri Kirche seit 1659 tätig war. Von der Petrikirche als ältester Stadtkirche von Rostock ging angeblich 1523 die Reformation in Mecklenburg aus. Mit den nächsten seiner Nachfahren waren dort160 Jahre lang bis 1819 alle Männer ebenfalls Küster!

Ein Ururgroßvater derselben Linie lebte in Rostock, wo er als „Lichthaak“  tätig war.  Ein Haak war Kleinhändler für bestimmte Waren. Als Lichthaak handelte er mit Lichten, vermutlich Kerzen, Tran, Öl, etc. Sein Sohn war wieder Küster an der Petrikirche. Dessen Sohn war mein Großvater, ein Mathematiklehrer in Rostock. Meine Oma und er bekamen Nachwuchs in Person meiner Mutter, als er 23 Jahre alt war. Er wurde nur 34 Jahre alt und fiel 1943 in Polen als Posten bei der Artillerie im 2. Weltkrieg.

Meinen Nachnamen habe ich vom Opa väterlicherseits. Er war gelernter Müller und Bahnwärter in Schleswig-Holstein. Sein Vater war in Polen Landwirt. In der väterlichen polnischen Linie kommen überhaupt viele Handwerker, wie Maurer und Böttcher vor. In der mütterlichen Linie kommen Lokomotivführer, Maurer, Hufschmiede, ¼ Hufner, Gastwirte, Kätner, Schlachter, Schuster, Berufsmusiker und Geometer vor.

Diese berufliche Vielfalt beeindruckt mich, manches davon schlummert in  mir.

Über die Frauen geben die Urkunden wenig bekannt, ich bin sicher, sie waren stark und lebenstüchtig.

Beide Opas und die Oma väterlicherseits konnte ich nie kennenlernen, nur meine Oma in Rostock.

Nun bin ich selbst Opa. Die Ahnenforschung vermittelt mir, dass ich nur ein kleines Glied in einer Generationenkette bin. Die Existenz und der Lebenskampf meiner Vorfahren begründeten mein Leben, sowie ich das meiner Kinder und Kindeskinder begründe.

Das erfüllt mich mit Ehrfurcht, Demut und Dankbarkeit.