Mein Italiener!

Ein Nachruf!

Lange gab es für meine Frau und mich zum Ausklang der Arbeitswoche und zum Einstieg in das verdiente Wochenende eine schöne Tradition. Die bestand darin, beim Italiener „Il Collosseo“ im Zentrum der Wohlfühlgemeinde  im Nordkreis gemütlich essen zu gehen.

Mein Lieblingsgericht „spaghetti alla puttanesca“ gab stets genügend Kraft für die anstehenden häuslichen zum Wochenende aufgetürmten Aufgaben und offene Spezialaufträge meiner Frau. Auch sie genoss stets ihre Lieblingsspeisen der umfangreichen Speisekarte.

Es bleibt meine „fantastico e gustoso“ Lieblingsspeise, selbst nachdem ich mitbekommen habe, dass „spaghetti alla puttanesca“ auf Deutsch ‚Spaghetti nach Hurenart‘ heißt. Das aus Süditalien stammende Nudelgericht enthält in scharf-würziger Tomatensauce Knoblauch, Tomaten und scharfe Peperoncini, hinzu kommen Pfeffer und Oregano, zerkleinerte  Oliven und Kapern.

Das italienische Restaurant wurde als Familienbetrieb geführt. Qualität und Geschmack der Speisen, Einrichtung und der perfekte Service bildeten ein magisch-magnetisches Ganzes, so dass Unsereins viele Jahre als Stammgast gern dort einkehrte. Mal zu zweit, mal mit Familie, auch zu familiären Anlässen, mit Freunden und Bekannten, gelegentlich auch mit Gästen von außerhalb und zu beruflichen Anlässen.

Ein Zeichen für seine Gastfreundlichkeit und Qualität war, dass das Restaurant zu Öffnungszeiten stets sehr gut besucht war, so dass man wohl daran tat, einen Tisch vorzubestellen.

Bedienung und Inhaber waren stets gut gelaunt. Cameriere (Kellner) Raffaele hatte stets ein freundliches, persönliches Wort und begrüßte mit Handschlag. Meist kam es auch zu kurzen Unterhaltungen über Familie, selten über Politik.

„Il Conto“ (Die Rechnung) wurde gern mit „bel mancia“ (Gutes Trinkgeld) abgerundet.

Eines Tages nahmen wir  wahr, dass einer der beiden Chefs in einem abgelegenen Teil des Restaurants bitterlich weinte. Wie wir später erfuhren, war ihm mitgeteilt worden, dass er unheilbar erkrankt war. Wir haben ihn danach nicht mehr gesehen. Monat später verstarb er. Der zweite Chef beabsichtigte zwar, den Familienbetrieb weiter zu führen, jedoch erkrankte er Monate auch schwer. Im Juni diesen Jahres schloss das Restaurant.

Die verlassenen Räume strömen traurige Leere aus. Es fehlt unwiederbringlich etwas Wichtiges und Schönes im Ort, die Menschen, ihre Gastlichkeit und Freundlichkeit und ihre kulturelle Aura.

Zuhause gibt es mittlerweile häufiger selbst gemachtes „spaghetti alla puttanesca“, auch eine Erinnerung an gute Zeiten und bereichernde italienische Tisch- und Esskultur.