Faulenzer, wohin das Auge blickt!

Faulenzen fällt mir selbst als Pensionär schwer. Ich bin so gepolt, stets und gerne zu tun zu haben.

In den Peiner Nachrichten war vom Schriftsteller Jussi Adler-Olsen zu lesen. Als Kind hatte er seinen Vater gefragt, warum dieser dauernd arbeitete. Der hätte geantwortet, dass er arbeite, weil er sich für seine Faulheit schämte. Das hätte er vom Vater geerbt, verriet Adler-Olsen.

Meine Frau, hatte den Artikel auch gelesen. Sie meinte, ich sei auch so, ich könne einfach nicht faul sein.

Unsereins versteht unter „Faulenzer“ jemanden, der viel und gerne faul ist. Ein Drückberger oder eine Gammlerin, ebenso eine Nichtstuerin oder der berühmt-berüchtigte Tunichtgut, in Süddeutschland auch gern Hallodri genannt, können gut und gerne faul sein.

Es gibt überraschend viele „Faulenzer“.

Musiker wissen zum Beispiel: taucht ein „Faulenzer“ als diagonaler Balkenstrich in den Noten auf, stehen Wiederholungen ganzer Takte oder Taktgruppen an. Als beim Komponieren Noten noch von Hand niedergeschrieben wurden, erfand man „Faulenzer“ für Wiederholungen von Notenfolgen oder Notenfiguren.

Federmäppchen für die Aufbewahrung von Schreibutensilien werden auch „Faulenzer“ genannt. Beim Schreiben wurde früher mit Strichen über „m“ oder „n“ angezeigt, dass diese Buchstaben doppelt gelten sollten. „Faulenzer“ helfen weiterhin als  durchscheinendes Linienblatt auf einem unlinierten Papierblatt ein schönes und vor allem gerades Schriftbild entstehen zu lassen.

Angler nutzen „Faulenzer“ in Form eines Stocks mit Gabelungspitze als Angelrutenhalter.

Maler, Maurer und Goldschmiede setzen „Faulenzer“ als spezielle Werkzeuge zur Erleichterung ihrer mühevollen Arbeit ein.

Falzmuster, mit dem Druckseiten angeordnet und maschinell scharfe Knickkanten hergestellt werden, werden im Bereich des Druckwesens, der Buchbinderei und der Kartonagen-Herstellung „Faulenzer“ genannt.

Seglerinnen wissen „Faulenzer“ zu schätzen, auch „Lazy-Jacks“ genannt, die als Leinen zwischen Baum und Mast helfen, Segel beim Bergen sicher zu führen. Damit können die Segel sicher auf dem Baum abgelegt und geborgen werden, ohne herunter zu fallen.

Feder- oder Motor-getriebene „Faulenzer“ schließen selbständig geöffnete Türen. Eine  Kölner Firma  erfand 1887 den „Imperator“-Faulenzer, von denen noch etliche an Türen in alten Gebäuden angebracht sind.

Nach so viel Informationen zur Arbeitserleichterung gönne ich mir im „Faulenzer“-Schaukelstuhl in Ruhe ein Gläschen Wein. Nützlich dabei wäre ein  „Faulenzer“-Kippgestell, in das der Bembel (die Weinkanne) gestellt wird, um Wein mühelos ins Glas einschenken zu können.

Herrlich, mal so richtig faul zu sein!