Sticheleien

Es gibt Menschen, die gerne sticheln.

Ich las kürzlich, dass sich erfahrene Stichler beim Sticheln schnell mal vertun. Unerfahrene Stichler sollen bei  Sticheleien andererseits im Vorteil sein.

Wie kann das sein? Nun, in diesem Fall, wenn die Rede vom Kartenspiel „Sticheln“ ist, das seit gut 20 Jahren auf dem Markt ist. Bei dem gibt es Karten mit „Ärgerfarbe“, die man am besten vermeidet.

Die meisten von uns kennen Sticheleien in einem anderen Zusammenhang. Macht jemand versteckte boshafte Anspielungen, oder will mit spitzen Bemerkungen reizen oder kränken, wird gestichelt. Sticheln ist reizvoll, führt aber zu Verdruss bei den Gestichelten und sagt mehr über die Stichelnden aus, als diese wahrhaben wollen. Sie wollen Frust rauslassen, provozieren, sich abschätzig über jemand äußern. Bringt auf Dauer nichts.

Sticheln im eigentlichen Sinn wird mit Gravierwerkzeugen durchgeführt, die heutzutage zum Beispiel von Graveuren und Goldschmieden eingesetzt werden. Von GraveurInnen und GoldschmiedInnen natürlich auch. Also von Gravierenden und Gold-Silber-Sonstwas-Schmiedenden. Diese Stichelei konnte ich mir nicht verkneifen!

Stichel gibt es in den verschiedensten Formen. Es werden Flachstichel, Spitzstichel, Facettenstichel, Messerstichel und Hohl- oder Bollstichel, usw. verwendet. Stichel werden beim Sticheln durch Stichelhefte gehalten. Wird viel gestichelt, muss der Stichel nachgeschliffen werden und wird kürzer und kürzer. Zu kurze Stichel führen zu mühsamerer Arbeit.

Mitunter stellt sich beim Sticheln ein Krampf (in der Hand) ein, berichten erfahrene StichlerInnen.

Also eigentlich handelt es sich beim Sticheln um eine großartige handwerkliche Arbeit. Die wurde schon in der Steinzeit ausgeübt. So hat man in Deutschland so genannte Papageienschnabelstichel gefunden, Feuerstein-Werkzeuge mit einer Spitze. Diese Werkstücke wurden vor Urzeiten vom „homo sapiens“ während der so genannten Magdalénien- supérieur -Zeit des Jungpaläolithikum (etwa 13.000 bis 12.000 v.Chr.) hergestellt und verwendet.

Ich erinnere mich, dass ich im Jahr 1998 eine Grabung in Lahstedt-Gadenstedt auf dem Gradeberg besichtigte. Diese exponierte Lage war für die Menschen damals vermutlich von jagdstrategischer Bedeutung. Von hier aus konnte wohl hervorragend nach jagdlicher Beute Ausschau gehalten werden. Durch Fachleute des niedersächsischen Landesmuseums kamen im Zuge der umfangreichen Grabung auf dieser Fundstelle über dreitausend Feuersteinartefakte der Magdalénien-Kultur unter dem Pflughorizont zutage.

Meine Vermutung gehen daher dahin, dass im Peiner Land möglicherweise schon seit 15.000 bis 16.000 Jahren gestichelt wird!