Kürzlich, auf dem Markt:

Bei kalter, windiger Witterung stand zur Mittagszeit die Suche und Aufnahme kräftigender Nahrung auf dem Markt in der kleinen Kreisstadt an. Ein Teil der Buden vor Ort besteht aus mannigfaltigen Fressbuden. Ist man einmal rum um den Markt, hat einen der Geruch aus den Fressbuden fast schon satt gemacht.

Ich entschied mich, aus dem Angebot einer Suppen-Bude eine Portion Linsensuppe zu erwerben und zu mir zu nehmen:

Wunderbar!

Eine übrigens willkommene Abwechlsung zu der sonst üblichen“Curry-Brat(wurst) mit Pommes-RotWeiss“, die zweifelsohne nicht nur zu meinen Lieblingsgerichten auf derlei Märkten gehört. Mit dem zufriedenen Gefühl wohlig-warmer Sättigung verliess ich den „Suppen-Stand“.

Mir fiel die biblische Geschichte vom Linsengericht ein:

„Gib mir doch zu essen von dem Roten (rote Linsen) da, ich bin ganz erschöpft“, sagt der hungrige Esau, als er erschöpft von der Jagd zurück gekehrt ist, zu seinem Zwillingsbruder Jakob. „Jakob gab Esau Brot und ein Linsengericht und Esau begann zu essen und zu trinken. Dann stand er auf und ging seines Weges. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.“

So steht es geschrieben im Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel.

Für ein Linsengericht verkauft Esau somit sein Erstgeburtsrecht an seinen Zwillingsbruder. Fußend auf dieser Geschichte verbindet man im übertragenen Sinn mit dem Begriff Linsengericht dem gemäß eine sehr begehrenswerte Sache, die man gegen eine (scheinbar) weniger werthaltige tauscht, wobei dieser Tausch aber tatsächlich ein sehr verlusthaltiges Geschäft ist, indem eine hochwertige Sache gegen eine geringwertige eingetauscht wird, eines schnellen, jedoch nur scheinbaren Vorteils wegen.

Nach dem Genuss der Linsensuppe bilanzierte ich: Was ist denn eigentlich so schlecht an einer Linsensuppe?

Die Linse ( also solche ) ist seit Beginn des Ackerbaus schon bei den Menschen in der Neusteinzeit, also seit über 9.000 Jahren, eine der wichtigsten Nutzpflanzen, also lange vor Erfindung der „Bratcurry mit Pommes“. Bereits im alten Ägypten waren sie eines der Grundnahrungsmittel und auch in Palästina kannte man sie.

Jesus wird wohl eher auch mal Linsensuppe gegessen haben.

In der Regel wird sie hier mit Suppengrün und Mettwurst in einem Schuss Essig zur Suppe verkocht, es gibt unendlich viel Variationen, mit Fisch, mit Curry….

Ihr Geschmack ist immer wunderbar und hervorragend sättigend. Die Linse ist leicht verdaulich und hat einen sehr hohen Eiweißanteil, sie ist ein sehr wertvolles und preiswertes Nahrungsmittel.

Also, sie ist etwas wert!

Ich bin froh, dass ich keinen Zwillingsbruder habe und mein Job nicht mit solchen Strapazen verbunden ist, wie die Jagd, der sich Esau hingegeben hatte.

Wer weiss, was ich in vergleichbarer Fallkonstellation getan hätte, wenn es um eine Linsensuppe gegangen wäre…..

Linsensuppe ist einfach super lecker!!