…immer weniger Bock auf Bock!

Das Grundstück, auf dem das Haus meiner Familie in Ortsrandlage in dörflicher Umgebung errichtet worden ist und seit gut 20 Jahren bewohnt wird, wird von einem wunderschönen Naturgarten bedeckt und  abgerundet.

Dieser Garten ist mit viel Hingabe und Zugewandtheit,  sehr umsichtig und klug geplant worden und mit unterschiedlichsten Pflanzen, die zu einem Öko- oder Naturgarten gehören bestückt und bestockt.

Diese Pflanzen zeichnen sich  nahezu allesamt und besonders dadurch aus, dass sie eine hohe Qualität hinsichtlich Vielfalt und Lebensraumqualität für Insekten und Vögel darstellen, aber auch den Menschen durch abwechslungsreiche Blütentracht und Gestalt erfreuen.

Für Freunde und Bekannte der Familie, sowie einmal im Jahr im Rahmen der Veranstaltung „Offene Pforte“ für Gäste aus der Region ist dieser Garten für die einen ein Dorado des Naturschutzes, für andere vielleicht eher nicht.

So manch einer der letzten Gruppierung hat hörbar und vernehmbar nach Besichtigung desselben beim Herausgehen aus dem Garten Worte wie “… so etwas muss ich jetzt wirklich nicht haben…“ oder „…können die nicht einmal Ordnung im Garten machen…“ seine verbale Duftnote abgegeben.

In der Regel wird schon darauf geachtet, wer den Garten beträgt, meistens wird der Gast sogar mit einer Führung und auf Erläuterung zu den einzelnen Pflanzen gedacht.

Eines Tages suchte ein bis dato unbekannter und nicht eingeladener Gast mehr oder weniger regelmäßig den Öko- und Naturgarten immer wieder gerne auf.

Es handelt sich dabei um einen stattlichen Rehbock, der den Naturgarten offensichtlich nicht nur zum Lustwandeln und Betrachten betritt, nein vielmehr er nutzt ihn wohl mehr als Delikatessenladen oder persönliche Apotheke. So schreckt er bei seinem besonderen Genuss des Gartens, beispielsweise bei der Suche und Lokalisierung von Stauden und Kräutern keineswegs davor zurück, gezielt die ihm passenden und wohlschmeckenden Pflanzen zu sich zu nehmen. Schlauerweise hat er es vor allem  auf die Knospen abgesehen, also die Teile der Pflanze, die just in der Fortbildung gegriffen sind. Kluger und vernünftiger Weise schmaust er insbesondere die terminalen Knospen, und wenn eine sonstige Knospe eine Blüte hervorbringen würde, dann verspeist er Knospen vor der Öffnung der Blüte.

Na toll!

Da wartet man natürlich vergebens auf eine reichhaltige Blütenpracht!

Was macht man nun als naturbewusster Freund aller Tiere und Pflanzen?

Nun, wenn der Rehbock gesichtet wird, dann öffnet man leise und langsam die sich in den Garten öffnende Küchentür und ruft dem Rehbock ganz leise, freundlich, aber bestimmt zu: „…nu ist aber genug und jetzt kannst du wieder nach Hause gehen…“

Und das Schöne ist, dann macht er auch, wendet sich und trottet gemächlich durch das geflochtenen Weidentor hinaus zu seinem Stand.

Eine genauere Untersuchung und Analyse seines Speiseplans kann hier aufgezeigt werden:

Aquilegia vulgaris + Sorten  (Gewöhnl. Akelei), Aster dumosus  (Kissenaster weiß, Herbstaster), Chelidonium majus  (Schöllkraut), Epilobium angustifolium  (Schmalblättriges Weidenröschen), Galium mollugo  (Wiesenlabkraut), Geranium pratense  (Wiesenstorchschnabel), Geranium sanguineum  (Blutroter Storchschnabel), Geum rivale  (Echte Nelkenwurz), Knautia arvensis  (Wiesenwitwenblume), Melilotus alba und officinalis  (Gewöhnlicher und Weißer Steinklee), Papaver rhoeas  (Klatsch-Mohn), Potentilla recta  (Hohes Fingerkraut), Rosa gallica  (Essigrose), Rosa gallica Officinalis   (Apotheker-Rose), Rosa gallica Pumila  (Kriechende Essig-Rose), Rosa The Portland  (Damaszener Rose), Rosa x francofurtana  (Kreuzung R. gallica + R. majalis), Silene dioica  (Rote Lichtnelke), Silene viscaria  (Gewöhnliche Pechnelke), Silene vulgaris  (Taubenkropfleimkraut).

Nicht verzehrt werden: Alantarten, Großblütige Königskerze, Waldhainsimse, Quirlbl. , Salbei u. a. Salbeiarten, Aufrechter Ziest, Lavendel, Vergissmeinnicht, Farne, Zypresssen-Wolfsmilch, Sumpf-Wolfsmilch, Blutweiderich, Gem. Hornkraut,

Ist doch nett vom Bock, oder?

Nun zusammen gefasst kann man sagen: Unter diesen Umständen hab ich immer weniger Bock auf Bock!

Aber seit Monaten kommt er nicht mehr, auch schade!

 

Dieser Beitrag wurde unter Erlebnisse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>