Du hast einen Neujahrs-Vogel!

„Neujahrs-Stations-Renovierung“  oder  „Du hast einen Neujahrs-Vogel!“

Sylvester-2014/2015, Nachmittag: …..dieses Jahr soll es ruhiger angehen.

Freunden, die uns eingeladen hatten, Silvesterabend gemeinsam zu begehen und zusammen ins neue Jahr feiern, ist schon abgesagt worden.

So gesehen liegt ein gemütlicher Nachmittag vor mir.

Die maßgeblichen Grüße und Wünsche zum Jahresübergang sind bereits verschickt, entweder per E-Mail, Whats-App oder telefonisch ausgerichtet.

Ach ja, die Wohnung soll noch gesaugt werden, dann möchte ich mich zum Jahreswechsel auch noch ein bisschen schicker machen, obwohl ich ja mein Baumwoll-Holzfällerhemd über alles liebe. Aber in den Alltags Klamotten möchte ich dann doch nicht ins neue Jahr gelangen. Gibt auch nur strenge missbilligende Blicke!

Nachdem ich nun also die Wohnung gesaugt habe, Musikersachen und sonstige Klamotten aufgeräumt habe, führt mich mein Weg zum Hauswirtschaftsraum, wo zunächst Kater Mikesch sehnsüchtig auf seine bescheidene Futterration wartet. Seitdem er mehr als 7 Kilo wiegt, gilt für ihn „fdH“ (was mir übrigens auch gut täte). Er bekommt sein reduziert-rationiertes Futter-Kontingent.

Beim Blick nach draussen  realisiere ich das neue Vogelhäuschen, das als potentieller Remittent auf seine Verbannung zurück in den Discounter wartet, wo es erst vor wenigen Tagen erstanden worden ist. Nach Auffassung meiner Frau genügt es nämlich in vielerlei Hinsicht den Anforderungen einer guten Versorgung der unser Haus regelmäßig besuchenden Vogelschar nicht. Es sieht nett aus, ist aber nicht Vogel-tauglich!

Wie ich durch vorsichtige Befragung herausgefunden habe, sei einerseits der Dachüberstand zu gering und das Nachrutschen der Körner des Vogelfutters funktioniere auch nicht.

Ich will dieses verrückte Vogelhaus aber behalten. Mein Gestaltungswille erwacht! Noch eine gute Tat in diesem Jahr!!!

Daher verkünde ich den unabänderlichen Beschluss, dass ich mit am Rest des Jahres mit dem „Upgraden“ des Vogelhauses befassen werde.

Den Aspekt des zu geringen Dachüberstandes habe ich konstruktiv und gedanklich bereits gelöst. Mein forschender Blick in den Geräteschuppen fällt nach kurzer Zeit auf zwei Rippen eines ehemaligen Lattenrostes eines Bettgestells aus Buche, die in passender Länge aneinander gefügt ein hervorragendes Dach ergeben werden.

Gesagt, getan.

Ich zerteile die zwei Lattenrost-Rippen in drei gleiche Teile à 27,5 cm und fixiere sie mit einem Tacker so übereinander, dass sie ein regendichtes Dach bilden können.

 

 

 


Das alte Dach entferne ich,….. da entsteht ein neues Problem.

Wie befestige ich das neue Dach, so dass es vergleichsweise besser den Regen abhält, und neben großem Überstand das innen liegende Vogelfutter schützt?

Nun, dem Inschenschiör ist bekanntlich nichts zu schwör.

Ich schneide zwei Holzstäbchen zurecht, die ich Abfallholz gefunden habe, spalte sie hälftig in der Länge und befestige sie seitlich am vorhandenen Häuschen. Damit diese nicht durch Schrauben gesprengt werden, bohre ich natürlich mit einem 3-mm Holzbohrer entsprechend vor und werde dann letztendlich problemlos von der Unterseite das neue Dach befestigen können.

Prima, prima.

Die Optimierung des Futternachschubes fordert nun aber den ganzen, und nicht den halben, Ingenieur in mir heraus.

In das quadratische Innere des Vogelhäuschens möchte ich eine schiefe Ebene einbetten, damit das Körnerfutter durch sein Eigengewicht kontinuierlich zu den Futter-Öffnungen, respektive den wartenden hungrigen Schnäbelchen nachrutscht.

Ein Blick von oben in das Häuschen, drängt die Vermutung auf, dass es wohl nicht ganz einfach wird, eine Passform herzustellen, und dass es insbesondere in den Ecken nicht beim rechten Winkel bleiben wird.

Diese Aufgabe kann entweder durch praktisches Probieren oder durch zeichnerisches Studieren gelöst werden.

Was für eine Herausforderung!       Wunderbar!!!

Da das neue Jahr also noch ausreichend einige Stunden entfernt ist, entscheide ich mich, Zuflucht in meinen Grundkenntnissen der darstellenden Geometrie zu suchen, die mich vor ca. 35 Jahren zumindest  schon einmal sicher durch das Studium des Ingenieurwesens und insbesondere die Klausuren der darstellenden Geometrie geführt haben. Müsste auch hier klappen.

Also her mit Zeichenbrett, Transparentpapier, Millimeterpapier, scharfem Bleistift, Radiergummi und einem großen Tisch.

Es ensteht maßstabsgerecht der Grundriss des Vogelhäuschens, sein Aufriss, seine Seitenansichten. Sodann werden jeweils die wahren Längen der Seiten meiner gewünschten schiefen Ebene in die Flächen hineinprojiziert (Fläche schneidet Fläche in Form einer Geraden).

Nun kommt die Entwicklung der wahren Gestalt der schiefen Ebene, die mir dann später als Vorlage für ein entsprechendes Brettchen liefern soll, das ich in das Vogelhaus einfügen möchte.

Also her mit dem Stechzirkel und dem normalen Zirkel. Jetzt im Grundriss auf der diagonal liegenden Gerade wahrer Länge die orthogonalen Ordner-Linien in den Eckpunkten als Pfade angelegt, auf der die Eckpunkte der schiefen Ebene aus dem Grundriss zur wahren Lage wandern. Die wahren Längen der Seitenkanten entnehme ich aus dem Aufriss und beiden Seitenansichten. Nicht durch Zauberei sondern durch einfaches Drehen und Verschneiden entsprechender Kreise meines Zirkels und der Verbindung der Eckpunkte entsteht nun eine drachenförmige Figur, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit meine gesuchte wahre Gestalt der schiefe Vogelfutter-Körner-Rutsche-Ebene wird.

Ich schneide diese Figur aus Papier heraus und übertrage sie auf eine Holzfaserplatte. Die Drachenfigur ist schnell aus der Holzfaserplatte herausgesägt…

…jetzt steigt die Spannung zum Höhepunkt….Passt das Teil, oder passt es nicht?

Hurra, es passt!

von oben von unten fertig 

Ich glätte die Kanten des Teils noch mit einer Raspel, und füge dann das Teil ins Vogelhaus ein und will das Dach aufsetzen.

Halt, Stopp!

Irgendwie muss ja das Vogelfutter in das Häuschen, damit es dann von schiefen Ebene herunter aus den beiden halbkreisförmigen Öffnungen des Vogelhäuschens heraus rutscht, und  der gefiederten Schar zur Verfügung steht. Ich bohre eine kreisrunde Eröffnung in eine Seite des Vogelhauses, befestige das heraus gelöste runde Teil mit einer Klappe und stecke in die Mitte einen Dübel hinein.

lochen kleben fertig

Würde ich das offen lassen, überlegte sich womöglich ein Vögelchen, im Vogelhaus ein Nest zu bauen.

Es ist also kein Vogelhaus, sonder ein Vogelfutterhaus!

OK, haben wir das auch semantisch geklärt!

Jetzt steht der Vollendung nichts mehr im Wege.

Das Dach aufgeschraubt, ein Haken in die Mitte des Firstes, natürlich in Balance, und das sanierte Vogelhaus kann seiner ursprünglichen, nun aber optimierten Bestimmung, ohne Wenn und Aber übergeben werden.

So kann man ein Jahr auch zu Ende bringen.

Oder hätte ich lieber über Politik, doofe Politiker, die Weltlage oder Gender schreiben sollen?

Alles Gute für Euch!

Piep, piep! Ich hab Euch lieb!

Prosit!


Über Wolfgang Gemba

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