Bommel!

Diese Kälte neuerdings wieder: man friert, man schlottert, der Aufenthalt draußen wird auf ein zeitliches Minimum beschränkt.

In der warmen Stube denkt man an die Menschen und Tiere draußen, die sich bei diesen Temperaturen draußen aufhalten müssen. Wo schlafen die wilden Tiere bei dieser Kälte draußen? Was haben sie, um sich warm zu halten?

Ich bin draußen jetzt gut eingepackt mit Schal, Handschuhen, Anorak, warmen Schuhen unterwegs, meine Bommelmütze nicht zu vergessen!

Der Bommel als solcher gilt bekeidungstechnisch als Posament und dient lediglich dem Kleidungsschmuck.

Für die Herstellung von Posamenten gab es „Anno Tobak“ sogar einen eigenen Berufsstand, den edlen Beruf des Posamentierers. Die Berufsbezeichnung stammt aus dem Französischen „passementier“ und wird mit Bortenwirker übersetzt. Eine Glanzzeit erlebte die Posamentenherstellung durch die Kleidermode des Barock. Das Handwerk florierte in allen größeren Städten, wo Adel und Patriziat sich der Mode entsprechend kleideten.

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts hatte dieser Handwerkerstand so an Bedeutung gewonnen, dass sich seine Mitglieder zu einer regulären Gilde zusammenschlossen.

Bald kam es aber zu Konflikten mit den Knopfmachern, die sich zum Teil mit ähnlichen Materialien auseinandersetzten wie die Posamentierer.

1782 uferte in Celle bei den stolzen Posamentierern der Streit mit den Knopfmachern aus. Bürgermeister und Rat der Stadt Celle trugen die „Causa“ an die kurfürstliche Regierung in Hannover zur Entscheidung heran. Angesichts der endlosen Streitereien entschied man irgendwann in Hannover: „So haben selbige sich damit zu begnügen, und das Beziehen der Eicheln und Höltzer an den Quästen, insofern daßelbe mit der Hand und Nadel geschiehet, bloß den Knopfmachern zu überlaßen..“ und im Dezember 1785, „Uns mit weiteren Vorstellungen über diesen Gegenstand nicht weiter zu behelligen.“

Ich mag meine Bommel-Mütze.

Der Bommel ist wärmedämmtechnisch wirkungslos aber -ungeahnt- heute fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.

Im Gegensatz zur pinselförmigen Quaste ist der Bommel rund, also ohne Anfang und ohne Ende!

Ohne Bommel friert der Mützenträger auch oder je nach Kleidungspackung nicht, aber mit ihm fühlt er sich wohler, lustiger, fröhlicher!

Das macht auch warm!

Einmal erhielt ich von jemand aus Peine eine wichtige Botschaft: ein Bommel wurde gefunden, „…ist das Ihrer?“

Donnerwetter!

Das hatte ich gar nicht bemerkt, dass er ab war!

Aufgrund der Tatsache, dass ich tatsächlich auch manchmal gern grüße und mir zwischendurch Zeit zum Smalltalk nehme, war nicht zuletzt meine Bekleidung nebst Besonderheiten dort voll präsent. Wenngleich die Person Berufs bedingt viele hundert Personen des Tages trifft, war ihr der auf dem Boden herumliegende Bommel aufgefallen. Dieser wurde akquiriert und begutachtet, final mir als Mützenträger zugeordnet und verwahrt.

Was war ich froh, meinen Bommel wieder zu haben.

Gleichzeitig hatte ich wahrgenommen, wie sehr man doch unter Beobachtung steht, in diesem Fall mal ganz fürsorglich.

Das gab ein dickes Bommel-Dankeschön!

Durchblick!

Sie haben es nicht leicht. Aber: Ein Hauch von Nerd umweht sie alle, die sie besitzen. Je ernster das Gesicht, desto schwerer scheint sie.

Sie ist markant, groß, eckig, dunkel, meist schwarz, überdimensioniert und meist mit dickem Rahmen versehen.

Der Anschein vermittelt eine gewisse Strenge und Intellektualität, und, dass die Träger möglicherweise Computerfreaks, Sonderlinge oder Streber, wie z.B. Ingenieure, Architekten oder Designer seien.

Der wahrgenommene (mithin vermutlich scheinbare) Intelligenzquotient des Trägers soll sich sogar (vorübergehend) durch ihr stylisches Erscheinungsbild innerhalb von Milli-Sekunden um zig Punkte erhöhen.

Nicht nur Hans-Jürgen Wischnewski und Helmut Kohl mochten sie, auch Thorsten Schäfer-Gümbel, Alexandra Neldel, Madonna, Britney Spears, Scarlett Johannsson, Hugh Grant, Pixie Geldof, Julie Delpy, Woody Allen und Johnny Depp. Henry Kissinger trug sie, Westerwelle mag sie, Steinmeier auch, Norbert Röttgen ebenfalls, auch Reinhold Beckmann und Jan Hofer und sogar der zur Zeit unglücklich agierende Politiker Alexander Dobrindt haben nachgerüstet. Nana Mouskouri soll mit ihr zur Welt gekommen sein.

Sie ist so „in“, dass auch Personen ohne Fehlsichtigkeit zu ihr greifen, mit Gläsern ohne Stärke.

Der Blick darauf und daraus beruhigt nämlich.

Wenn die Welt aus den Fugen scheint und die Probleme randlos ausufern, sehnen wir uns nach Umrahmung und Grenzen.

Sie jedenfalls scheint Überblick und Durchblick einzuflößen, sie weckt Vertrauen.

Berater, die Trends genau studieren und ihre Leute dann entsprechend einkleiden, wollen glauben machen, dass die Träger damit etwas signalisieren, ein Zeichen setzen.

Wofür man früher in der Schule als Streber und Klugscheißer, gehänselt wurden, soll outfit-mäßig mit der Nerd-Brille für Selbstbewusstsein, Seriosität und Stärke stehen.

Geht es in Politik und Gesellschaft doch vordergründig um Profil und um Profilierung.

Mit den randlosen Brillen zeigt man angeblich Konturlosigkeit, mit der Nerd-Brille jetzt hebt man sich ab, strahlt Entscheidungsfreude aus, sagen Brillenverkäufer.

Getoppt wird der Look final als Studentenlook zur Nerd-Brille: weite Jeans, legeres T-Shirt und je nach Wetter vielleicht noch ein Schal – fertig ist mit dem gewissen Hauch von Intellektualität die Geek Chic Fashion!

Aber Achtung: Trauen Sie keinem Brillenverkäufer, der ein abgefahrenes Trendmodell trägt!

Mit meiner Nerd-Brille gehöre nun wohl auch zwangsläufig dazu!

Oh weh! Ich fange an, meine alte randlose Brille zu vermissen!!

Linsengericht!

Am letzten Oktobersonntag war ich eingeladen, den „Männersonntag“ in der Friedenskirche hier in der Region mit zu gestalten.

Die Predigt handelte von der biblischen Geschichte der Zwillingsbrüder Jakob und Esau des Buches Genesis.

Esau war Erstgeborener, sein Zwillingsbruder Jakob kam nach ihm zur Welt. Esau wurde ein umtriebiger Jäger, während Jakob „in den Zelten blieb“. Der hungrige Jäger Esau bat einst seinen Zwillingsbruder Jakob, als er erschöpft von der Jagd zurückkehrt war, vom „roten (Linsen)Gericht“ essen zu dürfen. Jakob gab Esau Brot und das Linsengericht, verlangte jedoch im Gegenzug das Erstgeburtsrecht. Esau willigte mit Schwur auf diesen Handel ein und bekam vom Bruder zu essen und zu trinken.

Für ein Linsengericht verkauft Esau somit sein Erstgeburtsrecht an seinen Zwillingsbruder.

Sein physisches Verlangen überwog den Wert des wichtigen Erstgeburtsrechtes.

Fußend auf dieser Geschichte verbindet man mit dem Begriff „Linsengericht“ auch eine nahe liegende begehrenswerte Sache, die man leichtfertig gegen eine andere tauscht. Dieser Tausch ist jedoch ein sehr verlusthaltiges Geschäft, weil eine sehr hochwertige Sache eines schnellen Vorteils wegen gegen eine sehr geringwertige eingetauscht wird.

Die Geschichte von Jakob und Esau ist äußerst facettenreich und tiefgründig.

Am Ende der Erzählung kommt es Jahre später zur Versöhnung zwischen den Brüdern, Esau verzeiht Jakob den Betrug.

Diese Geschichte von Verrat und Täuschung in einer Familie und unter Brüdern hat mich immer schon berührt.

Abgesehen davon gehören Linsengerichte zu meinen Lieblingsspeisen.

Die Linse ist seit über 9.000 Jahren eine der wichtigsten Nutzpflanzen, also lange vor Erfindung der „Bratcurry mit Pommes“, die es z.B. regelmäßig wie die Linsensuppe auf dem Weihnachtsmarkt zu Peine gibt. Die Linse ist leicht verdaulich und hat einen sehr hohen Eiweißanteil, sie ist ein wertvolles und preiswertes Nahrungsmittel. Bereits im alten Ägypten war sie ein Grundnahrungsmittel. Hierzulande wird sie gern mit Suppengrün, Mettwurst und einem Schuss Essig zur Suppe verkocht. Es gibt sie in unendlich viel Variationen, mit Fisch, mit Curry…

Ihr Geschmack ist immer wunderbar und hervorragend sättigend.

Ich bin froh, dass ich als ältester Bruder mehrerer Brüder keinen solchen Zwillingsbruder wie Jakob habe und mein Job nicht mit solchen Strapazen verbunden war, wie die Jagd, der sich Esau hingegeben hatte.

In vergleichbarer Fallkonstellation, zumal wenn es um eine Linsensuppe gegangen wäre, stand ich auch nicht, Gott sei Dank!

Aber ist es nicht so? Ein Linsengericht ist einfach super lecker!!