Wie ich der gewesen und geworden bin, der ich vielleicht (oder auch nicht) sein wollte oder werden wollte?

Kürzlich überkam mich der Gedanke angesichts meines Alters von 63 Jahren, was ich alles schon erlebt habe in all den zurückliegenden Jahren, was man mir zugeschrieben hat,
und was ich wohl mit dem Rest meines Lebens machen will, wenn es mir denn vergönnt ist.
Ich denke, das sind alles Rollenzuschreibungen von aussen, denen man unterliegt, aber gefühlt ist man mehr als die Summe dieser Bezeichnungen, oder?
Daraus hat sich folgende putzige Liste von Zuschreibungen ergeben, die Rollen entsprechen, in die man mich hineingedacht hat, oder die ich selber wollte….
Ich war also schon mal…
Abiturient
Alt
Angeber
Angestellter
Angler
Arbeiter
Autofahrer
Baby
Bahnreisender
Bass-Chorsänger
Bau- und Umweltdezernent
Bauassessor
Baudirektor
Bauingenieur
Baurat
Berühmtheit
Beschenkter
Besitzer
Biertrinker
Biker
Bootsführer
Bruder
Chinamanager
Diplom-Ingenieur
Dozent
E-Bassist
Ehegatte
Eigentümer
Fanfarenbläser
Flügelhornist
Flugreisender
Freund
Führungskraft
Funker
Gärtner
Gast
Gastgeber
Gefreiter
Gehasster
Geliebter
Geschlagener
Gewinner
Gitarrist
Hilfsarbeiter
Hörer
Jäger
Kamerad
Kindergartenkind
Kinobesucher
Klient
Klimaschützer
Kommilitone
Komparse
Kreisrat (B2)
Kreisrat (B3)
Landratskandidat
Lehrbeauftragter
Leitender Baudirektor
Leser
Liebender
LKW-Fahrer
Mentor
Mieter
Mitarbeiter
Oberbaurat
Onkel
Opa
Optimist
Parteifreund
Patient
Pessimist
Politiker
Praktikant
Programmierer
Regierungsrefrendar
Rollerfahrer
Rollschuhfahrer
Säugling
Schenker
Schläfer
Schreibender
Schütze
Skifahrer
Sohn
Sopran
strategischer Berater
Student
Teetrinker
Tenor
Tourist
Trompeter
Umweltschützer
Unteroffizier
Unteroffiziersanwärter
Vater
Verlierer
Verprügelter
Vorgesetzter
Wanderer
Wasserwirtschaftler
Webmaster
Weintrinker
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Wie ich plötzlich Kommissar wurde!

Wer wollte nicht immer schon mal als Kommissar in einem Krimi mitwirken!?!

Vor einiger Zeit ergab sich für mich ganz überraschend die Gelegenheit, als Komparse im 1000. Tatort (“Taxi nach Leipzig”) mitzuwirken. Über eine Casting-Agentur war eine Anfrage an einen guten Bekannten versendet worden, der sich -als mein Trompetenlehrer- offensichtlich an mein schauspielerisches Talent erinnert hatte und die Anfrage an mich weitergeleitet hatte.

Die zwei Drehtage, für die ich mich dann bewarb, sollten im “Hotel am See” in Salzgitter stattfinden, das für die Handlung zu einem Tagungsort für Lehrgangsteilnehmer der Polizei umfunktioniert werden sollte, der im Film aber nach Hannover verlegt wird.

Den Titel dieses Krimis gab es übrigens schon einmal, nämlich 1970.  Die Rahmengeschichte soll davon handeln, dass der Kieler Ermittler Klaus Borowski (Axel Milberg) und sein Kollege Sören Affeld (Trystan W. Pütter) bei einem Polizeikongress auf ihre Hannoveraner Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) treffen. Nach der Veranstaltung am Tagungsort steigen die drei gemeinsam in ein Taxi, dessen Fahrer eigentlich keine Fahrgäste mitnehmen will. Denn der Fahrer -ein Ex-Elite-Soldat- ist auf dem Weg nach Leipzig zu seiner Ex-Freundin, um diese von ihrer Hochzeit abzuhalten. Während der Fahrt kommt es zum Streit im Taxi und der Fahrer erschießt Affeld und nimmt Lindholm und Borowski als Geiseln.

Die Drehtage in Salzgitter, an denen ich teilgenommen habe, bezogen sich allein auf den Polizeikongress und einige Geschehnisse dort.

Spannend war zunächst die Information, dass Maria Furtwängler als Ermittlerin “Charlotte Lindholm” und Axel Milberg als Ermittler “Klaus Borowski” die Hauptakteure sein sollten und zugegen sein sollten. Zusätzlich wurden noch weitere Akteure dazu avisiert, so u.a. Peter Hallwachs (77) und Günter Lamprecht (85) und einige andere.

Produzenten dieses “Tatorts” sind Georg Feil und Dagmar Rosenbauer (Cinecentrum), die Redaktion haben Christian Granderath und Christoph Pellander

Warum sollte ich nicht mitmachen, waren meine spontanen Gedanken. Ich habe immer schon Freude daran gehabt, etwas Neues auszuprobieren, in eine neue Welt hinein zu schauen und eine komplett andere Atmosphäre auf mich einwirken zu lassen.

Gesagt getan… auf ging es nach Salzgitter….!!

Ich kam mit meinem Bekannten in Salzgitter Samstag in der Früh an und traf auf ca. Dutzende weitere Komparsen ( 80 bis 150 insgesamt) , die alle erst einmal in einen Vorbereitungsraum geführt wurden, um dort u.a. ihre mitgebrachte Kleidung (3 Kombinationen waren vorgeschrieben) einer strengen Musterung durch eine Kleidungsmanagerin (man verzeihe mir den unfachmännischen Ausdruck) unterzogen wurden. Selbstverständlich hatte ich mich zu Hause erst einmal von meiner Ehefrau beraten lassen, die diesbezüglich einen unfehlbaren Blick für das hat, was mir steht und was nicht. Entsprechend vorbereitet fand meine Garderobe locker Gnade vor den gestrengen Augen der Kleidungsmeisterin. Die Ansage war, sich nun genau zu merken, was man am 1. und 2. Drehtag anzog, um bei den Dreharbeiten nicht durch ständig wechselnd Klamotten aus dem Bild zu fallen.

Wir waren als Kommissare auf Lehrgang bestimmt, es wurden Namen verteilt und als Schildchen an die Kleidung geklebt, interessanterweise bekam ich zwei Namensschildchen, eines für die eine Szene, das andere für die andere Szene.

So wurde ich zum Kommissar, fühlte sich nicht schlecht an!!

Daneben wurden und diverse Bögen ausgefüllt und die Personalien ausgefüllt. Nun gut, nach einigen Ansagen und Ermahnungen, u.a. keine Bilder vom Set zu machen, die Smartphones auszuschalten (was niemand tat)…und vor allem ruhig sein (einfach mal die Klappe halten) warteten wir Komparsen auf weitere “Befehle”.

Während dieser Zeit warf ich vorsichtige Blicke auf die übrigen Komparsen und konnte kein besonderes Schema erkennen, nachdem diese Truppe zusammengestellt worden war. Weder waren offensichtlich das Alter, die Fülle an Leib und Haaren auf dem Kopf, weder waren Schlankheit, noch das Geschlecht, die Hautfarbe oder Sprachkenntnisse oder Schönheit und Anmut entscheidend gewesen. In meinem näheren Umfeld fielen mir schnell etliche Damen und Herren auf, die durch laute Unterhaltung und gelegentlich lautes Gelächter offensichtlich erfahrene Komparsen-Routiniers waren, und locker drauf zu sein schienen. Wie ich schnell herausfand, machten sie dies nicht zum ersten Mal, wie es überhaupt einen ganzen Schwarm von Menschen gibt, die quer durch ganz Deutschland reisen, um bei möglichst vielen Filmen als Komparsin oder Komparse mit zu wirken. Vermutlich auch um “entdeckt” zu werden!?! Manche Damen und Herren waren außergewöhnlich aufwändig geschminkt und vermuteten womöglich, sie selbst seien die Stars. Von anderen wurde hinter vorgehaltener Hand über diese und jene etwas berichtet, und hämisch getuschelt…. Von wieder anderen erfuhr ich, dass sie bei “Rote Rosen” oder GZSZ häufiger gecastet worden seien….

Nun, da war ich natürlich ein blutiger Anfänger.

Wesentlicher Gegenstand der Berichte dieser “Koryphäen” im Komparsendialog war dann auch, möglichst beeindruckende Begegnungen mit den Größen der Schaulspielerzunft zum Besten zu geben, um eindrucksvoll den Glanz eigener Grandiosität markant abzurunden.

Auch wenn ich mit derlei Erfahrungen (noch) nicht aufwarten konnte, ließ ich mir den Spaß an der Sache nicht nehmen und erwartete spannungsvoll den weiteren Verlauf der Dinge.

Irgendwann, nach mehr als zweistündiger Warterei wurden wir aufgerufen und durch die Haupt-Assistentin des Regisseurs, eine ältere, sehr resolute aber gleichwohl unglaublich freundliche und hochprofessionell arbeitende ältere Dame für die Dreharbeiten vergattert. Sie bedankte sich freundlich für die Mitwirkung und wies die Komparserie an, ruhig zu sein und den Anweisungen unbedingt und konsequent Folge zu leisten. Man dürfe auch überall hinschauen, nur nicht in die Kameras. Zudem solle man die Hauptdarsteller nicht behelligen, schon gar nicht durch Selfies oder Autogrammbitten nerven.

Nun gut, wie ich später merkte, hielt sich nur ein Teil daran, etliche versuchten ihre persönliche “Selfie-Sammlung” dann im Laufe des Tages “heimlich” zu füllen.

Wo man auch hinschaute, überall war die Location mit Technik und Menschen gefüllt.

In zwei Gruppen aufgeteilt, die sich entlang eines schmalen Ganges aufzustellen hatten, erwarteten wir dann den Beginn der Dreharbeiten.

Im Gang selbst war auf der einen Seite ein Buffet arrangiert war, auf der anderen Seite fiel taghell Licht durch die mit Glasbausteinen durchsetzte Wand. Den Grund der Helligkeit dafür erfuhr ich bald: unabhängig von der Außenbeleuchtung durch starke Lampe erhellt kann man so in der Location auch drehen, wenn es draußen dunkel ist.

Nach kurzer Einweisung “Jeder nur ein Schnittchen und ein Getränk” baute sich dann nach und nach jeweils an Standtischchen ein Dreiergrüppchen auf, das Kamerateam mit reichlich Personal wuselte herum, an jeder Ecke stand ein Gerät, und in einer Ecke saß ein Team und schaute in eine Art Fernsehgerät.

Irgendwann ging dann ein Raunen durch die Komparserie, denn die Stars, Frau Furtwängler und Milberg betraten die Szenerie. Während Milberg lässig schlendernd an den Komparsen vorbeizog, nach hier und da grüßte, stand Madame für sich, abgewandt und ließ sich von ihrer persönlichen weiblichen Make-up-artist (Maske kämmen und schminken… hatte im Übrigen eher wenig Neigung, dem gewöhnlichen Volk die Huld oder Gunst zu erweisen. In der Komparserie war man sich schnell einig, Milberg ist nett und Furtwängler, naja… vorsichtig gesagt …nicht so nett…

Sei es drum, irgendwann hieß es dann 1. Szene, die Klappe fiel und der Dreh ging los…

Die Kommandos lauteten jeweils wie ”Ruhe bitte…..Dreh ab…..Ton läuft….Szene 4, die 8…. uund BITTE!!”, und dann ging es in die Vollen.

Milberg reihte sich in der ersten Szene, an der ich mitwirken durfte,  in eine Schlange vor und hinter Komparsen am Buffet ein, zog sich ein Getränk und einen Keks, während Furtwängler die Schlange am Ende gleich überholte und sich bei Milberg zum Buffet durchhangelte…

Zwei Komparsen und ich standen mit vielen anderen jeweils grüppchenweise je an einem Stehtisch und hatten jeweils ein Getränk und ein Teller mit einem Schnittchen….

Unsere Aufgabe war es, so zu tun, als unterhielten wir uns als Teilnehmer in einer Pause eines Lehrganges einer Polizeiakademie und sollten den Getränken und Schnittchen zusprechen.

Irgendwann war die Mini-Szene gedreht und der Pulk um den Regisseur bewegte sich zum “Fernsehgerät”, um das eben erzeugte Produkt anzuschauen. Frau Furtwängler wurde neu hübsch gemacht… und dann hieß es, die Szene wird nochmal gedreht….

Da etliche von uns Komparsen am Getränk genippt hatten und unvorsichtigerweise ins Schnittchen gebissen hatten, musste das neu hergerichtet werden, also Gläser waren aufzufüllen und frische Schnittchen wurden hingelegt…

Same procedure…. ein drittes Mal, ein viertes Mal …ein fünftes Mal, ein sechstes Mal………ein elftes Mal…  es zog sich hin…. Für die Raucher unter den Komparsen eine harte Sache!

Für die Kollegen, die jedes Mal in ein Schnittchen gebissen hatte, wurde das ab dem sechsten Mal dann irgendwie auch anstrengender.  Ihnen wurde das alte Schnittchen weggenommen und ein frisches, neues hingelegt. Ich hatte mich von Anfang an nur an ein Glas Wasser bestellt und mich daran gehalten und nur dran genippt, ein großer Vorteil beim Ausharren, wie sich herausstellte.

Bewundernswert mit welcher Ruhe der hochgewachsene, schlanke und mittelalte Regisseur das Geschehen steuerte und lenkte. Mit ruhigen langen Schritten, leicht nach hinten gebeugt, wandelte er jeweils hin und her und gab Anweisungen und Kommentare zu seinem emsigen Schwarm. Seine Assistenz wirbelte dafür umso mehr herum. Zum “Bienenschwarm” gehörten etliche jüngere Leute, die mit Funksprechgerät, großen Schlüsselbunden am Gürtel, sehr legerer Kleidung und außergewöhnlichen Haarschnitten, sie wuselten nach unergründlichem Plan mit cooler Haltung und wichtigster Miene immer wieder durch das Geschehen, und nahmen Handlungen zum Gelingen des Sets vor, deren Sinn oder Zusammenhang sich so gewöhnlichen Menschen, wie mir als Komparsen auf den ersten Blick nicht weiter erschloss. Macht ja nix!

Irgendwann war dann die Szene zur Zufriedenheit des Regisseurs abgedreht und wir Komparsen waren entlassen für eine Mittagspause. Ich kann nur sagen, es gab an beiden Tagen ein sehr ordentliches Essen, heiße Suppen, zwei zur Auswahl und zwei verschiedene Gerichte.

Nach dem Essen hieß es sich ausruhen, sowie die vormittags durch die Kleidungsfee bestimmte zweite Kleidungsgarnitur anzuziehen und auf weitere Anweisungen zu warten.

Nach etlichen Viertelstunden hieß es dann wieder „Komparserie mitkommen“ und der ganze Schwarm ergoss sich aus dem Ruheraum die Treppen hinunter und wurde in einen großen Saal gelenkt, der dann für den Rest des Tages und am nächsten Tag der Drehort sein sollte.

Wie bei einem Seminar waren Stuhlreihen aufgebaut und vorne stand ein Rednerpult hinter dem Plakate standen. Ein Beamer warf  Charts an die Wand, auf denen etwas über Kriminaltheorie zu lesen stand.

Schnell versuchte man als Komparse einen Platz in den möglichst vorderen Reihen zu ergattern, in der Hoffnung dann auch aufgenommen zu werden. Nachdem sich der Schwarm der Komparsen gesetzt hatte wartete man. Die meisten hatten aber die Rechnung ohne die Haupt-Assistentin des Regisseurs gemacht die mit kritischem Blick die Sitzenden musterte und reichlich Umbesetzungen vornahm, deren innere Regie und Ausrichtung uns Komparsen aber verborgen blieb.

Im weiteren Verlauf des Geschehens bauten sich dann um uns herum, in mehrfacher technisch-konstruktiver Kamerasituation auf, wo Schienen verlegt wurden, wieder abgebaut wurden, Stuhlreihen geteilt wurden, wieder zusammengeführt wurden etc….

Neugierig warteten wir in Stuhlreihen gepferchte Komparsen auf den weiteren Gang der Dinge….

Sodann kam ein Schauspieler und trat vor uns und rezitierte als Kriminalexperte einen unglaublich komplizierten Text, ohne sich auch nur einmal zu versprechen. Für die zigfache, jeweils fehlerfreie Wiedergabe des enorm schwierigen Textes bekam er wiederholt von den Komparsen spontanen Beifall.

Nach dem ersten Szenedreh steckte das Filmteam die Köpfe zusammen und beriet sich, mit dem Ergebnis noch einmal alles neu zu drehen….

Das wiederholte sich mehrere Male, bis dann der Regisseur entschied, die Stuhlreihen und die Komparsen neu zu ordnen und die Szene komplett neu zu drehen, aber natürlich mehre Male….

Während seines Vortrages in freier Rede schaute der Referent uns an, aber gelegentlich auch mit leicht verstörtem Blick über unsere Köpfe hinweg zur Tür, wo Milberg stand…. und zuckte merklich zusammen, sobald er diesen wahrnahm.

Irgendwann war das auch abgedreht und wir Komparsen wurden zum Feierabend entlassen.

Am nächsten Tag standen wir morgens zunächst wieder unter der Fuchtel und kritischen Beobachtung der Kleidertante, die peinlich darauf achtete, dass wir dieselben Klamotten angezogen hatten, die wir am Nachmittag des Vortages getragen hatten.

Wir nahmen wieder dieselben Plätze ein, die wir am Vortag eingenommen hatten und harten der Dinge, die da kommen sollten.

An diesem Tag sollte Günter Lamprecht einen Vortragt halten…Waren schon die Vorbereitungen aufwändig, indem sich alle Komparsen mit derselben Kleidung am selben Platz einzufinden hatten und dies etliche Zeit in Anspruch nahm, wurden auch hier mit verschiedenen Szeneneinstellungen die Geduld der Schauspieler und Komparsen redlich auf die Probe gestellt.

Günter Lamprecht meisterte, obwohl betagt, absolut professionell und souverän seinen Part. Er musste vorlesen, und es war ein Genuss seinen immer noch beeindruckenden Stimmen zuzuhören.

Nachmittags waren dann kleinere Szenenteile zu absolvieren. In einer Einstellung hatte man die Kamera vor der ersten Reihe auf Schienen aufgebaut und in Folge dessen war höchste Konzentration für die Komparsen geboten, denn die Kamera fuhr die Reihen frontal an und schaute durch die Reihen durch. Da war unverwandter Blick nach vorne, ohne Zappeln und Hinschauen, durch die Kamera hindurch….

Am Ende des Drehtages ließen sich dann etliche Schauspieler hin und “erlaubten” den Fans = Komparsen Bilder mit den Smartphones zu schießen und genossen die Bewunderung.

Tja, insgesamt waren das zwei spannende Tage, an denen man die Mühsal und die Komplexität der Entstehung eines Filmes zu Teilen mitbekommen konnte.

Resümee :

Das Geschehen bei der Herstellung eines Filmes ist aufregend, ein unglaublich kreativer Akt. Es ist aber mit enormer Anstrengung und Disziplin für alle Beteiligten verbunden, harte Arbeit, die einem viel Respekt abnötigt. Als Komparse hat man die komfortable Lage, dass man Beobachter und Mit-Akteur zugleich ist, also Genuss und Spannung zugleich. Es macht Spaß in eine andere Rolle zu schlüpfen, sich quasi neu zu entwerfen und zu entdecken.

Ich würde es wieder tun.

P.S.

Und wie der Zufall es wollte, habe ich für Samstag, den 09.April eine neue Bestellung als Komparse in Hannover in einem Film “Plötzlich Türke” bekommen….

Warum nicht!!!

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Tod -Teufel -Terror

Ist die Welt ein Ort von Mord und Terror?

Wenn man dem aktuellen Medienhype folgt, geht es uns jetzt durch Terror womöglich richtig an den Kragen.

Mal langsam: Um von einem Terroristen abgemurkst zu werden, bedarf es einer Ereignis-Kombination, deren Wahrscheinlichkeit bei weniger als 1:1.000.000 liegt.

Betrachten wir andererseits Folgendes: Jährlich kommen in Deutschland rd. 8.000 Menschen durch Haushaltsunfälle, rd. 5.400 Menschen durch Verkehr, rd. 1.200 Menschen durch Mord und Totschlag (häufig infolge einer Beziehungstat) ums Leben.

Allgemeine Panikmache, insbesondere verschwurbelt mit der Flüchtlingsthematik, hilft nicht weiter. Die Wahrscheinlichkeit, unfreiwillig aus dem Leben zu scheiden, ist zu Hause, im Verkehr und durch eine Beziehungsproblematik wesentlich höher, als durch den dunklen Bartträger, der da eben um die Ecke auf mich zu kommt.

Leider lässt sich der emotionale Teil unseres Gehirns vom aktuellen medialen Berichtssturm allzu leicht in eine dunkle monströse Grusel-Kammer jagen, was den bösen Terrormann freut.

Bleiben wir lieber wachsam, halten zusammen und setzen uns für unsere Werte, wie Solidarität, Humanität, Toleranz, Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie ein, gleich wird es in Kopf und Herz wieder licht und frei und weniger voreingenommen!

 

 

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Mein Ochsenweg 12 (26.10.2015) 85 Km Radtour von Bochum über Duisburg nach Düsseldorf und dann (27.10.2015) per Bahn und Reststrecke nach Hause (20 km)

Ruhr-GebietDas Ruhrgebiet, der “Ruhrpott”; hier bin ich aufgewachsen, und ich fühle mich jetzt -nach vielen Jahren- immer noch irgendwie zu Hause hier.

Hier wohnen rd.  5 Millionen Menschen auf einer Fläche von fast 4.500 qkm, zweimal so groß wie das Saarland,  und wenn man das Metropol-Umland hinzu zählt, fast zehn Millionen Menschen auf 7.000 qkm, mehr als in ganz Niedersachsen.

Den Namen hat der “Ruhr”Pott von der am südlichen Rand verlaufenden Ruhr.  Die großen Städte entwickelten sich bereits im Mittelalter entlang des westfälischen Hellwegs (Hell kommt von Salz),  durch die  Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert wuchs der Raum zu seiner Größe zu einem so genannten polyzentrischem Verdichtungsraum auf und war als “Schmelztiegel der Nationen” infolge der aus ganz Europa zuströmenden Arbeitskräfte ein nationaler Anziehungspunkt und stehender Begriff.

Irgendwo verspürt man auch heute noch die Aufgeschlossenheit und Lockerheit gegenüber anderen Kulturen und Menschen mit Wanderungsgeschichte. Ich fühle mich deshalb hier besonders wohl.

Die Bundesstraße B1 verläuft mitten durch das Ruhrgebiet, übrigens auch durch meine jetzige Wohnregion,  und ist eine über 2.000 Jahre alte Handelsstrasse, von der niederländischen Grenze bei Aachen im Westen bis zur polnischen Grenze in Küstrin-Kietz an der Oder im Osten.

RuhralleeDie B1, der Hellweg, bzw.  die Via Regia folgt einer uralten Handelsroute, die von der belgischen Nordseeküste beim früheren Hafen Brügge bis in die russische Stadt Nowgorod führte. Auf dieser Route wurde schon vor 2000 Jahren Handel getrieben. Ptolemäus (100–175) erwähnt die Straße schon als eine alte Heer- und Handelsstraße. Salz und Ackerbauprodukte bestimmten den Verlauf der Straße ( „Hellweg“, „Handelsweg“ oder „Salzhandelsweg“).

 

Meine letzte Strecke beginnt um 9:00 Uhr, nach einem herrlichen Frühstück bei der Familie meines Bruders, und führt mich bei schönstem Sonnenschein und bestem Wetter nach Westen, größtenteils auf am Hellweg entlang.

Unterwegs realisiere ich, dass ich auch auf einem Pilgerweg unterwegs bin….

PilgerwegDurch das Ruhrgebiet zu fahren, heißt durch eine einzige urbane Situation zu reisen, man merkt es nicht, wann die eine Stadt aufhört und die nächste anfängt.

Im Ruhrgebiet wurde früher “Kohle gemacht”, die entlang der Ruhr an der Oberfläche in Form vieler ”Flöze” ausstreicht und sich nach Norden absenkt. In Höhe der Lippe liegen die Flöze in einer Tiefe von 600 bis 800 Meter, ihre Mächtigkeit liegt durchschnittlich bei ein bis drei Meter. Von ihnen waren und sind allerdings nur ca. 70–80 Flöze abbauwürdig.

Am Nordrand, so bei  Marl, liegt die Kohle etwa 1500 Meter tief, da war ich ja gerade am Vortag.

Ansonsten ist das Ruhrgebiet mehr als bekannt durch seine Industriegeschichte, seine industrielle Bedeutung im Bereich der Montanindustrie, aber auch durch seinen mehr oder weniger gelungenen Strukturwandel und seine an kulturelle Vielfalt, nicht zu vergessen, den “Kumpel” und den “Taubenvatta”.

Ich passiere das Ruhrgebiet relativ zügig und erreiche nach gut 2 1/2 Stunden Reisezeit bei km 50 den Rhein, wo ich mir eine Pause in herrlicher Lage an den Ufern dieses mächtigen Stromes gönne.

RheinpauseIch werde weiterhin durch bestes Wetter und gute Radwege verwöhnt.

Gegen Mittag erreiche ich Duisburg-Rheinhausen, meine Zwischenstation von heute, wo der leider viel zu kurze Besuch meiner beiden kleinen süßen Enkelchen Marek (2) und Milan (1) mit ihrer Mutter ansteht.

Dui Rheinhausen

Und schon geht es weiter, denn ich will noch vor Einbruch der Dämmerung Düsseldorf erreichen, wo abends eine kleine bescheidene Geburtstagsfeier mit meinem Sohn ansteht.

Wiederum überquere ich den Rhein, auf eine beeindruckenden Stahlbrücke, die mich als Ingenieur allein schon wegen Ihrer Konstruktion in den Bann schlägt.

Stahlbrücke DUI

 

Es wird Abend und ich halte noch einmal bei km 75 inne und genieße einen Augenblick der Ruhe und schaue dem verlöschenden Abendlicht nach.

abend

Endlich, gegen nach fast 10 Stunden Reisezeit, bzw. rd 5 Stunden reiner Fahrzeit und bei km 85 komme ich im mitten in einem dunklen Wald an der Herberge an, wo ich nach kurzer Erfrischung im Kreise meiner Familie mit meinem Sohn seinen Geburtstag feiere.

Nun ist meine Radreise schon fast zu Ende….

Am nächsten Tag geht es 9 km durch das sonnige Düsseldorf  …

rather broichzum Bahnhof…

DüHabfDüHbf2

und von dort im IC Klasse 1 (man gönnt sich ja sonst nichts) ….

DüHbf3

… inkl Fahrrad

IC 1920

…nach Hause

Menno, wann geht die nächste Radreise an!!!!!

 

 

…FORTSÄTZUNG FOLGT:::

 

 

 

 

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Der Schuh des Anstosses

Auf meiner  gut 14-tägigen Radtour in 2015 von Flensburg nach Düsseldorf habe ich viel Gelegenheit, sinnierend vor mich hin zu radeln, Kilometer und Kilometer, Stunde um Stunde, Tag für Tag…

Und dabei verliert sich mein Blick, zuvörderst auf die Landschaft, richtet sich vom unerlässlichen Augenmerk auf den Radweg wiederholt aufs Navi und zurück,

…und nicht zuletzt schweift der Blick ziellos auf die den Radweg begleitende Struktur, so auf die Bebauung, auf Zäune, auf  Bäume, auf Sträucher und entlang von Straßen unwillkürlich auch auf das so genannte Straßenbegleitgrün.

endlos MS

Mal kommt es kurzgeschoren daher, mal fällt es steil als Grabenböschung ab, immer ist es eine Senke, eine Fundgrube, für alles, was die sich bewegende, reisende, fahrende und wandernde Menschheit nicht für nötig hält, weiter auf die Reise mit zu nehmen.

In den ersten Tagen nehme ich es gar nicht so richtig wahr, da liegen neben Fastfood-Verpackungen, und Plastikmüll, teilweise volle Müllsäcke, auch Taschen, Beutel und sogar Bekleidungsstücke, wie Mützen und Jacken, Handschuhe… alle lieblos oder achtlos fortgeworfen.

Viele dieser Teile regen mich innerlich an, über die Geschichte dieser Gegenstände nachzudenken, wo und wie sie hergestellt worden sind, welchen Nutzen sie zeitweilig gehabt haben und ich frage mich, warum und unter welchen Umständen sie fortgeworfen oder verloren gegangen sind.

Handschuh

Ab und zu sehe ich auch einzelne Schuhe, anfangs beachte ich sie kaum… in der zweiten Woche massiert sich das eigenartigerweise, so dass ich an einem Tag gut nach und nach ein halbes Dutzend Schuhe, natürlich Einzelschuhe, am Straßenrand liegen sehe…

Irgendwann fange ich an, mir vorzunehmen, mal den einen oder anderen Schuh zu knipsen, tja, und dann kommt natürlich keiner…

Erst am vorletzten Tag, ich sause gerade bergab, erhasche ich im Augenwinkel einen Schuh, bremse, halte an, kehre um und mache ein Foto:

Schuh21

Ich frage mich, was hat der Besitzer des Schuhes gemacht, als er den Schuh verlor…

Ging es ihm wie Aschenputtel, die auch den Schuh verlor, und nachdem ihre bösen Schwestern trotz Teilamputation ihrer zu großen Füsse dem Prinzen nicht den passenden Fuß zum verlorenenen Schuh vorlegen konnten, zur Königin wurde, weil sie denn passenden Fuß zum Schuh hatte?

Oder ist es gar der Schuh des Manitu? Manitu galt bei Indianern als das Allumfassende Geheimnis bzw. die Große Kraft, die in allen Wesen, Dingen, Tätigkeiten und Erscheinungen wohnt? Oder der Berg mit Höhle, in welcher ein Schatz versteckt ist und den Santa Maria findet?

Eher wohl nicht.

Und warum wurde er verloren oder weggeworfen…?

In der arabischen Welt kann mensch mit kaum einem Kleidungsstück mehr Verachtung ausdrücken als mit einem Schuh: er gilt als Inbegriff von Unreinheit und Schmutz. Als die  Statue Saddam Husseins 2003 in Bagdad stürzte, bewarfen wütende Iraker das Denkmal u.a. mit Schuhen. 2008 war es US-Präsident George W. Bush, der in Bagdad bei einer Pressekonferenz vor einem Paar heranfliegender schwarzer Herrenschuhe  Deckung suchen musste. “Das ist ein Abschiedskuss, du Hund”, rief man ihm zu.

Auf wen war mensch sauer, sich des Schuhes entledigend?

Mir fällt ein, die Wohnung eines Gastgebers mit Schuhen zu betreten, ist unhöflich.

Schuhe haben durchaus eine große Bedeutung.

Ein scuoh (althochdeutsch) dient vor allem dem Schutz der Fußsohle und besteht aus Schaft und Boden, wie ich Wikipedia entnehme.

In den Hauffschen Märchen „Der kleine Muck“ kann der zwergwüchsige Junge in den Pantoffeln schneller laufen als jeder andere.

Wir denken an die Siebenmeilenstiefel, die ich als Radler manchmal auch gern hätte, vor allem wenn es bergauf geht.

„Die roten Schuhe“, ein Märchen von Andersen symbolisieren auf tragische Weise, welche Auswirkungen Eitelkeit haben kann.

Vielleicht habe ich auch eine verunglückte Variante eines  neuen Trendes, des so genannten Shoefti oder „Shoe tossing“ gesehen, bei dem Schuhe an ihren Schnürsenkeln aneinander gebunden und über eine Hochspannungsleitung geworfen werden. Einer ging verloren.

Ich höre häufig davon, dass Schuhe insbesondere dem weiblichen Teil der Menschheit als modischer Bestandteil zur Unterstreichung bestimmter Status oder Ästhetikmerkmale dienen sollen.

Bisweilen hat der Schuh von jeher auch etwas mit dem gesellschaftlichen Stand (Soldatenstiefel, Arbeitsschuhe) oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (Jesus-Latschen, Ökoschuhe) zu tun.

Manche Leute sollen gar nicht genug von Schuhen kriegen können, andere finden Schuhe erotisch. Der zierliche Damenfuß ist ja ein weit verbreitetes Schönheitsideal. In China entstand bereits im 10. Jahrhundert der Brauch, Mädchen ab dem Kleinkindalter die Füße zu binden. Gut 1000 Jahre lang hielt sich die grausame Mode. Die Folge: verkrüppelte Zehen, gebrochene Knochen, zehn Zentimeter klein wie eine Lotusknospe. Der Kaiser zumindest fand das erotisch. Diese äußert schmerzhafte Behandlung der Füße wurde erst unter Mao Zedong im 20. Jahrhundert verboten.

Vielleicht haben den Leuten also die Schuhe, die ich sehe, weh getan und sie wollten sie nicht weiter tragen und schon gar nicht einem Perversen ihre Füße zeigen.

Etliche Schuhe sehen wie Kunstwerke aus, und (meistens) man(n) fragt sich, wie frau darin laufen kann ohne dauerhaft Schaden zu nehmen.

Schuhe gibt es wohl seit über 10.000 Jahren, so die Aussage von Ethno-Archäologen. Die Schuhe die ich unterwegs sehe, sehen auch schon ziemlich alt aus. Vor 40.000 Jahren behalf mensch sich mit Fellen und Blättern, die um die Füsse gewickelt wurden.

Das gewöhnliche Volk ging lange Zeiten gar barfuss, deswegen hat die Fußwaschung eine besondere Bedeutung erlangt.

Sicher ist, dass sich die Leute, die die Schuhe im Seitengraben verloren oder zurückgelassen haben, sich anschließend die Füße waschen mussten, ohne König, oder Königin zu werden.

Vielleicht sind das auch übrig gebliebene Schuhe von einem der üblen Streiche des Till Eulenspielgels, der ja aus der Gegend kommt, in der ich lebe. Weil man ihn ausgelacht hat, hängt er ein Seil hoch über dem Fluss zwischen zwei Häuser. Er fordert sie auf, jeweils den linken Schuh auszuziehen und ihm zu überlassen. Er bindet sie mit den Schnürsenkeln zusammen und klettert auf das Seil, geht auf dem Seil bis zur Mitte, öffnet die Schnürsenkel und wirft die Schuhe hinunter. „Da habt ihr eure Schuhe wieder. Aber vertauscht sie nicht!“, heuchelt er! Bald prügeln sich Menschen um die Schuhe, es bleiben schmerzende Glieder und einsame Schuhe übrig.

Eine schonende Methode, sich eines Schuhes zu entledigen, sehe ich dann am letzten Tag meiner diesjährigen Radreise, dieses Exemplar ist noch zu gebrauchen!

Hochschuh

 

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Mein Ochsenweg 11 (25.10.2015) 95 Km Radtour von Münster über Marl nach Bochum

Nach einem gemütlichen Ausruh- und Familientag in Münster mit Tochter, Schwiegersohn und Ehefrau , der u.a. durch ein opulentes Essen bei einem spanischen Restaurant gekrönt worden ist (Tapas bis zum Abwinken), geht es am Sonntag morgen gegen 09:00 Uhr durch die leere, bekannterweise hervorragend auf Biker eingerichtete  Stadt Münster bei Nieselregen in Richtung Süden…

Wie heißt es doch so schön: “…in Münster regnet es entweder, oder es läuten die Glocken…”, und ich bin ja so glücklich beides beim Abschied genießen zu können….

Nach einiger Zeit kreuzt meinen Weg die münstersche Aa, die im nordwestlichen Westfalen westlich von Münster in den Baumbergen entspringt und dann auf ca 30 km Münster durchfließt in  und Münster den  Aasee schenkt und speist. Bei Greven mündet sie  in die Ems.

MS AaAls damaliger Leiter der Unteren Wasserbehörde im Umweltamt Münster waren meine MitarbeiterInnen und ich für dieses Flüsschen und die vielen Bäche im Stadtgebiet verantwortlich, neben vielen anderen wasserwirtschaftlichen Belangen. U.a. mussten wir darauf achten ,dass der Dom wegen Übernutzung des Grundwassers nicht zusammenfiel und dass das Trinkwasser, dass zu einem großen Teil aus dem Dortmund-Ems-Kanal gewonnen wird i.O. war, der wegen seiner guten Wasserqualität (Gewässergüteklasse II) auch zu diesem Zweck genutzt wird und im Grunde genommen Flusswasser des Flusses Lippe enthält. In Münster Ebenso war drauf zu achten das der das Stadtgebiet (unterirdisch passierende) Kiessandzug vor Schadstoffen geschützt wurde, usw. , usw.  …

Es war eine gute Zeit und eine sehr schöne Aufgabe.

Auf Wiedersehn Münster!!!

Tschüss MS..und dann geht es weiter durch die sehr ordentliche, Kulissenlandschaft des Münsterlandes Richtung Süden…

Immer schön befeuchtet von oben…

endlos MSAuf dem Weg in Richtung Haltern fällt mir ein, dass ich diese Strecke schon als Jugendlicher geradelt bin, z.B. aus dem Ruhrgebiet nach Münster zum Karneval… das muss gut 45 Jahre her sein… hmmmmm

Seitwärts passieren stolze Höfe und bewirtschaftete Felder, Kilometer lang…

stolzer HofFeld..weiter geht es entlang schnurgerader Strassen, die erstaunlicherweise bisweilen kilometerlang unmerklich bergauf und dann wieder bergab verlaufen…

Um 12:30 Uhr erreiche ich dann bei km 35 den Kreis Recklinghausen, das “Vest” , in dem die Stadt Marl liegt, in der ich aufgewachsen bin (vom 7. Lebensjahr bis zum 18. Lebensjahr) … und in mir steigen erste Gefühle von Vertrautheit und Erinnerung auf…

Vest0 VestrunterIrgendwann geht’s dann in die Halterner Berge… und kurz nach der Kuppe dann herrlich bergab in die Innenstadt von Haltern auf schlappe 40m üNN.

Ich lasse mich gemütlich rollen und lande bei km 43 im Zentrum bei der Kirche St. Sixtus auf dem schönen Marktplatz, wo ich dann am Brunnen sitzend eine dreiviertel Stunde in der Sonne, die mich wärmt und trocknet, gemütlich Vesper-Pause mache…

PauseSo gestärkt geht es mit frischer Kraft in Richtung Marl…  wo ich  nach einer guten dreiviertel Stunde am Stadtrand ankomme…

Marl 1

In Marl selbst tauchen nach und nach die mir altvertrauten Gegebenheiten auf…

so eine Zeche, die wohl noch in Betrieb ist…

AV…dann das schon damals architektonisch hypermoderne Rathaus mit Grimme-Institut, das ich als Schüler während der Filmpräsentationen besuchte…

Marler Rathaus..mein Albert-Schweitzer Gymnasium…, wo ich als knapp 18-jähriger Abitur gemacht habe…ASG Marl

..meine Grundschule, in die ich als 7-jähriger aus Kaiserslautern kommend eingeschult worden war…

Grundschule..und dann bei km 62 das Wohnhaus, in das meine Eltern mit uns vier Kindern aus Kaiserslautern kommend zogen, und in dem ich meine Kindheit und Jugend verlebte. In dem Haus wohnten 10 Familien, davon vier Familie mit insgesamt 13 Kindern…für Spielkameraden war seinerzeit gesorgt…

DrBrüllEin Blick auf die Türschilder zeigt mir, dass hier niemand mehr wohnt, den ich kenne…

Dennoch froh, diese Stationen besucht zu haben, fahre ich weiter zu meinem Tagesziel, nach Bochum…

Von Marl aus geht es über Herten, und Herne weiter…

In Herne kreuzt mein Weg den eigentlichen “Arbeits-Fluss” des Ruhrgebietes, das an seinen Rändern von Lippe und Ruhr, in der Mitte von der Emscher durchflossen wird.

EmscherbeiHerneDer Ruhr wiesen die Altväter des “Ruhrgebietes” die Aufgabe der Trinkwasserversorgung, der Lippe die Aufgabe der Brauchwasserversorgung (Kühlwasser) und die Emscher verurteilten sie zur Industriekloake, traurig traurig…

Die Emscher leitet ausschliesslich Schmutzwasser aus Gewerbe, Industrie und Haushalten ab und fliesst in Duisburg, kurz vor der Rheineinmündung, in Gänze in eine riesige Flusskläranlage hinein und kommt halbwegs gereinigt wieder heraus…

Weiter geht es mehrfach von ca. 45 m üNN auf ca. 100 m üNN durchs Ruhgebiet und am Ende komme ich bei km 97 gegen 16 Uhr nach brutto 7 Stunden Reisezeit und netto rd 5 Stunden Fahrzeit in Bochum an meinem Ziel an, wo mich meine Schwägerin, mein Bruder und sein Sohn mich empfangen und reichlich mit Kaffee und Kuchen verwöhnen.

Abends geht es noch kurz ins “Bermuda-Dreieck”, einem angesagten Stadt-Viertel, aber dann auch reichlich müde ins Bett, dass sich als stählernes Hochbett herausstellt,…

…eher für sportliche Burschen -als für müde alte Knaben- ein Kletter-Leckerbissen…

 

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Mein Ochsenweg 10 (23.10.2015) 125 Km Radtour von Minden über Osnabrück nach Münster

Am Morgen aufgewacht erwartet mich ein tolles Frühstück, dessen Umfang und Qualität mich mit dem “zurückhaltenden” Mahlzeit-Angebot des Vorabends mehr als versöhnt.

Für Übernachtung und Frühstück zahle ich 38 € und dann noch meine Schulden aus der “Minibar” und mache mich gegen 08:00 Uhr auf den Weg nach Osnabrück. Dem Navi entnehme ich, dass es jetzt auf den nächsten 40 km von 100 Höhenmetern auf 55 Höhenmeter herunter gehen soll.

Dieser Vorfreude pflanzt sich aber ein Müllwagen des städtischen Abfuhrunternehmens in den Weg, mit einem computergesteuerten einarmigen Anhängsel, das sich die an der rechten Strassenseite aufgereihten Müllgefässe schnappt und deren Inhalt in den großen Bauch des Müllwagens kippt.

Erfreulicherweise geht es zunächst bergab, so dass ich mich auf eine rasante Abfahrt freue.

Müll in MindenIch schleiche notgedrungen auf abschüssiger Bahn diesem Müllwunderwagen hinterher und warte, bis mich diese Arbeitsplatzvernichtungsmaschine dann an einer Kreuzung vorbei lässt.

Und dann geht es endlich kantipper-kantapper den Berg hinunter…..und hinein in die schöne Landschaft….

schöne Landschaft

pause 23_1und weiter geht es, durch Feld und Flur ….

Feld und Flur..an Wegkreuzungen wird immer wieder überlegt, ob die kurze Variante des Wegstrecke mit erhöhtem Aufkommen an Steigungen oder die “leichtere” mit längerer Strecke aber geringerem Aufkommen an Steigungen gewählt werden soll…

Wegkreuzung Bei km-Stand 40 treffe ich auf den Mittellandkanal, der mich quasi seit meinem Start vom Heimatort parallel begleitet hat…

MLK ..und weiter geht es , vorbei an einem Wasserschloss, Schloss Hünnefeld, das sich bezaubernd im Herbstsonnenglanz von seiner besten Seite zeigt… Es wurde 1146 erstmalig urkundlich erwähnt und verfügt über einen sehr schönen Barockgarten und zeigt mit seiner dreiflügeligen, zweigeschossigen Anlage heute die schlichte Gliederung der Spätrenaissance und deren Bedürfnis nach Repräsentation.

Schloss Hünnefeld Dann endlich ist bei km 50 und 4 Stunden Bruttofahrzeit eine Pause fällig, und ich geniesse die Käsebrötchen, die ich mir heute morgen beim Frühstück gefertigt und reserviert habe, herzhafte Landjäger(wurst) und meine kühle Traubensaftmischung.

Pause Bohnenkamp….und dann gelange ich endlich bei km 55 in den Landkreis Osnabrück und in die Stadt Ostercappeln, in der einer der Söhne unserer Familie -zu sehr früher Stunde vor gut 30 Jahren- im dortigen Krankenhaus geboren worden war…

Ostercappeln Mit dem schönen Gefühl an einer wichtigen Lebensstation erneut angekommen zu sein, trete ich kräftig und motiviert in die Pedalen in Richtung Osnabrück.

Nach einer guten Stunde ist es Zeit ein bisschen auszuruhen und einen Schluck meiner Weintraubenschorle zu mir zu nehmen….

Der Weg bis nach Osnabrück führt durch schöne, hügelige, waldreiche und durch Forst- und Landwirtschaft geprägte Landschaft. Zufällig sehe ich beim Radeln rechts von mir, dass sich eine kleine Herde Ziegen aus dem für sie zugewiesenen eingezäunten Weidebereich begeben hat und die Zicklein wohl meinen, außerhalb besonders saftiges und schmackhaftes Gras vorzufinden. Als ich mich langsam nähere, geht es aber schuppdiwupps wieder auf die eingezäunte Weide zurück…sehr putzig!

Zicklein1Zicklein2Endlich erreiche ich Osnabrück!

Gegen  13:00 Uhr komme ich an und radele gemütlich durch die Stadt, in der meine Familie und ich viele Jahre gern gelebt haben.

Osnabrück ist die viertgrößte kreisfreie Großstadt in Niedersachsen, Sitz des Landkreises Osnabrück und ein attraktives, lebenswertes Oberzentrum mit rund 155.000 Einwohnern.  Die Lage der Stadt am Knotenpunkt alter Handelsstraßen führte schon früh dazu, dass sie Prinzipalstadt des westfälischen Quartiers der Hanse wurde. Osnabrück ist auch heute Schnittpunkt europäischer Wirtschaftsachsen, Logistikzentrum und verfügt über eine bedeutende Auto-, Metall- und Papierindustrie.

Osnabrück liegt als Großstadt herrlich eingebettet in einem Naturpark und wird im Norden durch das Wiehengebirge, im Süden durch den Teutoburger Wald begrenzt. Die bergigen Ausläufer erstrecken sich bis in die Stadt hinein, wovon ein Radler ein Lied singen kann. Der Piesberg ist mit 188 m die höchste Erhebung, der für seinen ehemaligen Steinkohleabbau und das Industriemuseum bekannt ist. Ich kenne den Piesberg aus meiner Berufszeit in Osnabrück als Umweltamtsleiter leider auch als problematische Müll-Deponie.

Am Neumarkt (Innenstadt) beträgt die Höhenlage 64 m über Normalnull, das ist so hoch wie die Lage meines jetzigen Heimatortes. Zwischen Osnabrück und Münster liegt also einiges an Höhenmetern, die mir noch gehörig Strampelei abfordern wollen.

Osnabrück ist Eisenbahnknotenpunkt mit einem Personenbahnhof in der seltenen Bauform eines Turmbahnhofes, wo sich die Bahnstrecken Hamburg – Bremen – Ruhrgebiet und Amsterdam – Hannover – Berlin als Kreuzungsbahnhof kreuzen. Zwei weitere Strecken biegen hier ab, eine in Richtung Bielefeld („Haller Willem“), die andere in Richtung Norden in Richtung Oldenburg (Oldb) und Vechta.

Natürlich will ich den Hautbahnhof kurz besuchen, von dem ich aus viele Jahre nach Münster zum Dienst im Umweltamt Münster per Bahn fuhr. Am Bahnhof treffe ich -mehr oder weniger zufällig- für wenige Minuten auf meine Frau, die genau während meines Aufenthaltes in Osnabrück per Bahn vom Heimatort unterwegs ankommt, in Osnabrück umsteigen muss und gleich weiter nach Münster reist, wo am selben Abend und am nächsten Tag ein Familientreffen stattfinden soll. Geplant war das nicht, aber so weiß sie, dass ich noch lebe und guter Dinge bin.

Bahnhof Ossibrück

Die „Friedensstadt“ Osnabrück war neben Münster 1648 Ort der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens. Hier ist auch Sitz des 780 gegründeten Bistums Osnabrück, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Die schöne Innenstadt ist von Kirchen und einer historischen Altstadt mit dem Rathaus des Westfälischen Friedens gekennzeichnet in bemerkenswertem mittelalterlichen Flair. Ich erhielt hier in einer sehr schönen Zeremonie im Friedenssaal 1991 meine Ernennungsurkunde als Umweltamtsleiter und war für kurze Zeit auch als solcher tätig, bis ich den Ruf als Dezernent ins Peiner Land erhielt.

Rathaus OssibrückFriedenssaal Ossibrück

Meine Familie und ich haben hier sehr gern gelebt…

Rosemannstr 10aund die Entscheidung in 1992, weg zu ziehen, war schwer.

Nun, so mit schönen Erinnerungen aufgefüllt geht es weiter in Richtung Münster.

Bei km 83 muss ich konditionshalber eine Pause machen, “Donnerkneter” heißt die Station…putziger Name…

Donnerkneter1Donnerkneter2Ich geniesse mein Getränk und meine Brotzeit und -da diese Station auf einer Anhöhe liegt- die Entspannung nach der Anstrengung des Bergauf.

In Natrup-Hagen verlasse ich Niedersachsen.

NDs-NRW

Unterdessen geht es weiter steil bergauf, vorbei an schöner Landschaft und beeindruckenden Höfen…

Höfe NRW MS…noch habe ich nicht den höchsten Punkt erreicht…im niedrigsten Gang quäle ich mich mittlerweile ein wenig den Berg hoch…. und endlich habe ich gegen 16:50 Uhr und bei km 90 die Kuppe mit Höhenmeter 150 m üNN erreicht, von der es nur noch bergab in Richtung Münster auf Höhenmeter 60 m üNN geht….

Kuppe NRW MSIch habe noch 45 km vor mir und so langsam kann ich mich darauf vorbereiten, dass ich in die Dämmerung fahre und es wohl spät wird.

Zu allem Überfluss registriere ich, dass mein Navi nicht mehr vernünftig aufgeladen ist und ich bald entscheiden muss, ob ich dass Licht einschalte und auf die Zufuhr von Erhaltungsstrom zum Navi verzichten muss, das über eine USB-Schnittstelle vom Naben-Dynamo einen Erhaltungsstrom erhält.

Ich radele mit höherer Taktzahl weiter und gleite, immer schön bergab fahrend, ins Münsterland.

Auf den letzten Kilometern werde ich durch Hinweise des Navi an das Ufer des Dortmund-Ems-Kanals geleitet und fahre in immer dunkler werdender Lage in Richtung Münster. Dabei gönne ich mir einen Fahr-Wettbewerb mit den Richtung Münster tuckernden Kanalschiffen.

DME-Kanal 1DME-Kanal 2Um 18:30 Uhr, nach insgesamt 113 km mache ich an einer Kanalbrücke einen kurzen Stopp, aber dann geht es husch-husch weiter zur Innenstadt nach Münster, wo ich bei meiner Tochter und dem Schwiegersohn schon erwartet werde.

Eine Stunde später, gegen 19:30 Uhr, nach 125 km erreiche ich in Dunkelheit und durchaus erschöpft mein Ziel in der Innenstadt von Münster…

MS 1Noch in meinem vollen Dress serviert mir mein Schwiegersohn ein wunderbares, kühles und erfrischendes Münsteraner Öko-Bier…. und nach einem schönen Essen im Familienkreis sinke ich geduscht und müde selig ins Bett….

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Mein Ochsenweg 9 (22.10.2015) 120 Km Radtour von zu Hause nach Minden

Vor der Radtour ist nach der Radtour….

Siebenundsiebzig Tage ist es her, dass ich nach meiner schönen Radtour durch Schleswig-Holstein von meinem Drahtesel abgestiegen bin…und endlich ist es wieder soweit, der zweite Teil meiner diesjährigen Löffellisten-Radtour steht an.

Natürlich habe ich unterdessen jede Gelegenheit genutzt, zu biken, und wenn es nur die 16 km bis 18 km je Arbeitstag gewesen sind, an denen mich mein treuer Drahtesel zu Job und zurück gebracht hat.

Vor mir liegt das Ziel Düsseldorf, das in vier Etappen erreicht werden will…  Zunächst geht es  am ersten Tag nach Minden, über Hannover, bei nicht ganz so tollem Wetter, und leider sind die Tage auch schon merklich kürzer.

Dieses Mal habe ich mich intensiver vorbereitet, zum einen den (vergeblichen) Versuch gestartet, mit weniger Gepäck auszukommen, zum zweiten, mir mit dem “Radroutenplaner Niedersachsen” und dem “Radroutenplaner NRW” einen möglichst guten Überblick über die Strecke und ….vor allem über die zu meisternden Höhenmeter zu machen.

Nun, laut Routenplaner liegen 113 km vor mir und 150 Höhenmeter, geschätzte Fahrzeit bei 12 km/h rund 9,5 Stunden.

So heißt es denn, gegen 8 Uhr in der Frühe zu starten und spätestens gegen 18 Uhr am Ziel zu sein, in der Theorie….

Gesagt getan…am 22. Oktober geht es morgen kurz nach 8 Uhr in der Früh bei bedecktem Himmel gen Westen los.

Nach kurzer Strecke merke ich, dass der Reifendruck nicht hoch genug ist…also heisst der Plan, bei der nächsten Tankstelle wird angehalten und Luft bis 4bar getankt.

Luft holenBeim “Luftholen” hält ein gleichaltriger Mann mit einem Brotwagen an der Lufttankstelle und wir kommen kurz in ein nettes Gespräch über unser Alter, das Leben, usw.   …, wie das halt auf so einer Radtour ist…

Dann geht’s richtig los… u.a. durch Immensen, wo einst unser Kanzler Schröder mit seiner Hillu gewohnt hat, ja, der Hillu, die ihm seine Currywurst nie richtig gegönnt hat. Doris macht es sicher besser, oder?

Dann durch Lehrte, das namensgebend für einen Bahnhof in Berlin ist. Dieser Bahnhof  war von 1868 bis 1951 einer von elf Kopfbahnhöfen in Berlin. Die Berlin-Lehrter Eisenbahn fuhr damals bis ins hannoversche Lehrte und zurück. Von 1868 bis 1871 hatte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft dieserund 240 Kilometer lange Strecke gebaut.

Nach einer Stunde wird eine kleine Pause eingelegt…

weil es regnet, praktischerweise in einer Bushaltestelle…

Kurz danach passiere ich die Schleuse des Mittellandkanals in Anderten. Da muss ich einfach anhalten, denn schließlich habe ich mal Wasserwirtschaft und Wasserbau studiert und zwei Jahre bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Hannover gelernt. Anderten3Und irgendwie hab ich eine dunkle Erinnerung daran, dass ich als Baureferendar bei der WSV auch auf dem Boden einer der Schleusenkammer, die gerade in Überholung war herumgekrochen bin…

Und weiter geht es in Richtung Hannover. Mein Navi führt mich geschickt durch den Hannoveraner Bereich, ohne viel Stress und Verkehr auf Radrouten und zwar schön durch den grünen Teil….

Grüne EilenriedeNach gut zweieinviertel Stunden reiner Fahrzeit erreiche ich demgemäß die Landeshauptstadt Hannover und habe -am Maschsee angekommen- 42 km zurückgelegt, Grund genug ein Päuschen einzulegen.

In Hannover war ich zwei lange Jahre als Funker beim Militär in Bothfeld stationiert. Eine für mich harte, aber sehr lehrreiche Zeit. Ich war Tastfunker und Sprechfunker bei einer “tactical air controll” Einheit in einem Fm-Batallion, das es heute nicht mehr gibt. Die Ausbildung als Panzergrenadier war heftig. Naja, die 1 in Musik war wohl das Auswahlkritierium für diese Verwendung!

Dida didit, diadidit!

Nach einer kleinen Mahlzeit trete ich auf den Steg, von dem die Möwen erst im letzten Moment kreischend aufsteigen, und schaue in das klare Wasser. Von unten schaut mich vorwurfsvoll ein Riesen-Maschsee-Karpfen an…

OK, ich verschwinde ja schon…

Bei km 60 bin ich nach gut vier Stunden “Brutto”-Reisezeit und  wirklich reif für eine Pause und lasse mich für gut eine halbe Stunde bei leichtem Nieselregen auf einem verlassenen Spielplatz nieder…

ooh, was tut das gut!!

Pause 2210 12301Nun geht es mit munterem Antritt weiter, die Laune ist bestens, zumal leicht mehr als die Hälfte der Strecke geschafft ist. Ein wenig trübt jedoch meine Laune, dass aus den urprünglich prognostizierten 150 Höhenmeter laut meinem Navi inzwischen 300 Höhenmeter geworden sein sollen, was solls! Zumal sich das Wetter augenscheinlich bessert.

Unterwegs, schöne Landschaft, kommode Radwege, ..

Landschaft H-BadNenndorfein Genuß!

H-BadNenndorf4

Beobachtet wird man unterdessen schon!!

MuhKuh BadNenndorf

Dann geht es weiter nach Stadthagen, Kreisstadt des Landkreises Schaumburg (ehemalige Landkreise Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg), die in stolzen Zeiten  Residenz und für kurze Zeit Universitätsstadt war.

Unterwegs will der böse Gott aller Biker mich ärgern, die “diretissima” nach Stadthagen ist gesperrt, was einen Umweg von einigen Kilometern bedeutet, wogegen Autos durchfahren dürfen:

böserbikergottUnverdrossen strampele ich weiter und mache staunend an einer ehemaligen Treffpunkt-Perle in Echtorf kurz halt:

Treffpnkt

Immerhin ist der Radweg neu…

neuer Radweg

Schlussendlich erreiche ich Stadthagen und kann mir bei km-Stand 90 und einem Rest von 30 km bis zum Ziel eine kleine Pause gönnen. In der Innenstadt finde ich einen Bäcker, bei dem ich genüsslich einen Kaffee und einen Apfelplunder verzehre und in der ausliegenden Zeitung die neuesten Neuigkeiten aus Stadthagen lese.

Auf Nachfrage der Bedienung erläutere ich, dass ich gerade aus der Braunschweiger Gegend komme und genieße die erstaunten Mienen und bewundernden Blicke…

Von Stadthagen aus geht es erst einmal schön bergab, bis ich in der Innenstadt von Minden ankomme.

Minden liegt in NRW und an der Weser,  ist ca. 1200 alt und wurde kam 1648 im Zuge des Westfälischen Friedens unter preußische Verwaltung gestellt, es  wurde dann auch zur Festungsstadt ausgebaut. Minden verfügt über ein Wasserstraßenkreuz, an dem sich Mittellandkanal und Weser in einem Bauwerk kreuzen. In der Stadt leben heute ca. 80.000 Einwohner und man findet etliche Bauten der Weserrenaissance und den Mindener Dom, der als Wahrzeichen gilt. Minden lag ursprünglich nur am linken, hohen Weserufer, erst  im Jahre 1024 begann die Besiedlung auf dem rechten Weserufer.

Ja, und wo sollte ich übernachten?  Ja klar auf der linken hohen Seite…

Ich hatte mir über “Bett & Bike” eine Unterkunft vorbestellt, und die lag dummerweise am Berg, ganz oben und zwar im letzten Haus am Wald.

Bei km 120 komme ich dann endlich nach 9 Stunden Reisezeit ( 6 Stunden reine Strampelzeit) erschöpft und durchgeregnet an meiner Unterkunft an, denn es musste in Minden nochmal anfangen zu regnen.

Die letzten Kilometer schnaufe ich mehr schlecht als recht den Berg hoch.

Die Unterkunft hat den Charme der frühen 60er Jahre: Mobiliar: alt, Geruch: dumpf,…

Ich (192 cm lang) sollte in einem winzigen alten Bett schlafen, …

Zu essen hatte ich auch nichts dabei, da ich dummerweise beim Bäcker keinen Proviant erstanden hatte. Auf Anfrage bei der jungen Gastwirtin erhielt ich den Hinweis , es sei alles fürs Frühstück abgezählt und leider könne sie mir nicht einmal zwei Schnitten mit Käse zur Verfügung stellen.

Na toll!!!

In der sehr übersichtlichen “Minibar” stehen gottseidank einige Flaschen köstlichen Gerstensaftes und Erdnüsse gibt es auch….

Es ist, bei aller Bescheidenheit, schön warm und nach einer heissen Dusche schlafe ich getröstet und zufrieden den gerechten Schlaf meines ersten Reisetages….

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Mein Ochsenweg 8 (06.08.2015) 65 Km Radtour von Hermannsburg nach Hause

Den letzten Tag dieser Radtour gehen wir gemütlich an.

Ich informiere mich noch ein wenig über die Unterkunft, das Ludwig-Harms-Haus, die einen besonderen Hintergrund hat.

Das Ludwig-Harms-Haus war in seiner über 160-jährigen Geschichte ein Missionshaus und Ausbildungsstätte für die ersten Missionszöglinge, die als christliche Theologiestudenten für Mission in Afrika ausgebildet wurden. Es gab dort auch eine Druckerei und eine Missionshandlung. Heute legt eine Sammlung ethnologischer Gegenstände die Grundlage eines  historischen Rückblicks.

Das Ludwig-Harms-Haus gibt auch Einblick in die Arbeit des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen (ELM).

Es verfügt über einen “Weltladen” und eine Bibliothek.

Ich betrachte mit gemischten Gefühlen die Ausstellungsstücke und die Zitate aus Predigten des Ludwig Harms (“der Heidepastor”) erzeugen in mir eine gewisse Beklommenheit, insbesondere wenn dort vom “Heidenland” Afrika die Rede ist.

Nun, wir verlassen gleichwohl gestärkt die Unterkunft, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben, bei aller Skepsis gegenüber dem missionarischen Kontext, denken gern an deren herzliche  und zuvorkommenden MitarbeiterInnen und machen uns auf den restlichen Weg.

Mit dem sicheren Gefühl, bald in vertrauter Umgebung zu sein und die Annehmlichkeiten zuHause geniessen zu können, treten wir ordentlich in die Pedalen.

Unsere Radelei und unsere regelmäßigen Trink- und Erholungspausem nehmen wir konsequent, wie auf der gesamten Reise wahr, nicht ohne die Landschaft , Land und Leute und landschaftstypische Tiere bewusst und genussvoll wahrzunehmen.

Das staunende Interesse ist wohl beiderseitig, zwischen Mensch und Tier!

Nach gefühlt viel zu kurzer Fahrzeit sind wir dann endlich zu Hause….

Geschafft und geschafft!

Am nächsten Tag verabschiede ich meinen Freund am Bahnhof, er fährt zu sich nach Hause!

Es war schön mit Dir diese Radtour zu erleben, Danke Jörg!

 

 

 

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Mein Ochsenweg 7 (05.08.2015) 100 Km Radtour von Hamburg nach Hermannsburg


Als wir morgens aufwachen, gestehen wir uns gegenseitig, dass wir vor der nächsten Etappe von 100 km einigen Respekt haben. Daher sind wir auch deutlich früher aufgestanden als an den Vortagen.

Wir schwingen uns auf die Räder und fahren durch einen schönen Park hinunter zur Elbfähre, die uns gemeinsam mit anderen Personen auf das andere Elbufer übersetzt.

Auf der anderen Seite angekommen  legen wir trotz unseres Vorsatzes, es moderat anzugehen, tempomäßig ordentlich los.

In Buchholz wohnt  Verwandtschaft von mir, aber angesichts der vor uns liegenden Strecke ist ein Verweilen nicht angesagt.

Nach gut zwei Stunden  Fahrt kommen wir nicht umhin, bei einer bekannten Fast-Food –Kette  uns eine Rast zu gönnen, zu verweilen und uns an edlem Coffeetrank gütlich zu halten.

Die weitere Route führt uns in die herrliche sonnenwarme, nach Erika, Wacholder und Nadelholz duftende Lüneburger Heide.

Nachdem wir bisher sehr gut ausgebaute Radwege befahren haben, treffen wir jetzt in der Lüneburger Heide auf Sandwege, die uns streckenweise nötigen, wegen herausfordernder “Sand-Untiefen” abzusteigen und die Räder zu schieben.

Plötzlich hält mein Bikerfreund an und entdeckt, dass wir just an einem Haus vorbei fahren, in dem ein Bekannter von ihm wohnt.

Wir halten an, klopfen und erhalten tatsächlich Einlass, eine wunderbare Tasse Tee gepaart mit Fladen und selbst gemachter Marmelade. So gestärkt verlassen wir den gastfreundlichen Bekannten, genießen weiterhin die wunderbare Landschaft der Lüneburger Heide, bei wirklich warmem Wetter.

Erfrischt uns während des Radelns noch der Gegenwind, so wird es richtig heiß in den Momenten, wenn wir -aus welchem  Grund auch immer- anhalten müssen und der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind.

Kurz nachdem wir die magische Kennzahl

von 99,99 Kilometern   bewältigt haben,   

erreichen wir stolz unser Tagesziel.

Keine Frage, auch hier laben wir uns zunächst an einem kühlen Gerstensaftgetränk,

nehmen dann Quartier,  und geduscht, nach einem kurzen kräftigendem Schläfchen, verbringen wir abendessend -gemeinsam mit unzähligen Wespen- den Abend, bevor wir  dann sehr zufrieden schlafen gehen.

 

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