Denglisch, bis der Arzt kommt!

„“Kein größerer Schade kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den National-Charakter, die Eigenheit ihres Geistes und ihrer Sprache raubt; überdenke dieses, und du wirst den unersetzlichen Schaden sehen.“  Dieses fälschlich Immanuel Kant zugeschriebene Zitat stammt von Johann Gottfried Herder aus seinem Essay „Fragmente über die neuere deutsche Literatur“ von 1767.

Von seiner Aktualität hat es wenig bis nichts verloren, denn deutsche und englische Wörter werden hierzulande bedenkenlos ans Englische anbiedernd zusammengeschustert. Hier ein paar Kostproben:

Wer weiß schon, dass man für ein „Shooting“ am besten bewaffnet sein sollte, schließlich handelt es sich dabei um eine gediegene Schießerei! Also erst mal einen Waffenschein dafür erwerben!

Wegen des „Lockdowns“ (Ausgangssperre) ins „Home-Office“ (Heim-Büro) zu kommen, ist nicht einfach, denn so heißt das englische Innenministerium, und da kommt man nur mit „Body Guards“ (Leibwächter) rein.

Geht während des „Homeschoolings“ (Heimunterricht) das „Mother Board“ (Mutterbrett) vom „Personal-Computer“ (Rechenmaschine) kaputt, kommt es zum „Shutdown“(Stillstand) und guter Rat ist teuer. „Tracking and Tracing“ (Verfolgen und Aufspüren) des Fehlers helfen weiter, es sei denn, man will sich „ausloggen“ (abmelden), hat dann aber keinen Zugriff auf die „Cloud“ (Wolke) mehr.

„Quality Time“(Qualitätszeit) bringt dagegen „Shoppen“ (zum Vergnügen einkaufen) im „Outlet“ (Verkaufsstelle), um „Sales“ (Schlussverkauf) zu nutzen. Ohne „Community-Maske“ (Alltags-Maske) fürs Social-Distancing“ (räumliche Trennung) geht es aber aktuell nicht. So werden „Highlights“ (Glanzpunkte) unbesorgt in den „Stores“ (Läden) genossen. Ökos verzichten für die Anfahrt auf den Kauf eines „Tickets“ (Fahrkarte) im „Service-Point“ (Schalter). Sie ziehen „Biking“ (Zweirad fahren) im „stylischen“(modernen) „Outfit“ (Kleidung) vor, ein ganz andres „Event“ (Ereignis).

Über so viel Klimabewusstsein freut sich die „Community“ (Gemeinschaft) von „Fridays-for-Future“ (Freitage für die Zukunft), „Fridays-for Hubraum“ wirbt dagegen für mehr „Coolness“ (Kühle) beim Klimathema.

Ich gebe zu, das war ein bisschen „Nudging“ (subtiles Anstupsen für Verhaltensänderungen) gegen Denglischen. Hoffentlich wählte ich dabei das richtige „Framing“ (Wahrnehmungsbeeinflussung, damit bestimmte Informationen beim Leser hängen bleiben) gewählt zu haben und kein „Stuff“ (wertloses Zeug).

Mehr News (Nachrichten)  habe ich jetzt nicht. Ich wünsche zukünftig ein gutes „Feeling“ (Gefühl) beim „Talken“ (Unterhalten) und fürs „Weekend“ (Wochenende) „chillige“ (angenehme) „Romantic Dreams“ (romantische Träume).

Herrscher des Weges!

Entlang der Pfade, Wege und Straßen durch das Land gibt es reichlich zu entdecken.

Meist erkennt man nur das, was man sowieso schon kennt, daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Bei Radeln durch Peiner Land fällt mein Blick häufig auf die Pflanzen an den Wegesrändern.

Hier stehen Überlebenskünstler und Schönheiten, deren Anmut und Wirkkraft faszinierend sind.

Schön, wenn sie lange stehen bleiben können und nicht zu früh vom „Straßenpflegeteam“ abrasiert werden.

Hierzu gehören u.a. die „Wilde Karde“, die „Lichtnelke“, der „schwarze Mauerpfeffer“, der „Wiesensalbei“, die „Wegwarte“ und „Wegrauke“, und der „Spitz- und Breitwegerich“. Natürlich auch der „Löwenzahn“, das „Gänseblümchen“, der „Giersch“, die „Schafgarbe“ und die vielgeschmähte, aber doch so wichtige „Brennnessel“.

Zu meinen Favoriten gehören Spitz- und Breitwegerich.

Die Namens-Endung leitet sich vom Indogermanischen „-rich“ ab, was Fürst oder Herrscher bedeutet. Sein lateinischer Name „Plantago“ leitet sich von „planta“, die Fußsohle, ab

Der Wegerich ist der Herrscher des Weges. Und noch viel mehr.

Der Spitzwegerich wird seit der Antike als Heilkraut eingesetzt. Als Hustensaft ist er wirkungsvoll, hilft als Tee und zur Behandlung schlecht heilender Wunden, indem einfach frisch gepflückte zerquetschte Blätter aufgelegt werden. Bei Insektenstichen kann er so ebenfalls zur Linderung genutzt werden. In Mangelzeiten war ein Salat mit Spitzwegerich eine nützliche Zukost. Von Anfang April bis Ende August kann man ihn ernten, allerdings nicht an belasteten Straßen.

Der Breitwegerich wird auch seit je her in der Heilkunde eingesetzt, sein Saft wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung. Seine jungen Blätter sind als Salat essbar. Ältere zähe und faserige Blätter können gekocht in Eintöpfen gegessen werden. Die Blätter enthalten Calcium und viele Mineralien, 100 g von ihm enthalten etwa so viel Vitamin A wie eine große Karotte.

Insgesamt sind beide Arten gut zu vertragen, sie wirken wundheilend, pilzhemmend, entzündungshemmend, schmerzstillend und entkrampfend.

Der Sage nach führten die römischen Soldaten auf ihren langen Märschen stets Wegerich-Samen bei sich, den sie ab und zu am Wegesrand ausstreuten und sich so eine kleine Apotheke entlang ihrer Wege sicherten.

Mir hat der Wegerich bei Wanderungen oft geholfen, wenn sich Blasen am Fuß gebildet hatten: ein oder zwei Blätter auf die Blase und es konnte weitergehen.

Naturkundlich bewanderte Heiler kennen die Wegeriche auch als “Hasenapotheke”. Unsereins sollte doch mindestens so schlau sein wie die Hasen.

Turnikuti, Turnikuta!

Kennen Sie (noch) Zebulon aus dem Zauberkarussell?

Die Figur mit Zauberschnurrbart leitete in den 60er Jahren samstags im Fernsehen eine 5-minütige Puppentrickserie für Kinder ein. Mangels eigener Beine hüpfte er mit Sprungfeder herum. Unvergesslich sein Spruch “Turnikuti-Turnikuta, der Zebulon ist wieder da“.

In seinem Gefolge wuselte ein Hund namens Pollux, bei dem man nie wusste, wo vorne oder hinten war. Kumpel „Hugo Schneckerisch“, eine kleine  sächselnde Schnecke, vermittelte die Entdeckung der Langsamkeit.

Daran dachte ich dieser Tage, als ich mein Bankkonto online öffnete, um Umsätze des Monats einzusehen.

Modernes Online-Banking erfordert Sicherheitsverfahren. So benötigt unsereins einen User—Namen, eine Zugangsnummer und ein Passwort.

Soweit so gut, will ja keiner, dass Unbefugte auf dem Konto herumspielen.

Für Überweisungen oder besondere Umsatzberichte kommt es dicker:

Manche Banken fordern fürs „blitzschnelle Online-Banking“ ein pushTAN Verfahren, andere ein BestSign-Verfahren. Einige Banken bevorzugen das so genannte photoTAN Verfahren, alternativ das mobileTAN Verfahren. Das iTAN-Verfahren ist veraltet. Erleichterung soll das Session-TAN-Verfahren bieten. Manchmal wird zusätzlich noch eine PIN benötigt. Meistens wird ein Smartphone benötigt, dessen Aktivierung mittels Aktivierungsbrief (aus Papier = old school!) erfolgt. Alles einfach, oder?

Fällt das alte Smartphone auf den Boden, ist es kaputt, oder man kauft ein neues: viel Spaß, alles muss erneut eingerichtet werden! Dann ist man erstmal draußen, wie Pollux beim Fleischer!

Der erste Schritt am PC mit Online-Banking klappt, ich bin drin. Nun will ich ältere Buchungen ansehen. Ich tippe das Datum ein.

Auf dem Smartphone meldet sich die App und fordert die Passworteingabe!

Häääh??!! Wieso Passwort?? Auch beim zweiten oder dritten Versuch wird ein Passwort verlangt. Wieso, warum, weshalb? Erste Schweißtropfen bilden sich auf meiner Stirn.

Der Blick in die digitale Rubrik „Hilfe&Service“ zeigt, es muss ein „photoTAN Ugrade(Push)“ gegeben haben. Ich kann mich dunkel erinnern, dass da was war.

 Hab‘ „Upgegraded(Push)“, aber das Passwort nicht notiert.

Verzweifelte Recherchen im digitalen Passwortpanzerschrank helfen nicht weiter.

Innerhalb von einigen Minuten laufe ich zur emotionalen Hochform an.

Fast fange ich wie Zebulon an, mit meinem Schnurrbart zaubern zu wollen und auf Sprungfedern durch die Wohnung zu hüpfen.

Besser, ich werde zu Hugo und teste in aller Ruhe sämtliche Variationen von Passwörtern, die mir einfallen.

Und siehe da, „ei verbibbsch“, am Ende hat‘s geklappt, „nur nisch uffräschn!“