Verzichten, wie?

Kennen Sie das auch? Laufend gibt es Angebote für vieles, was das Leben angenehmer, reichhaltiger und besser machen soll. Allein die Werbeprospekte an Wochenende durch die Post und Hallo, wer weiß was Altes! Darauf kann ich gut verzichten.

Das E-Mail-Angebot einer afrikanischen Prinzessin, die 5 Mio. US-Dollar überweisen will, weil man so großartig und vertrauenswürdig ist, klingt interessant. Den kleinen Haken an der Geschichte nimmt man evtl. in Kauf. Oder sollte man lieber hierauf doch verzichten?

Ich unterhielt mich mit einem Bekannten über Klimaschutz und den Beitrag Einzelner. Neben einigen Thesen vertrat ich eine, die nicht gut ankam.

Es war meine Auffassung, dass zukünftig wohl Veränderungen im eigenen Wirkungs- und Lebenskreis anstehen. Der Verzicht auf Luxus und scheinbar wichtige Annehmlichkeiten, Änderung lieb gewordener Lebensgewohnheiten und Reduzierung des Konsumverhaltens stehen ins Haus, um der Übernutzung natürlicher Ressourcen zu Lasten zukünftiger Generationen zu begegnen.

Gesteigertes Stirnrunzeln und veränderte Tonlage verrieten, dass ich hier einen wunden Punkt getroffen hatte. Ich wurde aufgefordert, das zu präzisieren.

Verzicht geht bisweilen mit einem schlechten Gefühl einher, man gibt etwas auf, man erfüllt sich einen Wunsch nicht oder lässt von einem Anspruch ab. Selbstdisziplinierung und Unterdrückung von Begierde sollen innere und äußere Abhängigkeit reduzieren.

Der Verzicht, den der Fuchs in der Parabel Äsops auf den Genuss zu hoch hängender Trauben leistet, ist nicht gemeint. Er gibt nicht zu, dass er die Trauben nicht erreichen kann.

Gehe ich mit meiner Frau in der Stadt spazieren, dann findet sie oft in den Schaufensterauslagen etwas, was genau das Richtige an Klamotten für mich wäre. Ich weiß, der Trend geht heutzutage über den Zweitanzug und den  Zweitschuh hinaus. Dieser Verzicht fällt mir leicht, nicht immer zur Freude meiner Frau.

Verzicht auf ein Glas Wein am Abend  -oder auch zwei- ist dagegen eine größere Herausforderung.

Sokrates , die Stoiker und die Kyniker haben Verzicht bis zur Bedürfnislosigkeit als hohes ethisches Ziel postuliert. Ich bin glücklicherweise kein Philosoph und kein Asket, der auf Genussmittel, Bequemlichkeiten und leibliche Freuden verzichten möchte.

Vorbildlich tugendhaft  möchte ich auch nicht sein.

Schon gar nicht möchte ich mir von selbsternannten politischen Wanderpredigern vorschreiben lassen, worauf ich zu verzichten habe und dafür möglichst auch noch mehr Steuern zahlen soll.

Selbst herauszufinden, was verzichtbar ist und es ohne Order von außen umzusetzen, das ist es!

Morgen fang ich damit an!

Alles Müll, oder was?

Gehen Sie gerne spazieren? Abends einmal um den Block, oder gern auch mal in die Natur? 

Ja klar, warum nicht?

Meine Gemahlin und ich gehen auch gerne spazieren. Wir wohnen so, dass wir nach wenigen Minuten in der „freien“ Natur sind. Dort können wir Landschaft, Feld und Flur, nebst allem, was da kreucht und fleucht genießen. Sagen wir eher, wollen wir genießen.

Außer Flora und Fauna gibt es nämlich noch Müll-Hinterlassenschaften unbekümmerter Zeitgenossen zu besichtigen. Leider werden auch oft Gartenabfälle am Waldesrand abgekippt, wo sie nichts zu suchen haben. Manchmal finden wir volle Müllsäcke, dann informieren wir den Grundstückseigentümer oder den Abfallentsorgungsbetrieb. Meine Frau und ich sind davon genervt und nehmen Behältnisse mit, sammeln unterwegs vor allem Kunststoffmüll vom Wegesrand auf. Da kommt einiges zusammen, was wir dann natürlich ordnungsgemäß entsorgen.

Kürzlich ging ich an einem Tag durch unsere Wohnsiedlung, an dem die „gelben Säcke“ am Rand der Wohngrundstücke zur Abholung am nächsten Tag abgelegt waren. Ich konnte eine stattliche Anzahl gelber Säcke feststellen, im Schnitt pro Haushalt 4 Säcke. Hochgerechnet schätzt man 25 bis 40 Säcke pro Jahr pro Haushalt. Bei 50.000 Haushalten im Peiner Land kommen 1,3 bis 2,0  Mio. Säcke zusammen. Bei einem durchschnittlichen Füllgewicht von rd. 2,5 kg je Sack sind das 3.000 bis 5.000 Tonnen pro Jahr. Da staunste, wa?

Der „gelbe Sack“ für Verpackungsmüll gehört zum „dualen System“, das die die öffentlich-rechtliche Abfallentsorgung ergänzt. Industrie und Handel zahlen dabei Lizenzgebühren für die Entsorgung von Verpackungen. Bekannt ist der Grüne Punkt, es gibt auch  Veolia, Interseroh, usw..  Seit 2009 müssen sich alle Firmen am dualen System beteiligen. Hausmüll, Papier, Glas gehören da nicht hinein. Mehr als die Hälfte des Inhalts des gelben Sackes  landet in der Verbrennung, nur ca. 40% werden stofflich verwertet.

Also eigentlich ist alles geregelt.

Warum wird dennoch so viel in die Natur geworfen?

Wahrscheinlich sind die Strafen zu lasch.

Wer z.B. in Singapur Müll achtlos wegschmeißt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Schon ein weggeworfenes Streichholz wird teuer. Wer erstmals ertappt wird, kommt mit 95 € Strafe davon. Getränkedosen schlagen mit bis zu 600 € zu Buche. Unverbesserlichen Müllsündern drohen bis zu 3.000 € Strafe, wahlweise Arbeitseinsätze von etlichen Stunden, um Müll auf öffentlichen Straßen und Plätzen einzusammeln. Ich bin für die Einführung des Singapur-Systems, meine Frau würde gern kontrollieren.

Jahresendfigur!

Das Jahr 2019 ist schon lange zu Ende. Nutzer von Printmedien, Radiosendern und TV „draußen an den Apparaten“ wurden fürs neue Jahr reichlich beliefert. Je nach Couleur reichte die Palette von humoristisch-kabarettistisch geprägten Beiträgen bis zu traditionellen oder anti-rassistischen Beiträgen.

Einige gesellschaftliche Akteure probierten unterdessen, das Verhalten und Bewusstsein von unsereins auf vorhersehbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei Gebote, Verbote oder ökonomische Anreize einzusetzen: Nudging, bekannt auch als sanfter Paternalismus.

SPD-Jungstar Kevin Kühnert teilte dazu mit, wie er sich die Benamung von überkommenen Feiertagen, wie z.B.  Weihnachten vorstellt: er bevorzugt den Begriff „Jahresendfeier“.

Meine Familie kommt mütterlicherseits aus der Gegend von Rostock. Da waren zu DDR-Zeiten marxistisch-leninistische Begrifflichkeiten wie „Jahresendprämie“ (Weihnachtsgeld) und „geflügelte Jahresendfigur“ (Weihnachtsengel) als rhetorische Leckerbissen und ideologisch saubere „Sättigungsbeilage“  Gang und Gäbe. Stramme Genossen schnitten Jahresendfiguren hilfsweise die Flügel ab, um ein stimmiges Feeling zu erzeugen. In dieser Tradition steht das vergessene und nie umgesetzte „Stollen-Schenkverbot“ vom ehemaligen Oberst Schalck-Golodkowski im damaligen DDR-Ministerium für Staatssicherheit.

In politisch korrekten Musikerkreisen wurde das „Jahresend-Oratorium“ von J.S. Bach aufgeführt.

Feierlichkeiten in z.B. katholischen Kitas zu Ehren Sankt Martins, der der Sage nach seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, wurden aus Sorgen von links in NRW, schon mal als Lichterfest, bzw. Sonne-Mond-und-Sterne-Fest begangen, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt.

Aber auch Ikea führte mit seiner Weihnachtsdeko „Vinter“ auf neue Wege. Das aber bringt den traditionsbewussten deutschen Kunden in Wallung: Haben wir schon Winterfest oder sind wir noch Weihnachten?

Die UN war in großer Sorge und setzte sich für die Abschaffung des Helfers des niederländischen Nikolaus, genannt der „Zwarte Piet“ ein. Der kommt mit grellroten Lippen und Afro-Perücke schwarz gefärbt, um holländischen Kindern Geschenke zu überbringen.

Als Alter-Weißer-Mann, der ich nun mal bin, klammere ich mich an hergebrachte Begrifflichkeiten und Rituale: Ich mag den Advent, den Weihnachtsmarkt in Peine, Turmbläser-Musik der Jakobi-Kirche, musiziere mit dem Männergesangverein in Woltorf, dem Musikverein und Posaunenchor in Edemissen zu Advent und Weihnachten und freue mich auf das weihnachtliche traditionelle Zusammensein der Familie, auf Kerzenschein, Tannenbaum und Herrenhuter Stern.

Ja, und?